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Das Alumnat am Kattenbühl: Nicht nur Heimat für Pastroensöhne - Teil 1

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Von: Sarah Schnieder

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Eine Ansichtskarte zeigt das Alumnat am Kattenbühl in seiner Anfangszeit. Postkarte des Kunstverlags C. Thoericht.
Eine Ansichtskarte zeigt das Alumnat am Kattenbühl in seiner Anfangszeit. Postkarte des Kunstverlags C. Thoericht. © Quelle: Stadtarchiv Hann. Münden, Repro: Stefan Schäfer

Wo heute der ASB Kreisverband Göttingen-Land ist, war früher ein besonderes Wohnheim. Das Alumnat in Hann. Münden. Nicht nur Pastorensöhne wohnten dort, auch ein bekannter Widerstandskämpfer. Teil aus der Serie „Damals in Münden“.

Hann. Münden – Wenn mal wieder Stau in der Stadt ist und sich die Autos die Umleitungsstrecken entlang quälen, steht oft auch eine Blechkarawane den Kattenbühl herab. Wer dort steht und wartet, kann seinen Blick über einige schöne, historische Häuser schweifen lassen. Eines davon beherbergt heute die Zentrale und Rettungswache des ASB Kreisverband Göttingen-Land.

Hann. Münden: Von Hameln in die Dreiflüssestadt

Das war aber nicht immer so. Seinen Anfang nahm die Geschichte dieses Hauses zu Beginn des 20. Jahrhunderts, und zwar als sogenanntes Alumnat – eine Unterkunft vornehmlich für Söhne von Pastoren, die eine höhere Schule besuchen wollten. Den Grundstein dafür legte das Kloster Loccum (Landkreis Nienburg/Weser), das ein solches Alumnat zunächst in Hameln errichten ließ. 1901 schlug dann Mündens große Stunde. Nach einer Umstellung im Schulsystem war das Abitur in der Dreiflüssestadt wieder möglich. Münden bewarb sich als Alumnatsstandort, wofür die Stadt extra das Gebäude am Kattenbühl bauen ließ. Zwischen 20 und 30 Schüler des Gymnasiums aller Jahrgänge lebten dort.

Weil man Kinder und Pubertierende aber nun nicht sich selbst überlassen kann, standen ihnen Betreuungskräfte zur Seite – eine Hausdame und ein Inspektor. Die Hausdamen übernahmen zumeist die mütterlich-fürsorglichen Rollen, wohingegen der Inspektor Ordnung durchzusetzen versuchte. Bis 1927 war Frida Müller die Hausdame, ihre Nachfolgerin war bis 1939 Elly Brandt.

Hausdamen und Inspektoren wachten über die Schützlinge

Das Inspektorenpersonal wechselte deutlich häufiger. Das Kloster Loccum bestellte häufig in Ausbildung befindliche Pastoren oder aber diejenigen, die noch auf ihre endgültige Verwendung warteten zu Inspektoren. Sie mussten neben dem rund um die Uhr Betreuungsdienst auch Gymnasialunterricht geben – zumeist in Religion und Latein, aber auch Geschichte und Deutsch. So viel zu den Betreuern. Wer das Alumnat bewohnen durfte, entschied hingegen nicht das Kloster, sondern der Generalsuperintendent in Hannover. Wenngleich hauptsächlich für Pastorensöhne vorgesehen, konnten mit Genehmigung des Generalsuperintendenten auch andere aufgenommen werden, wie beispielsweise Adam von Trott zu Solz – seines Zeichens späterer Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944.

Sein Vater war Verwaltungsbeamter und königlich-preußischer Staatsminister. Von 1922 bis zu seinem Abitur 1927 lebte Adam von Trott zu Solz im Alumnat. Im April 1939 änderte sich dort dann etwas. Der Vertrag, den Stadt und Kloster seinerzeit geschlossen hatten, hielt die Möglichkeit bereit, dass die Stadt das Alumnatsgebäude selbst übernehmen könne.

Niedergang in den 1950er-Jahren

Das blieb bis 1950 so, bis die Kirche wieder an einer Erziehungseinrichtung in Münden interessiert war. Allerdings sollte das nicht wieder das Alumnat werden. Die Stadt organisierte eine Alternative für die kirchliche Erziehungsanstalt in der Innenstadt und behielt das Alumnatsgebäude sozusagen für sich.

Warum? Weil sie dringend einen Standort für die Berufsschule benötigte. Für die dort verbliebenen Schüler organisierte die Stadt andere Unterkünfte. Ab Mitte der 1950er-Jahre war die Zeit des Mündener Alumnats vorbei. (Sarah Schnieder)

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