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DKKD in Hann. Münden: Über die Einheit von Mensch und Natur

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Von: Thomas Schlenz

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Eindrucksvolle Schnitzereien schmücken die Fassade der „casa feliz“ an der Lohstraße 3.
Eindrucksvolle Schnitzereien schmücken die Fassade der „casa feliz“ an der Lohstraße 3. © Thomas Schlenz

In der casa feliz geht es beim DKKD-Festival in Hann. Münden darum, wie alles mit allem zusammenhängt. Dort stellen mehrere Künstler ihre Werke aus, unter anderem Regine Wolff.

Hann. Münden – Eindrucksvolle Schnitzereien schmücken die Fassade der „casa feliz“ an der Lohstraße 3. Das im Stil des Historismus gebaute Haus ist schon von Weitem ein Hingucker. Als eine Besonderheit gilt das Bauholz, das für die Konstruktion extra aus Amerika importiert wurde: Es handelt sich um die sogenannte langsam wachsende Sumpfkiefer.

Hann. Münden: Natur und Menschheit als Einheit begreifen

Im Erdgeschoss tauchen die Besucher ein in eine mythisch-romantische Welt: Tiere, wie Wale oder Rehe sind zu sehen. Wer genau hinsieht und länger vor den Gemälden steht, bleibt, erkennt weitere Details, eine besondere Tiefe ist wahrnehmbar. Künstlerin Regine Wolff aus Lotte bei Osnabrück verwendet eine Mischtechnik aus Rotationssiebdruck und Ölmalerei. Druckversuche, die sie für ihre Arbeiten nutzt, sind während ihrer Arbeit als Textildesignerin entstanden. Daraus resultieren auch die großen Formate von 1,40 Meter bis 1,80 Meter.

Sieht Mensch und Umwelt als eine Einheit: die Künstlerin Regine Wolff, die ihre Bilder in der casa feliz ausstellt.
Sieht Mensch und Umwelt als eine Einheit: die Künstlerin Regine Wolff, die ihre Bilder in der casa feliz ausstellt. © Thomas Schlenz

„In meinen Bildern möchte ich deutlich machen, dass wir mit unserer Umwelt eine Einheit bilden. Die Trennung zwischen Mensch und Natur ist ein Konstrukt“, sagt Wolff. Die Menschen hätten vergessen, dass sie zur Natur dazugehörten, hätten sich entfremdet von ihr. So gebe es nur noch wenige Orte auf der Welt, die nicht vom Menschen beeinflusst worden seien. Die echte Wildnis sei so gut wie nirgends auf der Welt noch zu finden. Gleichzeitig würden aber die Gesetze der Natur weiterhin gelten.

Eindrucksvoll erscheint in diesem Zusammenhang ein Bild, auf dem in einer Art Collage ein Wal, ein Mensch in gelber Vollschutzkleidung und dahinter leicht versteckt ein in ein Tuch gehülltes, ängstlich guckendes Kind zu sehen sind. Beim Betrachter werden hier Gedanken an den Zusammenhang zwischen Umweltzerstörung, dem Vordringen des Menschen in zuvor unberührte Lebensräume und daraus resultierende Probleme wie Krankheiten oder Flucht wach. Durch ihre besondere Technik wirken die Bilder von Regine Wolff mystisch, düster-romantisch und auch märchenhaft. „An Mustern interessiert mich die Wiederholung, durch die eine Art Unendlichkeit entsteht und gleichzeitig eine beruhigende Ordnung in einer unfassbar komplexen Welt“, beschreibt die Künstlerin auf ihrer Webseite.

„An Hann. Münden gefällt mir der Austausch mit anderen Künstlern“

Regine Wolff ist in diesem Jahr erstmals bei DKKD dabei: „An Hann. Münden gefällt mir der Austausch mit anderen Künstlern“, lobt sie. Im Gegensatz zu anderen Ausstellungen habe sie hier auch die Möglichkeit, mit dem Publikum zu sprechen: „Dadurch erfahre ich, wie meine Kunst wirkt“, erklärt die Künstlerin. Zudem sei sie von der Fachwerkarchitektur der Dreiflüssestadt fasziniert: „Ich habe nie zuvor eine so intakte Fachwerkstadt gesehen. In meiner Heimat gibt es das so nicht“, sagt Wolff.

Neben den Gemälden von Regine Wolff sind im Erdgeschoss der casa feliz auch Holzkunstwerke von Aron Schulze aus Bad Münder zu sehen, etwa die Skulptur eines großen Fischskeletts. Die dreidimensionalen Skulpturen fügen sich zusammen mit den Bildern gut in den lichtdurchfluteten Raum ein. Psychedelisch wird es im Keller der casa feliz: Die Künstlerin Nana Hercules zeigt hier experimentelle Liquid Art ergänzt durch Klangkunst von Ophelia Sullivan. (Thomas Schlenz)

Viel zu entdecken gibt es zum DKKD-Festival in Hann. Münden noch bis zum 09.10.2022. In zahlreichen alten Fachwerkbauten stellen Künstlerinnen und Künstler aus. Im Alten Pfarrhaus geht es um den Begriff „Frauenzimmer“, im Sonnenuhrhaus wartet ein ‚interessantes‘ Buffet und an der Sydekumstraße wird gedruckt wie vor hunderten Jahren.

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