Damals in Münden

Eine verhängnisvolle Rast: Die Mordsteine im Steinbachtal

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Die Gewalttat erschütterte derart, dass ein Steinmetz zwei Erinnerungsmale schuf. Auf den Bildern ist einer der Steine zu sehen.

Der Weg nach Kassel und zurück führt zumeist über die A7 und die B496. Die engen Kurven hoch in Richtung Lutterberg kennen Mündener gut. In der Nähe befindet sich die Franzosenbrücke, die 1827 erbaut und nach Kampfhandlungen mit französischen Soldaten im Siebenjährigen Krieg in diesem Gebiet benannt wurde. In der Nähe liegt eine weitere Besonderheit: Die Mordsteine.

Sie erinnern an eine Gräueltat, die zwei Mündener im Jahre 1614 ereilte. Der Eisenhändler und Kaufmann Johann Kessler ist mit seinem Schwiegersohn, dem damals 27-jährigen Georg Schmalkalden von Saltz, auf dem Markt in Kassel gewesen. Auf dem Rückweg machten die beiden Handelsleute Rast im Gasthaus Lutterberger Höhe. Zwar war man schon in der Nähe der Stadt, doch anders als heute in geschwungenen Serpentinen, ging damals der Weg steil und direkt in das Grundbachtal hinunter. Schon allein deshalb war es ein besonders schwieriger und gefährlicher Wegeabschnitt.

Damals sollen sich in dem Gasthaus vornehmlich finstere Gestalten aus Münden und Kassel herumgetrieben haben, deren Westen wohl alles andere als weiß gewesen sind. Kessler und Schmalkalden waren solches Gesindel allerdings gewohnt, hatten sie doch als Kaufmänner bereits einige Handelsreisen hinter sich gebracht und dabei einiges erlebt.

Zum Schutz trugen sie daher auch stets Waffen bei sich. Nachdem sich die beiden Männer ihr Mahl im Gasthaus haben schmecken lassen, bezahlten sie und gingen. Doch man hatte ein Auge auf sie und vor allem ihre offenbar gut gefüllten Geldbeutel geworfen. Auf dem letzten Stück des Wegs nach Münden trafen sie dann ihr Schicksal. Kessler und Schmalkalden sollten niemals zuhause ankommen. Einige Stunden später hatten sich von Münden aus einige Fuhrleute Richtung Kassel aufgemacht und kamen dieselbe Strecke entlang, die auch die beiden Kaufmänner eingeschlagen hatten.

Dort fanden die Fuhrleute am Ufer des Steinbachs schließlich die blutüberströmten Körper von Kessler und Schmalkalden. Sie waren überfallen, ausgeraubt und letztlich ermordet worden. Man stellte allerlei Ermittlungen an. Verdächtigt wurden damals der Wirt der Lutterberger Höhe sowie der Schmied aus Bonaforth. Es fand sogar eine Hausdurchsuchung statt. Den oder die Täter brachte das jedoch nicht ans Licht. 

An der Stelle, wo man Kessler und Schmalkaden gefunden hatte, wurden die Mordsteine errichtet. In die beiden Steine eingemeißelt steht: „Johann Kessler, Bürger und Krämer zu Münden, ist auf seiner Heimreise von Cassel an diesem Ort von bösen Buben beraubet und mit seinem künftigen Eidam Georg Smalkel ermordet worden. AC 1614 am 4 Octobris dem God Gnad.“ und „Georg Smalkalden, von Saltz, ist mit seinem künftigen Schweier Johann Kessler von bösen Buben unversehen überfallen, beraubet und erbärmlich ermordet worden. Anno Christi 1614 Octobris, Gottes Gnad Beden. Dinsttag Abend zwischen 5 und 6 Uhren.“ 

Die Rückseite ziert ein Kleeblatt-Kreuz, das von einem Dolch durchbohrt wird. Hintergrund dieser Verzierung könnte ein alter Aberglauben sein. Demnach sollen die Seelen der beiden Opfer keine Ruhe finden und als Geister am Ort ihrer Ermordung Wanderer erschrecken. Durch die Mord- oder auch Sühnesteine soll man gehofft haben, diesen Fluch brechen zu können. Das Kleeblattkreuz mit dem Dolch sollte außerdem dazu beitragen, die bösen Geister fernzuhalten. Inzwischen stehen die Mordsteine unter Denkmalschutz.

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