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DKKD in Hann. Münden: Seltener Einblick in vergessene Orte

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Von: Kim Henneking

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Das Sonnenuhrhaus an der Langen Straße in Münden. Es ist zum ersten Mal Ausstellungsort beim DKKD-Festival.
Das Sonnenuhrhaus an der Langen Straße in Münden. Es ist zum ersten Mal Ausstellungsort beim DKKD-Festival. © Kim Henneking

Im Zuge von DKKD kommen die alten Fachwerkhäuser zur Geltung. Die Ausstellungen im Sonnenuhrhaus an der Langen Straße laden zum Nachdenken ein

Hann. Münden – Das Eröffnungswochenende des DenkmalKunst-KunstDenkmal-Festivals (DKKD) hat Hunderte Besucher nach Hann. Münden gelockt. Schon am Samstag zeigten sich die Ticketverkäufer trotz Regenwetters mit den Besucherzahlen zufrieden. Der ebenfalls regnerische Sonntag zog auch mit den verkaufsoffenen Geschäften Gäste in die Dreiflüssestadt. Vom 1. bis 9. Oktober werden dort die Türen denkmalgeschützter Fachwerkhäuser und historischer Bauten für Kunstausstellungen und Besichtigungen geöffnet.

Hann. Münden: Sonnenuhrhaus zum ersten Mal dabei

Erstmals ist auch das Fachwerkhaus an der Langen Straße 20 im Programm dabei. Das Haus stand zuletzt leer und ist renovierungsbedürftig. Die Fassade des Hauses aus dem Jahr 1592 zieren eine große verblichene Sonnenuhr und Ornamente in Form von Tauen.

Anne Thoss freut sich über den Austausch über ihre gesellschaftskritische Tafel.
Anne Thoss freut sich über den Austausch über ihre gesellschaftskritische Tafel. © Kim Henneking

Schon beim Betreten des Gebäudes sind angeregte Gespräche zu hören. Einige Gäste erinnern sich noch an Besuche in der Apotheke, die einst im Erdgeschoss zu finden war. Heute blättert der Putz von den Wänden und der Boden ist mit altem Teppichkleber bedeckt.

Zwei Ausstellungen gibt es im Erdgeschoss zu sehen. Noah Cohens Schwarz-Weiß-Fotografien zieren die Wände. Sie zeigen ausdrucksstarke Tänzer und Musiker. Dazwischen stehen mehrere Modelle grauer Gebäude. Die Künstlerin Mari Terauchi aus Ansbach hat sie nach einem Besuch im spanischen Valencia gefertigt, wie sie berichtet. Die Gebäude seien für deutsche Rentner gebaut aber nie fertiggestellt worden. „Das sieht für die Bevölkerung vor Ort nicht schön aus. Aber für mich war es sehr interessant.“ Ihre Werke, die den Titel „naked“ (deutsch: nackt) tragen, passten besonders zum DKKD, weil es leer stehende Gebäuden mit Leben füllt.

Gesellschaftskritik und Upcycling-Projekt von Kindern

Schmale und verwinkelte Flure führen tiefer ins Gebäude. Ein alter Wasserboiler und verbeulte Briefkästen zeugen von der langen Zeit, die ohne Bewohner vergangen ist. Ein Blick aus den Fenstern zeigt einen kleinen Hinterhof, der mit Efeu überwuchert ist.

Über eine Holztreppe gelangen die Besucher in die erste Etage, die fünf weitere Ausstellungen zeigt. Der Holzboden der großen Räume ist von Farbflecken übersäht. Durch einfachverglaste, schmutzige Fenster ist die Straße zu sehen.

Die bunten Strumpfhosen von Irene Anton sind im Haus und im Hinterhof zu finden.
Die bunten Strumpfhosen von Irene Anton sind im Haus und im Hinterhof zu finden. © Kim Henneking

Anne Thoss aus Kleve übt mit ihrer Installation „Eure Suppe esse ich nicht“ scharfe Gesellschaftskritik. Auf einem festlich gedeckten Tisch stehen Teller, die symbolisch für die Herausforderungen der heutigen Zeit stehen. „Das DKKD gibt mir die Möglichkeit ein anderes Publikum zu erreichen“, sagt die Künstlerin. Sie freue sich, mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen. Denn normalerweise sei sie nach der Eröffnung nicht mehr bei ihren Ausstellungen vor Ort.

In einem Nebenzimmer hat auch die DRK-Kita-Bühren einen Raum bekommen. Aus Müll haben die Kinder in einem Upcycling-Projekt Kunst erschaffen. „Es ist beachtlich, was die Kinder gemacht haben, vor allem in ihrem Alter“, lobt Thoss und empfiehlt einen Besuch.

In den weiteren Räumen, die über niedrige Türrahmen zu erreichen, und mit Baulampen erleuchtet sind, sind Gemälde der Kasselerin Susanne Vogt sowie eine Installation aus bunten Strumpfhosen der Berlinerin Irene Anton zu sehen. Unter dem Titel „starke Zartheit“ zeigen Betty Schmidt, Birgit Rossi und Sandra Carstensen aus Einbeck und Uslar Fotografien und Tonfiguren, meist mit Frauen als Motiv. Angesichts der vielen aktuellen Krisen soll ihre Kunst „etwas schönes und hoffnungsvolles zeigen“, erklärt Betty Schmidt.

Infopoints bis 19.30 Uhr offen

Service: Das Festival läuft noch bis Sonntag, 9. Oktober. Infostellen sind von 10.45 bis 19.30 auf dem Kirchplatz und im Geschwister-Scholl-Haus geöffnet. Die Ausstellungen sind von 11 bis 17 Uhr zu besichtigen. Es gibt Mitmachangebote und Abendprogramme.

Ebenfalls im Zuge von DKKD enthüllte der Künstler Rob Mullholland eine Statue am Dielengraben.

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