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DKKD in Hann. Münden: Fette Typen an der Mauer

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Von: Michael Caspar

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Beim DKKD-Festival auch dabei. Die Druckwerkstatt Fette Typen in der Sydekumstraße in Münden.
Beim DKKD-Festival auch dabei. Die Druckwerkstatt Fette Typen in der Sydekumstraße in Münden. © Jens Döll

Barbara Brübach druckt noch so wie vor 100 Jahren. Im Zuge von DKKD wird die Druckerwerkstatt „Fette Typen“ an der Sydekumstraße.

Hann. Münden – „Schön, dass Du in meiner Humorgruppe bist“, heißt es auf einer der Karten. Eine andere setzt den „Popo-lismus“ der Populisten deftig in Szene. Solche Typografien, also mit beweglichen Druckbuchstaben (Typen) gestaltete Werke, fertigt Barbara Brübach seit 2015 in ihrem Atelier Fette Typen an der Sydekumstraße 9 in Hann. Münden an. Während des Festivals können Interessierte das auch einmal selbst auf einer historischen Druckpresse ausprobieren.

Druckerwerkstatt an der Sydekumstraße in Hann. Münden

„Erfunden hat den Druck mit beweglichen Metall-Buchstaben der Mainzer Goldschmied Johannes Gutenberg Mitte des 15. Jahrhunderts, erläutert Brübach. Er löste damit eine Revolution aus – ähnlich wie das Internet von 1969 an. Vor Gutenberg war die Vervielfältigung von Schriftstücken ein mühsames Geschäft. Gebildete Ordensleute schrieben Dokumente und Bücher in den Skriptorien, den Schreibstuben, der Klöster ab. Mit dem Druck ließen sich dann Texte schnell und vergleichsweise günstig kopieren, was die Verbreitung von Informationen ungemein beschleunigte.

Betreibt seit 2015 an der Sydekumstraße 9 das Atelier Fette Typen: Barbara Brübach, die wie Johannes Gutenberg das Goldschmied-Handwerk gelernt hat, druckt auf ihrer alten Presse neben Texten auch Grafiken.
Betreibt seit 2015 an der Sydekumstraße 9 das Atelier Fette Typen: Barbara Brübach, die wie Johannes Gutenberg das Goldschmied-Handwerk gelernt hat, druckt auf ihrer alten Presse neben Texten auch Grafiken. © Michael Caspar

Brübach ordnet in ihrem Atelier die Buchstaben in einer speziellen Ablage, einem Winkelhaken, zu Worten. Hat sie eine Zeile voll, legt sie sie vor sich auf dem Tisch ab. So entsteht nach und nach eine Kolumne, eine Spalte. Sie werden miteinander auf der Druckplatte zu einer Seite verbunden. Auf sie übertragen im nächsten Schritt Rollen die Farbe. Dagegen presst die Kunsthandwerkerin ein Blatt Papier.

„Durch die Beschäftigung mit dem Drucken haben sich mir viele Begriffe und Redewendungen erschlossen“

Die Druckmaschinen hat die Mündenerin teils gekauft, teils geschenkt bekommen, ebenso die beweglichen Lettern, die größtenteils wie zu Gutenbergs Zeiten aus Blei, teilweise aber auch aus Kunststoff sind. Brübach besitzt zudem Klischees, Druckformen etwa für Abbildungen von Schleifmitteln eines Mündener Unternehmens oder Schuhen einer Fabrik.

„Durch die Beschäftigung mit dem Drucken haben sich mir viele Begriffe und Redewendungen erschlossen“, erklärt die Kunsthandwerkerin. Nach der Druckerpresse heißt die Presse, also die Zeitungen und Zeitschriften. Klischee bedeutet „Abklatsch“. Das Wort „abgenudelt“ leitet sich von der Nudel, dem Druckstock, her, der nach vielen Druckvorgängen verschlissen, abgenudelt, ist.

„Mein Interesse an selbst gedruckten Texten und Grafiken haben Lehrer während meiner Schulzeit geweckt“, erinnert sich Brübach. Nach dem Abitur lernte sie wie Gutenberg Goldschmiedin. „Dort habe ich das Zeichnen und Gestalten gelernt“, fasst die Mündenerin zusammen. Später begann sie Läden zu planen. Mit dem Atelier hat sie sich ein zweites Standbein aufgebaut.

Das Fachwerkgebäude ist 1680 direkt an die Stadtmauer gebaut worden

„An die Räume an der Sydekumstraße kam ich durch einen Zufall“, erzählt Brübach. Als sie sich mit Freunden unterhielt, schnappte eine Frau auf, dass Brübach in der Innenstadt eine Druckerei gründen will. Die Zuhörerin, eine Hausbesitzerin, bot der Kunsthandwerkerin einen Besichtigungstermin an. Am nächsten Tag unterschrieb die Mündenerin den Mietvertrag.

Das Fachwerkgebäude ist 1680 direkt an die Stadtmauer gebaut worden. Sie ist im Haus – unverputzt – zu sehen. Permanent rieselt Sand herunter. Durch die dicke Mauer brachen die Hausbesitzer Fenster. Eins dient als Tür zum Dielengraben. Die Haustür ist in der Mitte durchgesägt und mit der oberen Hälfte unten wieder eingesetzt worden. So muss man beim Lüften nicht die ganze Tür öffnen. (Michael Caspar)

In zahlreichen Gebäuden in Hann. Münden wird während dem DKKD-Festival ausgestellt. Darunter auch zum ersten Mal im Sonnenuhrhaus an der Langen Straße. Im Alten Pfarrhaus wird über Ungleichheit der Frauen und Lösungen dieses Sachverhalts sinniert.

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