1954 und 1977

Pelzerhaken: Leichtes Strandleben und die erste Klassenfahrt

Direkt am Strand: Das ehemalige Schullandheim des Landkreises Münden in Pelzerhaken (Landkreis Ostholstein).
+
Direkt am Strand: Das ehemalige Schullandheim des Landkreises Münden in Pelzerhaken.

Generationen haben Erinnerungen an Pelzerhaken, jenen Ostsee-Ort, an dem das Landschulheim des Landkreises Münden stand. Wir stellen Erinnerungen unserer Leser vor. Heute: Wolfgang Braun und Renate Kester

Holzminden/Hann. Münden/ Pelzerhaken – Im Jahr des „Wunders von Bern“ war Wolfgang Braun als junger Mann zur Freizeit im Landschulheim Pelzerhaken. 1954 wurde die junge Bundesrepublik Fußballweltmeister. Braun war 19 Jahre alt und wohnte damals in Holzminden.

1954 im Zeltlager an der Ostsee

„Ich war früher ein guter Schwimmer“, berichtet er. So sei er mitgekommen, um auf die jüngeren Mitfahrer und -fahrerinnen aus Holzminden aufzupassen. „Die Anderen waren so 15 bis 16 Jahre alt“, sagt er. Damals war das Ferienlager Pelzerhaken ein reines Zeltlager, Jungen und Mädchen natürlich getrennt.

„Es war ein schönes Strandleben“, erinnert sich der Mann, der 1975 aus beruflichen Gründen nach Hann. Münden zog. „Ich hatte auch eine Freundin gefunden, Hildegard. Ich lernte sie dort kennen, sie wollte mir das Rauchen abgewöhnen“, sagt er und lacht. Die Beziehung habe nicht gehalten, aber er hatte noch lange Kontakt zu Hilde, auch als er mit seiner Frau Regina verlobt war.

Große Ausflugsliebe dann wiedergetroffen

„Wir haben uns mal zu dritt getroffen“, berichtet Braun, der im brandenburgischen Prenzlau aufwuchs und aus der jungen DDR flüchtete. Lange Zeit sei ihm dann ihr Name entfallen, erst als er wieder alte, selbst geschriebene Gedichte gefunden hatte, sie ihm die ganze Geschichte wieder in den Kopf gekommen. „Ich habe in meiner Jugend viel gedichtet“.

Es sei eine einfache Zeit am Ostseestrand gewesen, es gab einen Ausflug mit einem Kutter nach Neuwerk, daran erinnert er sich. „Viele hatten über der Reling gehangen“, sagt er und meint damit, dass sie seekrank wurden. Seine Tochter Annemarie, genannt Anne, war 1979 in Pelzerhaken. Damals stand schon viel mehr Programm auf dem Plan. In einem Brief an ihre Eltern berichtet sie von Ausflügen nach Hamburg, Kiel und Lübeck. „Hier ist ungefähr jeden zweiten Tag eine Fete, was einem langsam auf den Wecker geht“, so schreibt sie an ihre Eltern in Münden. Das zeigt, wie viel sich zum „beschaulichen Strandleben“ von 1954 geändert hatte.

Anne, die mittlerweile in Basel lebt, berichtet weiter, dass das Essen „erträglich“ sei. Sonst zeigt sie sich in dem Brief begeistert von ihrem Aufenthalt in Pelzerhaken.

Renate Kester war 1977 in Pelzerhaken

Dransfeld/Pelzerhaken – „Es war im Jahr 1977“, berichtet unsere Leserin Renate Kester aus Dransfeld. „Am 1. Juni fuhren wir, Schülerinnen, Schüler, Lehrerinnen und Lehrer der Haupt- und Realschule Dransfeld für zwei Wochen nach Pelzerhaken ins Landschulheim“. Es war ihre erste längere Klassenfahrt.

„Vor der Reise wurde für den Aufenthalt an der Ostsee und am Strand nochmals eingekauft, T-Shirts, Shorts und auch eine Regenjacke.“ Danach wurde der Koffer gepackt und los ging es. Im Landschulheim wurden die Zimmer verteilt. „Wir hatten ein Zimmer für acht Mädchen und viel Spaß. Es waren abwechslungsreiche, schöne Tage“.

Sie waren am Strand, machten einen Spaziergang nach Neustadt, fuhren mit dem Schiff auf der Ostsee, mit dem Bus in ein Freilichtmuseum und nach Laboe. Dort hatten die Gruppen die Wahl zur Besichtigung des U-Bootes oder des Marine-Denkmals. „Von dessen Turm hatten wir einen weiten Blick bei Sonnenschein auf die Ostsee.“, so Kester. Auch eine Fahrt nach Hamburg stand auf dem Programm. Besuche im Park Planten un Blomen, eine Hafenrundfahrt und ein Flughafenbesuch mit Besichtigung eines Flugzeugs wurden dort geboten.

Ausflug nach Hamburg

„Die Unternehmungen wurden regelmäßig per Ansichtskarten und Briefe den Eltern und Großeltern mitgeteilt und auch Post von daheim freudig erwartet.“ Geblieben seien schöne Erinnerungen an gemeinsam verbrachte Tage an der Ostsee im Landschulheim, so Renate Kester aus Dransfeld. (Jens Döll/Thomas Schlenz)

Generationen von Menschen aus dem Landkreis Göttingen waren in Pelzerhaken. Wir sammeln ihre Geschichten. Von geklauten Mercedes-Sternen, über erste LiebenKohlrabi und Liebesromane, bis hin zu Frauen, die noch einmal ihre Jugend erleben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.