Abenteuerliches Leben in der Steppe: Michael Walther im Interview

Mündener setzt sich für die Natur in der Mongolei ein

Liebt die Freiheit in der Natur: Michael Walther aus Hann. Münden in der Weite der mongolischen Steppe.
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Liebt die Freiheit in der Natur: Michael Walther aus Hann. Münden in der Weite der mongolischen Steppe.

Unendliche Weiten, Hitze, Kälte, Naturgewalten, die Gastfreundschaft der Einheimischen: Michael Walther aus Hann. Münden lebt genau dieses abenteuerliche Leben in der Mongolei, das viele nur aus Reisereportagen kennen. 

Hann. Münden/Mongolei - Der 68-jährige Geowissenschaftler hat kürzlich einen Lehrstuhl der UNESCO für Umweltwissenschaften in der Hauptstadt Ulan Bator übernommen. Uns hat er seine Faszination am Leben in dem asiatischen Land erklärt.

Herr Walther, was fasziniert Sie am Leben in der Mongolei?
Ich war von klein auf immer mit der Natur verbunden. Die Mündener Wälder, die Wanderungen mit dem Werratalverein, das Hirschstangensuchen, die Geologie des südniedersächsischen/nordhessischen Berglandes und die Flora waren für mich mein Leben.
Vom Finkenstieg aus im Vogelsang zog ich mit Oma und Opa später allein los um die Natur zu entdecken. Ich suchte dieses Leben weiter und nach einer harten Probe in Berlin (Studium) kam die Mongolei. Freiheit pur, Geländewagen fahren, Berge besteigen, Angeln, zelten, wo es schön ist. Während des Studiums war ich in Afrika und in Island und weiteren europäischen Ländern, aber in der Mongolei konnte man frei leben.
Warum sind Sie dort geblieben?
Ausschlaggebend war dann doch meine berufliche Perspektive, die mich 2001 als Professor für Physische Geographie und Langzeitdozent des Deutschen Akademischen Austauschdienstes an die Mongolische National Universität führte. Vorher hatte ich in Deutschland mehrere Lehrstühle inne, unter anderem in Göttingen, Halle und an der Humboldt-Universität.
Es war sicher auch der einfache Lebensstil, der sich auf das Wesentliche beschränkt, obgleich sich die Versorgungslage hierzulande deutlich verbessert hat.
In Ihrer Forschung geht es um die Umweltprobleme – Welche sind das?
Aktuell gibt es in diesem zentralasiatischen Land, das fünf mal größer als Deutschland ist und nur 3,5 Millionen Einwohner hat, drängende Umweltprobleme, die vielleicht ein reisender Tourist nicht gleich auf den ersten Blick bemerkt. Die landesweit steigenden Temperaturen und konstant bleibenden Niederschläge sorgen für eine negative Wasserbilanz, was dem globalen Klimawandel anzulasten ist. Zusätzlich wird dieser Effekt durch eine intensive Überweidung und einer damit einhergehenden Desertifikation (Vordringen der Wüste, Anm. der Redaktion) verstärkt.
Was unterscheidet die Menschen in der Mongolei von den Deutschen?
Wenn Sie mich nach dem Unterschied zwischen unserer Kultur und der mongolischen fragen, so fällt mir sofort die sehr verschiedene Sozialisierung ein. Damit meine ich, dass in der Mongolei die Familie eine sehr große Rolle spielt: Menschen werden in der Familie alt. Es gibt nur sehr wenige Alters- und Seniorenheime. Das spiegelt sich auch in der Vertretung von Interessen wieder. Man unterstützt sich in der Familie. Darüber hinaus knüpft man Beziehungen und vernetzt sich. Die Probleme liegen allerdings auch auf der Hand. Korruption und Vetternwirtschaft auf allen Ebenen ist davon nur ein Problem.
Spielt die Corona-Pandemie in der Mongolei eine Rolle?
In Sachen Corona hat die Mongolei alles richtig gemacht, was nur möglich war. So wurden hier schon Ende Februar die Grenzen geschlossen. Es folgten Schulen, Universitäten und Kindergärten. Das Maskentragen war auch vor Corona hier nie ein Problem, weil die Mongolen bei Schnupfen und Erkältung immer schon mal einen Mund-Nasen-Schutz getragen haben. Es war und ist nichts Besonderes. Mit den ca. 265 Infektionsfällen, die alle per Flugzeug oder seltener Einreisen auf dem Landweg ins Land gebracht wurden, liegt die Mongolei am Ende jeder Statistik. Das tägliche Leben geht fast uneingeschränkt weiter.
Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie an die „alte Heimat“ denken?
Ich denke beim Stichwort Münden an meine Kindheit und Jugend. Das Aufwachen durch den Gesang der Nachtigall und der Amsel im Vogelsang und das Naturerleben, was dann zu meinem wissenschaftlichen Interesse und letztlich zu meinem Beruf führten. Hier stand die Wiege meines Berufes als Umweltwissenschaftler.
Vermissen Sie etwas?
Ich vermisse in erster Linie den häufigeren Kontakt zu meinen erwachsenen Kindern in Berlin, aber sicher wäre ich auch gern häufiger mit meinen Freunden in Kassel und Münden zusammen. Die allerdings haben uns auch schon in der Mongolei besucht. (Von Thomas Schlenz; tsz)

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