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DKKD-Festival: Ausstellung im Alten Pfarrhaus zum Begriff „Frauenzimmer“

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Von: Jens Döll

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Das Alte Pfarrhaus ist mittig im Bild, erkennbar an der Ukraine-Flagge. Rechts im Bild ist der Infopoint des DKKD-Festivals.
Altes Pfarrhaus in Hann. Münden, direkt gegenüber der St. Blasius-Kirche. Die Ukrainer-Flagge haben die Besitzer als Zeichen der Solidarität angebracht. Die Ausstellung Frauenzimmer befindet sich im Erdgeschoss. © Jens Döll

Die DKKD-Ausstellung im Alten Pfarrhaus in Hann. Münden zeigt Unterdrückung und die Auswege. Zwei Künstlerinnen zeigen dort ihre Werke, zudem gibt es einen Gewölbekeller zu entdecken.

Hann. Münden – „Liebe das Gute, pflege das Rechte, such die Gerechtigkeit, dann wirst du in holdem Frieden glücklich sein. Im Jahre des Herrn 1581“, ziert eine Inschrift, natürlich im Original auf Latein, den Eingang des Alten Pfarrhauses am Mündener Kirchplatz.

Das Gebäude – dessen Erbauungszeitraum zwischen 1570 und 1580 datiert wird – ist zum ersten Mal als Ausstellungsort beim DenkmalKunst-KunstDenkmal-Festival (DKKD) dabei. Es ist ein stattliches Haus, fünf Stockwerke hoch, mit südniedersächsischer Renaissancefassade, wie sie öfter im Weserbergland vorkommt.

Hann. Münden: Ausstellung „Frauenzimmer“ zum DKKD-Festival

Im Erdgeschoss findet die Ausstellung „Frauenzimmer“ von Charlotte Schütz (Wilhelmshausen) und Eva Lieding (Meissner) statt. „Es geht um Frauenrechte, Bildung und starke Frauenfiguren“, berichtet Lieding beim Rundgang. An den nackten Wänden sind Statuten aufgestellt, große High Heels aus Holz und Beton stehen im Raum, es gibt auch eine Handtasche aus behauenem Stein – sie wiegt stolze 26 Kilogramm.

„Die Ausstellung soll zeigen, dass Frauen immer wieder in Modeideale gezwängt werden, die nicht von Frauen, sondern von Männern erdacht werden“, berichtet Lieding, die zum ersten Mal auf dem DKKD ausstellt und ursprünglich aus Berlin stammt. Beispielhaft stehen dafür mehrere Schnürbrüste aus Marmor, Kalkstein und Keramik. Aktuellen Bezug zu den Protesten gegen die Unterdrückung der Frauen im Iran gibt es auf der Treppe in den ersten Stock zu sehen: Dort steht der Slogan „Frauen, Freiheit, Leben“, der auch von den Protestierenden genutzt wird.

Ausstellung Frauenzimmer: Eva Lieding zeigt Frauenbiografien auf Lasagneplatten in Hann. Münden.
Ausstellung Frauenzimmer: Eva Lieding zeigt Frauenbiografien auf Lasagneplatten. Auch geht es um Ungleichheit, die Gender-Pay-Gap und die Situation weltweit. © Jens Döll

Neben dem Aufzeigen der Probleme und Ungleichheit werden in „Frauenzimmer“ aber auch Auswege aufgezeigt. „Bildung“, beschreibt Eva Lieding mit einem Wort den Hoffnungsschimmer. Ausgehend vom Zitat von Virginia Woolf (1882 – 1941) , dass jede Frau ein „Zimmer für sich“ brauche, haben sich die beiden Künstlerinnen den Namen überlegt. Einerseits engt das „Frauenzimmer“ die Frauen ein, aber andererseits kann es auch ein Freiraum sein, ein Weg zur Selbstentfaltung. Ein Ort für Bildung und Weiterbildung, der Gelehrsamkeit.

Starke Frauen, Unterdrückung und Bildung als der Ausweg

An den rohen Wänden sind auf Stoff die Biografien verschiedener Frauen aufgezeigt, die sich für Bildung, Ausbildung und Frauenrechte stark gemacht haben. Beispielsweise sind das die sogenannten „Malweiber“ von Hiddensee. Ein Künstlerinnenbund, der auf der Insel Hiddensee in der Zwischenkriegszeit beheimatet war. Einige der Künstlerinnen wurden in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet.

Charlotte Schütz stellt unter anderem eine Handtasche aus, die etwa 26 Kilo wiegt.
Charlotte Schütz stellt unter anderem eine Handtasche aus, die etwa 26 Kilo wiegt. © Jens Döll

Auf Lasagneplatten hat Eva Lieding mehrere Zitate zur Lage der Frauen in Deutschland und der Welt zusammengefasst, dazu kommen auch Biografien von bekannten Mündener Frauen wie der Kabarettistin und Schauspielerin Hanne Wieder (1925-1990) und der Fußballerin Felicitas Rauch. Weiterer Star, neben Eva Lieding und DKKD-Veteranin Charlotte Schütz, ist das Gebäude selbst: Momentan laufen Umbauarbeiten. Anfang des Jahres 2021 haben Günther Bokemeyer und seine Partnerin Bettina Wuth das Haus erworben. Es soll wieder eine Gewerbeimmobilie mit Wohnungen darüber werden. Erst vor Kurzem wurde ein historisches Kellergewölbe freigelegt. Dieses ist während der Öffnungszeiten des Alten Pfarrhauses ebenfalls zu besichtigen.

Kellergewölbe unter dem Alten Pfarrhaus. Dieses wurde erst kürzlich wieder freigelegt.
Kellergewölbe unter dem Alten Pfarrhaus. Dieses wurde erst kürzlich wieder freigelegt. © Jens Döll

Vor dem Leerstand war im Erdgeschoss ein Café untergebracht. Im Jahr 2019 wurde dort Feuer gelegt. (Jens Döll)

In zahlreichen Gebäuden in Hann. Münden wird während dem DKKD-Festival ausgestellt. Darunter auch zum ersten Mal im Sonnenuhrhaus an der Langen Straße.

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