Eisenbart-Spiel: Interview mit Walter Kalk

Walter Kalk Foto: nh

Der Verein Doktor-Eisenbarth-Spiele beklagt, dass das neue Stück zu wenige Zuschauer hat. Wir sprachen darüber mit Walter Kalk, Autor und Regisseur des neuen Schauspiels.

Herr Kalk, der Verein Doktor-Eisenbarth-Spiele klagt über zu wenige Zuschauer. Er hat zum Ende der Saison ein Defizit von 2500 Euro gehabt. Überfordert das Stück die Zuschauer, ist es vielleicht auch zu lang? 

Walter Kalk: 2500 Euro ist keine Dimension an Schulden. Sicher stellen sie ein ernsthaftes Problem dar, aber das Stück ist neu, und der Verein braucht Zeit, seinen Platz zu erobern. Wir hatten inzwischen über 1000 Besucher. Ich sage: Die Hann. Mündener und andere Besucher des Theaters sind intelligent. Spaß und Überraschungen sind im Stück garantiert. Wer kann da überfordert sein?

Aber das Stück dauert über zwei Stunden ... 

Walter Kalk: Wir arbeiten gerade an einer etwas kürzeren Version.

Mit 16 Euro für Erwachsene und 12 Euro für Jugendliche ist das Stück für Familien eine teure Angelegenheit. Sind die Preise nicht zu hoch? 

Walter Kalk: Jeder Kino-Besuch, jedes Konzert liegt in einem ähnlichen oder sogar größeren Preisrahmen. Der Unterhalt des Theaters mit Gema-Gebühren und Darstellerkosten, Aufwand für Technik und Kostümgestaltung wird nicht, wie sonst üblich, vom Staat subventioniert, sondern muss über die Eintrittspreise getragen werden. Vielleicht müsste erneut über einen Familienrabatt nachgedacht werden.

Was müsste aus Ihrer Sicht noch an Werbung getan werden, damit mehr Zuschauer kommen? 

Walter Kalk: Der eigentliche Schlüssel zur Besuchssteigerung liegt in einer überregionalen Werbung. „What a Man – Doktor Eisenbarth“ muss dringend überregional beworben werden. Das braucht Geld. Gerade in der Anfangsphase.

Länder wie Österreich, Schweiz, Belgien, Niederlande müssen als touristische Ansprechpartner mit einbezogen werden.

Haben Sie mit ihren Erfahrungen als Schauspieler und Regisseur noch Möglichkeiten, das Stück bekannter zu machen? 

Walter Kalk: Ich werde meine Kontakte als Fernsehdarsteller nutzen. Im kommenden Frühjahr versuche ich, die Aufmerksamkeit bei regionalen und überregionalen Sendern zu wecken. Gerade das Welttreffen der „Eisenbart Sippe“ in Hann. Münden 2016, bietet dazu einen hervorragenden Ansatz. Fast hundert Nachkommen Eisenbarts werden zu Gast bei den „Eisenbarth-Spielen“ sein.

Was erwarten Sie von der Stadt Hann. Münden, die letztlich mit dem Stück eine Attraktion für Touristen hat? 

Walter Kalk: Wo sonst in Deutschland hat eine Stadt ein derart gewaltiges Markenzeichen wie einen Doktor Eisenbart? Eine nachträgliche finanzielle Unterstützung für die Werbung durch die Stadt liegt auf der Hand. Initialkosten in einer tragenden Dimension sind von einem kleinen Verein einfach nicht leistbar.

Zu wenige Zuschauer sind ein Problem des Vereins, das andere sind Helfer. Auch davon gibt es zu wenige. Das ist in Oberviechtach anders. Wie können mehr Mündener begeistert werden, sich zu engagieren? 

Walter Kalk: Ein massenhafter Beitritt in den Verein der „Doktor-Eisenbarth-Spiele“ wäre wunderbar. In Oberviechtach, dem Geburtsort Doktor Eisenbarts, haben die Einheimischen verstanden, dass es ihr Stück ist. Fast die gesamte Bevölkerung unterstützt das Spektakel, sowohl finanziell als auch durch handfestes Zupacken.

Ich frage mich? Wo sonst kann man so viel Spaß haben? Wir spielen, tanzen, singen, lachen und bekommen auch noch Applaus dafür.

Zur Person:

Walter Kalk (50), Autor, Regisseur und Schauspieler, lebt mit seiner Lebenspartnerin in Leipzig. Er ist Vater von zwei Kindern (sechs und sieben Jahre). Kalk ist Autor und Regisseur des Stücks „What a Man – Doktor Eisenbarth“ über das Leben des legendären Barockarztes, der 1727 in Hann. Münden starb. Im Sommer 2014 hatte das Stück in Hann. Münden Premiere. Kalk hat als Schauspieler nicht nur Bühnenerfahrung, sondern bekommt auch regelmäßig Engagements in Fernsehproduktionen. Er wurde mit dem Kleinkunstpreis „Silberner Besen“ mit einer eigenen Inszenierung in Stuttgart ausgezeichnet.

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