Eine Legende der Musik, mit 95 Jahren: Erich Bergmann aus Varlosen

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Erich Bergmann: Kann nie so ganz die Finger vom Instrument lassen.

Varlosen. Erich Bergmann gilt in Varlosen als Musikerlegende. Hoch geschätzt und beliebt bei den Mitgliedern der Feuerwehrkapelle Varlosen. Musik war bis vor Kurzem sein Leben.

Kurz vor Weihnachten jedoch gab er seinen Kameraden bekannt, dass aus gesundheitlichen- und Altersgründen das Ende seiner musikalischen Aktivitäten in der Kapelle gekommen ist. Irgendwann mit seinen heutigen 95 Lebensjahren sicherlich absehbar, aber dennoch unerwartet. Vor allem weil Varlosens zurzeit ältester männlicher Einwohner einen altersentsprechend fitten Eindruck macht. Seit der Rückkehr aus der russischen Gefangenschaft und der folgenden Genesung lebte und liebte Erich Bergmann sein Musikerleben.

„Die Jahre nach dem Krieg wurde viel mehr gefeiert. Die Leute hatten Nachholbedarf. Selbst von Beerdigungen ging es mit Kapelle zum Leichenschmaus.“

Nach Kriegsende ging es zu Beginn zu Fuß, später mit dem Fahrrad oder Motorrad zum Teil für ganze Wochenenden auf Feste der Umgebung bis nach Fürstenhagen. „Die Jahre nach dem Krieg wurde viel mehr gefeiert. Die Leute hatten Nachholbedarf. Selbst von Beerdigungen ging es mit Kapelle zum Leichenschmaus“, so Tochter Heidi Kränzel. Mit seiner Musik, Waldarbeit und einem kleinen landwirtschaftlichen Betrieb brachte Bergmann seine Familie über die Runden.

Die Leidenschaft für die Musik steckt in der ganzen Familie. Auch Tochter Heidi und Schwiegersohn Klaus spielen in der Feuerwehrkapelle. Ehrenamtlich brachte Bergmann Jüngeren das Klarinette-und Saxofonspielen bei. „Es machte Spass, es jungen Leuten beizubringen, die Lust und Liebe dazu hatten“, erzählt er. Die Musik half auch, schwere Zeiten zu überstehen. Einfach mal eine kleine Auszeit zu nehmen und in der Gemeinschaft der Kapelle von den Sorgen abzuschalten.

Erich Bergmann lebt zwar unter einem Dach mit Tochter und Schwiegersohn, versorgt sich aber täglich noch selbst. Kocht täglich selbst sein Essen, liest die Zeitung, hat ein Faible für Westernromane, geht beim fahrenden Supermarkt und Bäcker einkaufen und alle zwei Wochen fahren Tochter und Vater nach Göttingen zum Einkaufen und Bummeln.

„Jedes Jahr schmückt er seinen Weihnachtsbaum und holt sich regelmäßig frische Blumen für die Vase“, so Tochter Heidi Kränzel.

Ein Rezept für das Altwerden hat er nicht, aber vielleicht ist es die zufriedene Ausstrahlung und das stetige Interesse an schönen Dingen, was ihn fit hält. Der Kontakt zur Kapelle wird so lange es gesundheitlich noch geht nicht abbrechen. Und wenn es auch nur ist, um dabei zu sitzen und die Gemeinschaft zu genießen.

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