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DKKD in Hann. Münden: Kinder, Kohle, Kettenhemden in der alten Gummifabrik

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Von: Michael Caspar

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Alte Gummifabrik an der Ziegelstraße. Das Gebäude dient als Ausstellungsfläche während DKKD 2022.
Alte Gummifabrik an der Ziegelstraße. Das Gebäude dient als Ausstellungsfläche während DKKD 2022. © Michael Caspar

Während des DKKD-Festivals stellen Kunstschaffende stellen in Mündens alter Gummifabrik aus. Das Haus befindet sich an der Ziegelstraße. Dort gibt es viel zu entdecken.

Hann. Münden – Erschreckend tief biegen sich die Deckenbalken durch. „Die Veranstalter haben sicher vorher die Statik geprüft“, hofft Shirin Khorram. Die studierte Grafikdesignerin stellt zusammen mit sieben anderen Kunstschaffenden im Renaissance-Gebäude an der Ziegelstraße 20 aus. Es stammt aus dem Jahr 1520 und beherbergte eine Zeit lang Mündens Gummifabrik.

Hann. Münden: Viel Kunst in der alten Gummifabrik

 Klaus Kaufmann dreht rostige Nägel durch den Fleischwolf.
Klaus Kaufmann dreht rostige Nägel durch den Fleischwolf. © Michael Caspar

Rock-Ikonen hat Khorramgemalt und von Besuchern Musiktipps erhalten. Die Oldenburgerin porträtierte asiatische Frauen. Auf einem Tisch liegen Postkarten von ihr, die die sieben Todsünden darstellen, darunter Neid, Völlerei oder Habgier. „Jeder Mensch trägt sie als Anteile in sich“, meint sie. In Hann. Münden ist die Künstlerin das erste Mal und zeigt sich begeistert: „Ich selbst wohne in einem der ältesten Häuser Oldenburgs.“ Im Nachbarraum des zweiten Obergeschosses stellt der Witzenhäuser Künstler Adil Roufi großformatige Bilder aus. Gut gelaunte, kahlköpfige Kinder sind darauf zu sehen. Den restlichen Teil des Stockwerks teilen sich zwei Künstler aus Aachen, die auch abstrakte Werke ihrer Kollegin Janice Orth zeigen. Einen Anhänger voll mit Gemälden und Skupturen schafften sie heran.

Rostige, verbogene Nägel haben es Klaus Kaufmann angetan. Gehirnwäsche heißt eine Arbeit des Aacheners, bei dem die Nägel durch einen Fleischwolf gedreht werden. An die Wand hat der Rheinländer Schuhspanner genagelt und die Spanner mit Aktfotos kombiniert.

Das Kettenhemd ist Kommentar zur Coronakrise

Verziert Kettenhemden mit Patronenhülsen: Christiane Crewett-Bauser neben ihrem Werk.
Verziert Kettenhemden mit Patronenhülsen: Christiane Crewett-Bauser neben ihrem Werk. © Michael Caspar

Kettenhemden aus Draht hat seine Kollegin, Christiane Crewett-Bauser während der Coronazeit geflochten – Schutzhüllen gegen das Virus. Den Krankheitserreger stellte die Künstlerin mit leeren Patronenhülsen dar, die sie an den Hemden befestigte. „Die Kunstwerke bekamen mit dem russischen Angriff auf die Ukraine unerwartet eine neue Bedeutung“, sagt die Künstlerin. Bilder von ihr befassen sich mit Bodenschätzen. Prominent zu sehen ist die Steinkohle, deren Abbau die Region seit dem Mittelalter prägte. Auch Affenbrotbäume hat die Afrikareisende auf die Leinwand gebannt.

Die beiden sind mittlerweile das dritte Mal in Hann. Münden. Das Konzept, Kunst in leerstehenden Gebäuden zu zeigen und so die Innenstadt zu beleben, hat es ihnen angetan. Sie erzählen von Begegnungen. So schritt eine Frau, die dort ihre Kindheit verbracht hatte, die Räume langsam ab. „Ich hätte nicht geglaubt, sie noch einmal betreten zu dürfen“, erklärte die Besucherin.

Hann. Münden: Viele Künstler verkaufen ihre Kunst während des DKKDs

Der erste Stock ist über eine ausgetretene Treppe zu erreichen. An den Wänden im Treppenhaus fehlt der Putz. Das Fachwerk liegt offen. Unten sieht es manierlicher aus. Dort zeigt Albin Zauner Zeichnungen eines Schlafwandlers, der mit einem Baum auf dem Rücken durch eine Stadt irrt. Der Bayer aus der Weizenbierstadt Erding hat auf den Bildern Anspielungen auf Werke großer Meister, etwa von Raffael, Matthias Grünewald oder Pablo Picasso, versteckt. Zudem zeigt Zauner puppengroße Holzfiguren. Die Späne, die beim Schnitzen anfielen, verwendete er in den Kunstwerken, schuf etwa einen Baum oder ein Bett.

Kleine, bewegliche Figuren aus Draht und Modelliermasse fertigt Andre Duront. „Die Hälfte habe ich während des Festivals verkauft“, freut sich der gebürtige Kölner, der sich vor drei Jahren als Künstler selbstständig gemacht hat. Frauen am Pranger oder mit Spinnennetz im Gesicht hat die Berlinerin Anna Grau gemalt. Sie ist in St. Petersburg aufgewachsen. (Michael Caspar)

Über eine Woche Kunst und Kultur in Hann. Münden

Viel los in alten Mauern. So könnte man das DKKD-Festival in Hann. Münden umschreiben. In vielen alten Häusern wird ausgestellt, wir haben einige in der DKKD-Woche vorgestellt. Im Alten Pfarrhaus geht es um den Kampf der Frauen, bei „Fette Typen“ wird gedruckt, im Sonnenuhrhaus gibt es ein Buffet und in der casa feliz steht die Natur im Vordergrund. Natürlich gibt es noch zahlreiche andere Ausstellungsorte in der Münder Altstadt. So wird im Scholl-Haus eine Lebensfrage gestellt.

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