Umweltbildung

Das Dorf Steinrode: Zeitreise für Kinder ins Mittelalter

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Mittelalterliches Treiben im Kaufunger Wald: Seit 2004 befindet sich das „Mittelalterliche Dorf Steinrode“ als Einrichtung für Umweltbildung und Waldpädagogik im Aufbau. Sämtliche Gebäude wurden von Kindern und Jugendlichen bei verschiedenen Projekten und Aktionen errichtet – sogar die kleine Kirche rechts im Bild.

Kreis Kassel/Hann. Münden. Das Mittelalterliche Dorf Steinrode ist in Hann. Münden längst eine Institution. Es ist eine Einrichtung für Umweltbildung und Waldpädagogik.

Natürlich wissen Luke und Ben, wie man Gemüsesuppe macht. Zumindest bei Muttern zu Hause haben sie das mal gesehen. Aber alles selber kochen? Naja!

Die beiden Jungs aus Nieste sind ganz begeistert vom Mittelalterlichen Dorf Steinrode. Hier gibt’s kein Strom, kein fließend Wasser, keine Heizung, nur ein paar zugige Hütten und ein Torhaus mit Holzpalisade – wie im Mittelalter.

Erlebnisse für Kinder im Mittelalterlichen Dorf Steinrode

Und deshalb muss der, der essen will, auch alles selber machen – Gemüse schnippeln, Wasser holen, Holz aus dem Wald sammeln, klein machen, ein Feuer entfachen und darauf dann kochen.

„Wo erlebt man so etwas noch?“, fragen Luke und Ben und bereuen es nicht, zusammen mit 28 weiteren Kindern aus dem Niester Ferienprogramm für Kinder die Osterferien im Mittelalterlichen Dorf Steinrode verbracht zu haben.

Werkeln an der Feuerstelle: Luke und Ben (von links) kochen eine Gemüsesuppe, Christian Grabow (Jugendpfleger der Gemeinde Nieste) und Kollegin Ronja Klangwart schauen den Jungs über die Schulter.   

Und die Macher des Mittelalterdorfs, darunter Ulrike Zander-Platner und Nelli Lamm, sind froh, dass zunehmend auch Schulen, Familien und Vereine auch jenseits der niedersächsischen Landesgrenze Interesse an der Arbeit des Fördervereins für Umweltbildung und Waldpädagogik haben. „Wir laden herzlich dazu ein, unser Dorf zu buchen“, sagen die beiden.

Den Trägerverein mit Sitz in Hann. Münden, er nennt sich kurz Libellula, gibt es bereits seit November 2000. Seit 2004 wird das Konzept für das Mittelalter-Dorf nahe des Naturschutzgebietes Hühnerfeld mitten im Kaufunger Wald schrittweise realisiert.

Umweltbildung und Waldpädagogik

Was dabei bislang an Umweltbildung und Waldpädagogik vor allem den Mitgliedsschulen in Hann. Münden zugute kam, soll nun auch auf hessicher Seite Freunde finden – zum Beispiel im Rahmen von Thementagen für Kinder und Jugendliche, für Ferienaktionen (wie die aus Nieste), aber auch für Kindergeburtstage, Betriebsausflüge und sogar Hochzeiten.

„Besonders interessant sind die Erlebnisklassenfahrten, die über die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald gebucht werden“, sagt Zander-Platner. Bei mehrtägigen Aufenthalten könnten direkt im benachbarten Waldpädagogikzentrum Göttingen bis zu 30 Kinder untergebracht werden.

„Wir wollen Kindern Geschichte, Natur und Handwerk näherbringen“, sagt Zander-Platner. Im Vordergrund stehe dabei die Entwicklung vom Rohstoff zum Gebrauchsgut, „etwas, das in unserer modernen Welt – wenn überhaupt – nur noch bruchstückhaft erfahrbar ist“.

Alles wird mit Rohstoffen aus dem Wald selbst gebaut

Alle Rohstoffe für einzelne Projekte ließen sich im Wald rund um das Dorf finden – Holz, Sand, Wasser, Ton und Steine. „Viele Projekte erfordern zudem eine gute Arbeitsteilung innerhalb der Gruppen.“ Letzteres zähle auch zum pädagogischen Konzept.

„Tatsächlich ist alles hier von Kindern im Rahmen verschiedener Aktionen gebaut worden“, sagt Dr. Christian Platner vom Vorstand des Fördervereins, „auch die Fachwerkhäuser unseres Dorfes“. Sogar eine richtige Kirche mit Glocke gebe es inzwischen – von einem großen Backofen, von Werkstätten und dem Kräutergarten ganz zu schweigen. Bald soll ein weiteres Fachwerkhaus gebaut werden.

Für die Niester Jungs Luke und Ben zumindest ist das alles sehr beeindruckend. Ein ganzes Haus selber bauen? Nun ja, die Gemüsesuppe ist ja auch ein toller Anfang

Hintergrund: Das ist das mittelalterliche Dorf Steinrode

Im Mittelalterlichen Dorf Steinrode lernen Kinder und Jugendliche, wie die Menschen vor etwa 900 Jahren in heimischen Dörfern gearbeitet haben. Im Mittelpunkt steht dabei der direkte Bezug zum Rohstoff als Ausgangsprodukt für typische Endprodukte des mittelalterlichen Alltags. Hier einige Beispiele:

Tägliche Arbeiten: 

  • Zubereiten von Speisen auf offenem Feuer 
  • Sammeln und Sägen von Feuerholz 
  • Backen von Brot und Kuchen im Lehmbackofen 

Handwerke: 

  • Wollverarbeitung (Färben, Spinnen, Filzen) 
  • Weidenflechten 
  • Besenbinden 
  • Löffel schnitzen 
  • Lederverarbeitung 
  • Herstellen von Wachstafeln 
  • Bau von Handspindeln 
  • Kalligrafie 
  • Bogenbau 
  • Schmieden 

Garten und Landwirtschaftliche Arbeit: 

  • Bau von Gebäuden 
  • Lehmbau 
  • Wegebau 
  • Zäune flechten

Alle Arbeiten werden von geschulten Kräften betreut. Am Sonntag, 15. April, wird zum Frühlingsfest von 12 bis 17 Uhr zum Kennenlernen eingeladen. 

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