Klimanotlage in Münden? 

Umweltausschuss: Stadt soll bis 2050 CO2-neutral sein

Mitglieder von Extinction Rebellion protestierten im Vorfeld der Umweltausschusssitzung vor dem Hann. Mündener Welfenschloss. Foto: Thomas Schlenz
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Mitglieder von Extinction Rebellion protestierten im Vorfeld der Umweltausschusssitzung vor dem Hann. Mündener Welfenschloss. 

Die Stadt Hann. Münden soll die Klimanotlage ausrufen. Das hat der Umweltausschuss dem Rat der Stadt in seiner jüngsten Sitzung empfohlen.

Begründet wird die Ausrufung in der mehrheitlich verabschiedeten Resolution damit, dass auch in Hann. Münden die Folgen des Klimawandels bereits spürbar seien. „Die extremen Wetterverhältnisse der letzten Jahre wie außergewöhnlich hohe Temperaturen über längere Zeit, Trockenheit, niedrige Wasserstände in den Flüssen einerseits, Stürme, Starkregen, Hangrutsche und Überschwemmungen andererseits führen zu ökonomischen und ökologischen Schäden“, heißt es in der Resolution. In Hann. Münden seien insbesondere Tourismus-, Land- und Forstwirtschaft von den Folgen betroffen. Mit der Ausrufung des Klimanotstandes erkenne der Rat der Stadt die Eindämmung des Klimawandels und der damit verbundenen schwerwiegenden Folgen als Aufgabe höchster Wichtigkeit an.

Hartmut TeichmannRatsherr Grüne

Rat und Verwaltung sollten daher Auswirkungen auf das Klima sowie die ökologische, gesellschaftliche und ökonomische Nachhaltigkeit bei allen Entscheidungen berücksichtigen, heißt es weiter. Ferner solle der Bürgermeister dem Rat und der Öffentlichkeit mindestens einmal jährlich über Fortschritte und Schwierigkeiten auf dem Weg zur angestrebten Klimaneutralität, die bis 2050 erreicht werden solle, berichten. Die endgültige Entscheidung über die Klimanotlage trifft der Mündener Rat. Im Umweltausschuss hatte es am Dienstag deutliche Kritik an der Geschwindigkeit des Weges zur angestrebten Klimaneutralität gegeben: Eine Mündener Bürgerin mahnte beispielsweise an, dass das Datum 2050 viel zu spät sei: „Wir müssen das bis 2035 erledigen, das sollte alles viel schneller gehen. Wir dürfen nicht so träge sein“, mahnte sie. Hartmut Teichmann (Grüne) betonte, die Resolution dürfe keinesfalls zu einem Papiertiger werden. Daher schlug er vor, künftig jeden Ratsbeschluss auf Klimafreundlichkeit zu überprüfen und nach den Punkten: klimaschädlich, klimaneutral oder klimafreundlich einzustufen.

„Zeitpunkt zum Handeln ist gekommen“

Fridays-for-Future für schnellere Umsetzung der Klimaziele: Sie begrüße die Resolution zur Ausrufung der Klimanotlage in Hann. Münden, erklärt Sara Drubel stellvertretend für die Mündener Ortsgruppe von Fridays-for-Future. Allerdings sei sie enttäuscht darüber, dass die Diskussion von konkreten Leitlinien für die Stadt auf nachfolgende Sitzungen des Umweltausschusses verschoben wurden. Die Stadt solle nicht nur auf eine perfekte Planung hinarbeiten, sondern es sei wichtig, erst mal konkret anzufangen“, betont Drubel. „Der Zeitpunkt zum Handeln ist längst gekommen“, erklärt die Mündener Klimaaktivistin. So sehe ihre Ortsgruppe auch die Gefahr, dass Maßnahmen zum Klimaschutz zu weit nach hinten geschoben werden, anstatt Ideen, die längst da seien, umzusetzen. Die angestrebte Klimaneutralität bis zum Jahr 2050 sei nur ein erster Anfang: „Das würden wir gern deutlich früher sehen“, betont Drubel im Anschluss an die Sitzung des Mündener Umweltausschusses. Der Landkreis Göttingen habe sich zudem seinerseits bereits das Jahr 2040 als Ziel für Klimaneutralität auf die Fahnen geschrieben. „Hier sollte die Stadt Hann. Münden deutlich mehr Ambitionen zeigen“, sagt Sara Drubel.

Sara DrubelFridays-for- Future

Vorgeschlagene Leitlinien für den Klimaschutz in Hann. Münden

Im Zuge der Ausrufung der Klimanotlage diskutiert der Umweltausschuss Leitlinien, die von Umweltingenieurin Katrin Mihr und von der lokalen Agendabeauftragten Julia Bytom erarbeitet wurden. Zu den zehn vorgeschlagenen Leitlinien gehören unter anderem die Erstellung eines Konzepts zur Klimaneutralität bis 2050, Kooperationen mit externen Experten zur Erstellung des Konzeptes zur Klimaneutralität, die Berücksichtigung der Klimaschutzinhalte für das integrierte Stadtentwicklungskonzept und die prioritäre Behandlung der klimatischen Belange bei Entscheidungsprozessen. Zudem wurde vorgeschlagen, bis Dezember mindestens zwei verantwortliche Personen aus der Stadtverwaltung für die Bearbeitung und Umsetzung des Klimaschutzkonzepts zu benennen.  

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