Tier war 1,10 Meter groß

Dritter Biber auf B 80 überfahren: Höchste Zeit für Schutzzaun

Erneut wurde auf der Bundesstraße 80 vor Hann. Münden ein Biber überfahren: Im Bereich Letzter Heller lag das Tier tot an der Straße.

Das berichtet Britta Waldmann, Biber-Beraterin des Naturschutzbundes in der Region. Die Polizei hatte sich bei ihr gemeldet, damit sie den Biber sichern konnte, bis der Landkreis ihn abholte, um ihn zum Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz zu schicken. Dort wird das Tier untersucht. Er sei offenbar in der Nacht zu Sonntag überfahren worden.

Es ist der dritte Biber, der an dieser Stelle in jüngerer Zeit dem Straßenverkehr zum Opfer fiel, auch 2016 und 2017 wurden dort Biber überfahren. Es sei höchste Zeit für den angekündigten Schutzzaun, betont Waldmann.

Das sieht Helge Wolf, Dipl. Ing. für Landespflege bei der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Bad Gandersheim, auch als „dringend erforderlich“ an. Dort hat man soweit auch alle Vorbereitungen getroffen: Die Ausschreibung für den Zaunbau laufe aber noch. Am Mittwoch nach Ostern werden die Angebote der Baufirmen gesichtet, dann der Auftrag übergeben, sodass im Mai, wie von der Behörde Anfang dieses Jahres angekündigt, gebaut werden könne.

Die Problemstelle ist das Wasserkraftwerk in der Werra: An dem kommt der Biber im Fluss nicht vorbei, er weicht ans Ufer aus. Wenn er dabei die Seite mit der Bundesstraße nimmt, kann das für das Tier tödlich enden. Daher soll ein etwa 140 Meter langer Zaun gebaut werden, der den Biber zwingt, die andere, für ihn ungefährliche, Flussseite zu nutzen.

Landkreis Göttingen, Naturschutzbehörde und Straßenbauamt hatten sich auf die Maßnahme verständigt und diese geplant (wir berichteten). Dass wieder ein Biber auf der Bundesstraße zu Tode gekommen war, war der Straßenbaubehörde bei Anfrage gestern bereits bekannt. Der Umstand zeige, wie wichtig es sei, den Zaun dort zu bauen, so Wolf.

Tote Biber werden untersucht

Bei dem auf der Bundesstraße 80 vor Hann. Münden am Wochenende überfahrenen Biber handele es sich um ein sehr großes Tier, berichtet Biber-Beraterin Britta Waldmann. Einschließlich Schwanz messe das Tier 1,10 Meter. Ob es sich um ein Männchen oder Weibchen handele, sei so nicht zu erkennen.

Der Kadaver wird nun nicht einfach entsorgt, sondern beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) untersucht, weil der Biber einen besonderen Schutz genießt. Der Zustand des Tierkörpers, Todesursache und anderes mehr würden dabei ermittelt, so die Pressestelle des Landkreises Göttingen, die das tote Tier zur Landesbehörde schickt. Die Ergebnisse von solchen Untersuchungen werden auch beim Landkreis dokumentiert.

Bei solchen Untersuchungen würden die Tiere auch geröntgt, ergänzt Britta Waldmann. Sie hoffe jetzt nur, dass es kein trächtiges Weibchen war.

Das NLWKN wird noch einen zweiten toten Biber aus dem Altkreis Münden bekommen: Wie der Landkreis Göttingen bestätigte, hatte die Wasserschutzpolizei den Fund eines toten Bibers bei Spiekershausen gemeldet. Der Kadaver dieses Tieres aus der Fulda werde zurzeit beim Landkreis aufbewahrt, so Pressesprecher Ulrich Lottmann.

Während sich im Bereich Kassel an der Fulda Biber fest angesiedelt haben, wird rund um Hann. Münden noch von keinem festen Biberbau berichtet. Dennoch: Immer wieder werden Tiere gesichtet, zum Beispiel bei Bonaforth, wo voriges Jahr einmal ein Biber in der Bootsgasse der Schleuse festsaß und von der Feuerwehr hatte befreit werden müssen (wir berichteten). Die Jungtiere werden von den Altbibern vertrieben und müssen sich neue Reviere suchen.

Biber-Beraterin Britta Waldmann beobachtet und kartiert Bibervorkommen und -spuren und ist für Hinweise dankbar. Sie ist außerdem Ansprechpartnerin, wenn Mensch und Biber einander in die Quere kommen und hält auch Vorträge zum Thema. Foto: Karsten Socher/nh

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