Ein seltener Nachwuchs im Stall

Hann. Münden: Hinterwälder Kühe in Volkmarshausen haben kürzlich gekalbt

Melanie Krummel und Reinhold Heede mit den Hinterwälder Kühen, der Mutter Ronda und Kalb Reini.
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Melanie Krummel und Reinhold Heede mit den Hinterwälder Kühen, der Mutter Ronda und Kalb Reini.

Der Kuhstall und die angrenzende Weide von Reinhold Heede, in dem Melanie Krummel zwei Hinterwälder Kühe hält, die kürzlich beide gekalbt haben, ist ein Anziehungspunkt in Volkmarshausen.

Volkmarshausen – Während sich die Kinder zu den niedlichen Kälbchen hingezogen fühlen, ist es die seltene Rasse, die bei Erwachsenen Interesse weckt. Denn diese Rinder sind mit einer Schulterhöhe von etwa 120 Zentimetern eine der kleinsten Rinderrassen Mitteleuropas. Krummel ist eine der wenigen in der Region, die diese Rasse hält.

Als Reinhold Heede seinen landwirtschaftlichen Betrieb aus Altersgründen 2016 aufgegeben hat, fragte er die in der Nachbarschaft wohnende Melanie Krummel, ob sie Lust hätte, die Weide und die Stallungen mit Leben zu füllen. „Ich habe mich dann entschieden, zwei Hinterwälder-Rinder zu kaufen“, berichtet sie. Nach einiger Zeit wurden die Kühe gedeckt, nun haben beide gekalbt. Inzwischen haben die Tiere auch Namen, Mutter Lehne mit ihrem drei Monate alten Kalb Lara und Ronda mit dem vor kurzem geborenen Reini (benannt nach Reinhold Heede).

Ursprünglich war Krummels Gedanke die Tiere als Schlachtvieh zu halten. Doch nun ist sie sich sicher, dass die Rinder vorerst nicht auf den Tisch kommen. Inzwischen sieht sie in der Tierhaltung eine Art Hobby und Liebhaberei. Sie hat eine enge Beziehung zu den Müttern und Kälbern aufgebaut. Mehrmals täglich geht Melanie Krummel zu den Tieren, streichelt und striegelt sie und die genießen es sichtbar.

Mit viel frischem Heu und Aufbaufutter werden die Kühe verwöhnt. An sich sehr scheu, haben sie sich an ihre Halterin gewöhnt und strecken ihr schon den Kopf entgegen, wenn sie in die Nähe kommt. „Ich kümmere mich vor der Arbeit und nach Feierabend um die Tiere“, erzählt Krummel, die im Vertrieb eines großen Mündener Unternehmens arbeitet. Gerne verbringe sie ihre Zeit dort. Auch ihren Ehemann hat sie inzwischen mit eingebunden. Unterstützung beim Füttern und der täglichen Stallreinigung leistet dabei Reinhold Heede. „Ich mache das gerne, denn ich freue mich, dass Melanie sich engagiert und den Betrieb in abgespeckter Form weiterführt“, sagt Heede. Auch wenn er die Tierhaltung früher aus rein wirtschaftlichen Gründen betrieben hat, bringt er für die etwas andere Tierhaltung Verständnis auf.

Ihn freut es besonders, dass fast jeden Tag Kinder aus dem Ort kommen und sich nach den Tieren erkundigen und ihnen zuschauen. Seiner Meinung nach ist es für die Entwicklung von Kindern wichtig, dass sie Kontakt zu Nutztieren haben und wissen wie sie leben. Tiere und Landwirtschaft würden in einen Ort wie Volkmarshausen dazu gehören.

„Und für die Kinder bin ich immer noch Bauer Heede, das wird wohl auch so bleiben“, berichtet er nicht ohne Stolz. Denn er legt Wert auf ein intaktes Dorfleben und schürt den Zusammenhalt, wie viele andere Volkmarshäuser auch.

So kommt es, dass sich die Menschen in dem Ortsteil einander unterstützen. Davon profitiert auch Melanie Krummel, denn auch Nachbarn helfen ihr beim Umweiden auf andere Wiesen.

Das Hinterwälder-Rind, auch einfach Hinterwälder, ist ein alter Landschlag des Hausrindes, sagt Denis Schmahl, Landwirt aus Lippoldshausen. Es soll sich aus dem Keltenrind entwickelt haben und war in den schwierigsten Höhenlagen des Südschwarzwaldes zu Hause, bis es in den 1970er Jahren fast ausgestorben wäre. Doch heute sei es aus der Schwarzwaldgegend nicht mehr wegzudenken.

Ein Tier hat ein Gewicht von 380 bis 480 Kilogramm. Die Farbe wechselt von gelb bis rot, das Fell ist mal einfarbig, mal gefleckt oder gesprenkelt und der Kopf ist meist weiß, so Schmahl. Hinterwälder seien sehr genügsam und die langlebigsten Rinder in Deutschland. Das Hinterwälder-Rind wurde 1992 von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen (GEH) zur „Gefährdeten Nutztierrasse des Jahres“ erklärt.

Das qualitativ hochwertige Fleisch sei feinfaserig marmoriert und im Geschmack sehr aromatisch. Es werde hauptsächlich in Direktvermarktung angeboten. (Petra Siebert)

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