„Ein außergewöhnliches Jahr“

Hann. Münden: Stadtbrandmeister Dieter Röthig blickt zurück auf 2020

Flammenmeer: Der Großbrand in der Rosenstraße.
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Flammenmeer: Der Großbrand in der Rosenstraße.

Das Jahr 2020 sei für die Feuerwehren in der Stadt Hann. Münden und in den Ortschaften ein außergewöhnliches gewesen, berichtet Hann. Mündens Stadtbrandmeister Dieter Röthig.

Hann. Münden – Zwei Großbrände, in der Tanzwerderstraße und in der Rosenstraße hätten einen großen Verlust für die historische Altstadt bedeutet. Ein weiterer Großeinsatz sei ein Bahnböschungsbrand bei Bonaforth gewesen, bei dem erstmalig auch ein Löschhubschrauber zum Einsatz gekommen sei.

Außergewöhnlich sei auch die Intensität der Einsätze im Bereich der A7 zwischen dem Dreieck Drammetal und der Anschlussstelle Lutterberg gewesen. Dazu hätten zwei Gefahrguteinsätze, schwere Verkehrsunfälle, auch mit eingeklemmten Personen, gezählt.

Die Gesamtzahl der Einsätze sei im Vergleich zum Vorjahr 2019 zurückgegangen. Insgesamt hätten die Mündener Wehren 372 Einsätze im Jahr 2020 absolviert. Darunter seien 88 Brandeinsätze, 284 technische Hilfeleistungen sowie 55 Einsätze zur Amtshilfe von Polizei und Rettungsdiensten gewesen. 25 Mal sei die Feuerwehr zur Tierrettung oder für Tiertransporte ausgerückt. Der Rest falle unter den Punkt: „Normales Tagesgeschäft.“

Die insgesamt niedrigere Zahl an Einsätzen erklärt sich Dieter Röthig mit der Coronakrise und den Beschränkungen im Lockdown.

Er sei stolz auf die Wehren, dass diese auch unter Coronabedingungen ihr Bestes gegeben hätten. Mit Masken sei es enorm anstrengend über mehrere Stunden im Einsatz zu sein, so Röthig. Lobenswert sei die sehr gute Zusammenarbeit mit anderen Rettungskräften, mit dem THW, Rettungsdiensten, der Polizei und den Kommunalen Diensten gewesen. „Aber auch die Bevölkerung hat uns sehr unterstützt, uns im Einsatz mit Essen und Getränken versorgt“, lobte Röthig.

Ehrenamtliches Engagement sei unter den besonderen Hygienevoraussetzungen nicht selbstverständlich, betonte der Stadtbrandmeister. Insgesamt zählten die Feuerwehren aktuell 397 Mitglieder, davon 62 weiblich. Aktuell 153 Kameradinnen und Kameraden seien Atemschutzgeräteträger. Bei den Jugendfeuerwehren seien 78 Mitglieder, darunter 52 Jungen und 26 Mädchen aktiv. Für sehr erfreulich hält Dieter Röthig die Neugründung einer Jugendfeuerwehr in Laubach.

Das sei sehr positiv, um neue Feuerwehrkräfte zu gewinnen. Unverändert gebe es sechs Kinderfeuerwehren im Bereich von Stadt und Ortschaften.

Bei diesen engagierten sich derzeit 37 Jungen und 31 Mädchen. Wegen der Coronakrise sei die Umsetzung von Übungsdiensten nicht leicht gewesen: „Wir konnten fast sechs Monate überhaupt keine Ausbildung betreiben“, erklärt Röthig. Auch der gesamte Bereich der Kameradschaftspflege habe wegen der Beschränkungen nicht so laufen können, wie normal. Für 2021 wünscht sich Mündens Stadtbrandmeister eine noch bessere technische Ausstattung der Feuerwehren: „Wir müssen den Risiken des fortschreitenden Klimawandels entgegen treten.“

Ein weiterer wichtiger Punkt sei die Digitalisierung der Feuerwehr, insbesondere in den Bereichen Aus- und Fortbildung: „Wir haben bereits erste Erfahrungen mit Online-Diensten und Absprachen gemacht, in diesem Bereich fehlt es aber noch an der entsprechenden Ausrüstung und an der erforderlichen finanziellen Ausstattung“, so Röthig. (Thomas Schlenz)

12.01.202112:28

+ Überflutung in der Gemeinde Staufenberg: In Dahlheims Ortskern heißt es „Land unter!“. Dies war einer der Einsätze, der die Feuerwehr in Staufenberg in Atem hielt. Nun haben sie ihre Bilanz veröffentlicht. (Archivbild)© Jens Döll

Feuer, Unfälle und Hochwasser. Trotzdem gab es für die Feuerwehrleute in Staufenberg 2020 weniger Einsätze als 2019. Wegen der Corona-Krise mussten aber auch einige Veranstaltungen ausfallen.

Staufenberg – Etwa halb so viele Einsätze wie 2019 hatte die Freiwillige Feuerwehr in Staufenberg im Corona-Jahr 2020. 94 Mal rückten die Feuerwehrleute aus, berichtet Pressesprecher Philipp Vogeley. Davon waren 18 Brandeinsätze, 49 technische Hilfen, zehnmal rückte die „First Responder Einheit“ aus und die restlichen Einsätze waren Fehlalarme. Bei der „First Responder Einheit“ handelt es sich um eine Einheit, die ausrückt, um Erste Hilfe zu leisten, so Vogeley.


Corona: Weniger Einsätze auf A7 wegen Lockdown

„Wir hatten ab April weniger Einsätze auf der A 7, da machte sich der Lockdown bemerkbar“, berichtet Vogeley weiter. Leider habe es 2020 zwei tödliche Unfälle auf der Autobahn gegeben diese gehörten zu den traurigen Höhepunkten des Jahres. Eine weitere „große Herausforderung“ sei der Böschungsbrand am 9. Mai an der Bahnstrecke zwischen Hann. Münden und Speele gewesen. Insgesamt waren dort 120 Feuerwehrleute verschiedener Wehren im Einsatz. Die sechs Brandstellen erstreckten sich über ein Gebiet von bis zu 10 000 Quadratmetern.


Hochwasser in Dahlheim (Staufenberg) hielt Wehren in Atem

Zudem hielt ein Hochwasser in Dahlheim die Männer und Frauen der eingesetzten Wehren im vergangenen Jahr in Atem. Im Juni trat aufgrund von heftigem Regen die Nieste über die Ufer und überschwemmte den Dorfkern. Dabei wurde auch das Feuerwehrhaus überflutet. Mittlerweile sei vor Ort alles wieder nutzbar, berichtet Vogeley.

Ab März hätten unter der Coronapandemie die kameradschaftlichen Aktivitäten gelitten. Besonders schmerzlich sei gewesen, dass der Tag der Feuerwehr im Juni ausfallen musste. Dort wäre sonst das 75. Bestehen der Feuerwehr Sichelnstein begangen worden.

Auch zahlreiche Vereinsaktivitäten wie Treffen, Kegeln, Wandern oder Ausflüge seien betroffen gewesen. Zudem hätten lange Zeit keine Übungen mehr stattfinden können. Seit Herbst sei man zu digitalem Unterricht via Videochat übergangen. „An den Mund-Nasenschutz hat man sich schnell gewöhnt“, bilanziert Vogeley.

Zahl der Feuerwehrleute in Staufenberg konstant

Die Zahl der aktiven Feuerwehrleute bleibt mit 284 im Vergleich zum Vorjahr konstant. Zudem wurden zwei sogenannte Kleinlöschfahrzeuge (KLF) für die Wehren in Benterode und Nienhagen angeschafft. Leider sei deren Kauf in die Zeit des ersten Lockdowns gefallen, sodass es nicht groß gefeiert werden konnte. Weiterer mobiler Neuzugang ist ein Boot für Spiekershausen.

Im November 2020 fand zum ersten Mal eine Übung für Atemschutzträger in Sichelnstein statt, berichtet Feuerwehrmann Vogeley. Bei der Belastungsübung musste ein Parcours absolviert werden. „Das Übungsgelände in Potzwenden konnte nicht genutzt werden, die Atemschutzträger müssen aber ihre Leistung einmal im Jahr zeigen.“ Durch eine Regelung des Landes sei es möglich geworden, Belastungsübungen nach umrissenen Kriterien zu veranstalten. Mitglieder der Wehren von Escherode und Sichelnstein gehörten zu den ersten Absolventen.

Was sind die Wünsche, die die Feuerwehrleute aus Staufenberg für das Jahr 2021 haben? „Wenn es nach mir geht, noch weniger Einsätze als 2020 und zusätzlich kein Corona mehr“, antwortet Vogeley. (Jens Döll)

Auch die Feuerwehr der Samtgemeinde Dransfeld und die der Gemeinde Staufenberg hat ihre Bilanz für 2020 veröffentlicht.

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