Moderne Technik im Forst

Aufräumen birgt Gefahren: Einsatz im vom Sturm verwüsteten Wald

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Nach Sturm Friederike wird aufgeräumt: Unter anderem mit einem Harvester erfolgen die Arbeiten im Wald bei Oberode.

Oberode. Die Stürme Burglind und Friederike haben im Januar einen turbulenten Jahresbeginn verursacht. Rund 1,5 Millionen Festmeter Holz sind allein in Südniedersachsen nach diesen beiden Stürmen gefallen.

In den Wäldern im Altkreis Münden sieht man diese Tage überall ein ähnliches Bild: Umgestürzte Bäume, freiliegende Wurzeln, Äste und Baumkronen, die den Waldboden nahezu restlos bedecken. Noch immer herrscht in den Wäldern des Landkreises bei Betreten Lebensgefahr – nicht grundlos.

"Die Bäume sind wie Mikado umgefallen", sagt Thomas Wollborn. Mit seinem Forstbetrieb und zwei Mitarbeitern räumt Wollborn derzeit den Wald oberhalb von Oberode auf. Im Einsatz sind dafür ein Harvester und zwei Tragrückeschlepper, sogenannte Forwarder.

Zu Beginn, so Wollenborn, musste das Team erst einmal die Forstwege von Holz befreien. Dann, tiefer im Wald, ein Bild der Verwüstung: An mehreren Stellen hatte der Sturm flächendeckend unter anderem Fichten zum Fall gebracht. „Da mit den schweren Maschinen dran zu kommen war keine einfache Aufgabe“, sagt Wollborn. In dem schwierigen Terrain habe sich der Tragrückeschlepper, eine Zehnradmaschine des Forstbetriebes aus dem Landkreis Göttingen bewährt, von denen es bislang nur zwei weitere in Deutschland gibt.

Die Bäume sind wie Mikado umgefallen

Nicht nur für Spaziergänger ist der Wald derzeit eine Gefahr: Auch Selbstwerber, die im Besitz eines Sägeschein liegendes Holz bearbeiten wollen, setzen sich nach Angaben von Christian Lüschow von der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) oftmals leichtfertig Risiken aus. Bei allen Sturmereignissen in der Vergangenheit habe es eine hohe Anzahl an schwer und sogar tödlich verletzter Menschen gegeben, so Lüschow. Allein bei der Aufarbeitung nach den Orkanen Wiebke (1990) und Lothar (1999) habe es bundesweit mehr als 100 Tote und viele Schwerverletzte gegeben, berichtet Lüschow.

Die meisten der umgefallenen Bäume stünden derzeit unter enormer Spannung. Dirk Grotelüschen setzt mit einer Motorsäge am Stamm eines umgestürzten Baumes an. Der Wurzelteller der Fichte ist größer als der Mann selbst, das Loch, das durch die Entwurzelung im nassen Waldboden aufklaffte, ist tief. Als Grotelüschens Säge den Stamm durchtrennt, schnellt der Wurzelblock katapultartig zurück und der abgetrennte Stamm richtet sich gerade auf.

Mit der Säge und viel Gespür: Dirk Grotelüschen vom SVLFG zeigt, wie ein sogenannter Abschotter arbeitet.

Viele ungeübte Arbeiter könnten zum Beispiel diese Spannungsentladung des Gehölzes nicht einschätzen, erzählt der Forstwirtschaftsmeister. "Die privaten Waldeigentümer haben derzeit den wirtschaftlichen Schaden. Einige verzichten daher darauf, professionelle Unternehmen mit dieser Art von Arbeit zu beauftragen", sagt Grotelüschen. Das sei aber zu kurz gedacht: Im Harvester sei man besser vor auf diese Art verursachte Unfälle geschützt. Schäden wie Windwurfnester erfordern hohe Fachkentnisse und sollten seiner Ansicht nach von Forstprofis aufgearbeitet werden. Bei Knochenbrüchen und Schnittverletzungen bleibe es oftmals nicht. "Bevor es zu weiteren Unfällen oder sogar Todesfällen kommt, machen wir daher auf das Thema aufmerksam", erklärt Lüschow. Denn die Arbeit ist noch lange nicht vorbei: Etwa ein halbes Jahr werde Wollborn im Bereich von vier Forstrevieren die Spuren von Friederike beseitigen.

Sturm Friederike wütete im Altkreis Münden

Feuerwehreinsatz Uschlag Gemeinde Staufenberg Baum stürzte auf Haus
 © Feuerwehr Staufenberg
Feuerwehr Hann. Münden sperrt Straße ab, Sturm Friederike, Lange Straße, Foto: Große
 © Große
Sturm Friederike, umgeknickte Strommast Bonaforth / Foto: Welch
 © Welch
Feuerwehreinsatz auf der Bundesstraße 496
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Feuerwehreinsatz auf der Bundesstraße 496
 © Feuerwehr Rasche
Feuerwehreinsatz auf der Bundesstraße 496
 © Feuerwehr Rasche
Feuerwehreinsatz nach Strum im Mündner Stadtteil Kattenbühl
 © Feuerwehr Rasche
Sturm Friederike, umgestürzter Strommast, Bonaforth / Foto: Welch
 © Welch
Sturm Friederike, umgestürzter Strommast, Bonaforth / Foto: Welch
 © Welch
Sturm Friederike, umgestürzter Strommast, Bonaforth / Foto: Welch
 © Welch
Sturm Friederike, umgestürzter Strommast, Bonaforth / Foto: Welch
 © Welch
In der Mündener Altstadt fegte Friederike von mehreren Dächern Ziegel auf die Straße  © Sangerhausen
Auch das Mündener THW beteiligte sich nach dem Sturm an den Aufräumarbeiten auf der Autobahn Foto: THW
Auch das Mündener THW beteiligte sich nach dem Sturm an den Aufräumarbeiten auf der Autobahn © THW
Foto: THW
Auch das Mündener THW beteiligte sich nach dem Sturm an den Aufräumarbeiten auf der Autobahn © THW

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