DNA-Spur ganz kompliziert: genetisches Material reicht für Verurteilung nicht aus

Hann. Münden. Am Ende stand der Freispruch. Amtsrichterin Christine Kunst sagte am Mittwoch in ihrer Urteilsbegründung, dass sich die Beteiligung des Angeklagten nicht nachweisen lasse. Kunst: „Es gibt Fragezeichen.“ Im Zweifel fällt der Richterspruch aber bekanntlich für den Angeklagten aus.

Dem 27-Jährigen war vorgeworfen worden, im Juni 2012 einen Einbruch in eine Arztpraxis an der Wilhelmstraße in Hann. Münden begangen zu haben. Erbeutet wurde nicht viel, der Schaden wurde mit 330 Euro beziffert, aber Einbruch ist Einbruch. Der Mann hat seine Tatbeteiligung stets bestritten. Es wäre jedoch nicht sein erstes strafbares Vergehen gewesen. Unter anderem Diebstahl und Fahren ohne Führerschein brachten ihn zwei Jahre in Jugendarrest.

Der vermeintliche Trumpf für die Anklage in diesem Verfahren war eine DNA-Spur. Die deutete auf den jungen Mann als Täter hin. Sein genetisches Material war unmittelbar in Tatortnähe an einem Latexhandschuh entdeckt worden.

Wie kompliziert die Analyse einer DNA-Spur allerdings sein kann, erläuterte in diesem Fall eine Gutachterin des LKA. Eine Mischspur sei bei der Analyse entdeckt worden, erklärte sie. Auch die des Angeklagten war dabei. Aber mindestens drei Personen müssen mit dem Handschuh irgendwann in Kontakt gekommen sein. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass der damals 23 Jahre alte Mann einer anderen Person, deren DNA-Spur auf dem Handschuh gefunden wurde, einfach mal die Hand geschüttelt hat. Die beiden anderen auf dem Handschuh sichergestellten Abdrücke seien aber zu ungenau, um sie einzelnen Personen zuordnen zu können, so die Gutachterin. Und zur Tatzeit, das hat ein Polizist erklärt, muss laut Spurenlage noch eine andere Person gewesen sein. Wer? Das ist nicht bekannt.

Zum Schluss plädierte auch die Staatsanwaltschaft auf Freispruch. Ebenso der Anwalt des 27-Jährigen. Sein Mandant, so der Verteidiger, sei immer bei der Version geblieben, nicht beteiligt zu sein. „Das kam für mich glaubhaft rüber.“ Außerdem habe eine Bewährungshelferin dem 27-Jährigen ein für ihn „stabiles Umfeld“ attestiert. Er ist mittlerweile von Münden nach Gesecke (Westfalen) gezogen, lebt dort mit seiner Partnerin und der kleinen Tochter und macht eine Ausbildung.

Rubriklistenbild: © dpa

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