Göttinger Literaturherbst

Edgar Selge stellt erstes Buch im Welfenschloss Hann. Münden vor

Das erste Buch von Schauspieler Edgar Selge „Hast du uns endlich gefunden“ steht bereits auf Platz acht der Spiegel-Bestseller-Liste. Am Freitag, 29.10.2021, war der frühere, einarmige Polizeiruf-Kommissar aus dem Fernsehen mit seinem Erstling zu Gast in Hann. Münden.

Bei der Signierstunde von Edgar Selge nach der Lesung im Welfenschloss Hann. Münden bildete sich eine lange Schlange im Rittersaal.

Es war die zweite Station nach Hamburg auf seiner gerade begonnenen Lesereise. Die rund 200 Zuschauer waren begeistert: Die Schlange, derjenigen, die sich sein Buch signieren lassen wollten, reichte nach der Lesung halb durch den Rittersaal des Welfenschlosses. Der Göttinger Literaturherbst, der in diesem Jahr die 30. Auflage seiner Veranstaltungsreihe feiert, hatte Edgar Selge eingeladen, moderiert wurde der Abend von der NDR-Kulturredakteurin Andrea Schwyzer.

In dem Buch, das zurzeit in allen großen Feuilletons gefeiert wird – der Deutschlandfunk nennt es sogar „Ein Wahnsinnsbuch“ – geht es um die Kindheit des zwölfjährigen Edgar um 1960 im ostwestfälischen Herford. Dort arbeitet sein Vater, ein sehr guter Pianist, als Gefängnisdirektor, dort wächst er mit seinen älteren Brüdern auf.

Der junge Edgar flüchtet sich in seine eigene Welt, klaut seinem Bruder schon mal eine Mark, um ins Kino Capitol gehen zu können und wird dafür von seinem kriegstraumatisierten Vater gnadenlos geschlagen. „Fürchterliche Prügel“ habe er bezogen, wie damals die meisten Jungen in seiner Schule. „Bildungsbürgertum und Vernichtungswille“, beklagt Selge. Man meint, den Schmerz selbst zu spüren, den er damals erlitt und manch einer der älteren Zuhörer dürfte sich an seine eigene Kindheit erinnert gefühlt haben.

Selge trägt die Passagen aus seinem Buch nicht nur vor, er wird zum Schauspieler, beispielsweise als er beschreibt, wie seine Mutter zum vierten Mal durch die Fahrschulprüfung fällt, weil sie zur Weihnachtszeit mit dem Auto in das Schaufenster ihres Lieblingsgeschäftes fährt. Oder seine Schilderung, wie er mit den Lieblingsbirnen seines Vaters – „der guten Luise“ auf dem elterlichen Garten Bombenangriffe auf Rotterdam nachspielt.

Selge wehrt sich dagegen, er habe mit seinem Buch seine Autobiografie vorgelegt. „Das ist völlig falsch.“ Es handele sich ja nur um ein Jahr aus seinem Leben. Es liest sich auch nicht wie ein Protokoll. „Die Komik“, sagt Selge, „entsteht durch die Genauigkeit der Beobachtung und die Absurdität des Geschehens.“

Unterstützt wurde die Veranstaltung vom Kulturring Münden. Leider übernahmen die Veranstalter nicht die Regelung des Kulturrings, die 3-G-Regeln am Eingang des Welfenschlosses im Erdgeschoss zu überprüfen, sondern erst vor dem Rittersaal im 3. Stock. Dies führte dazu, dass sich im engen Treppenhaus eine lange Schlange bildete, in der der nötige Abstand längst nicht immer eingehalten wurde. Wenigstens trugen alle Besucher Ihre Masken im Treppenhaus.

(Von Hans-Peter Niesen)

Rubriklistenbild: © Hans-Peter Niesen

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