Endgeräte erleichtern Unterricht

Digitalisierung an Schulen im Landkreis Göttingen geht voran

I-Pad-Klasse am Grotefend Gymnasium Hann. Münden: Schüler Robert Bussang und Lehrer Christian Dümer zeigen.
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Wie der Unterricht mit I-Pads und dem Smartboard funktioniert, testet momentan die Klasse 9c des Grotefend Gymnasiums. So auch im Fach Physik, wie Schüler Robert Bussang (links) Lehrer Christian Dümer zeigen.

Mit dem vom Kreistag Göttingen beschlossenen Schulentwicklungsprogramm und der Förderung aus dem bundesweiten Digitalpakt werden die Schulen in der Region Hann. Münden nun digital modernisiert.

Von den acht Millionen Euro, die dem Landkreis Göttingen aus dem Digitalpakt zur Verfügung stehen, sind laut Kreisverwaltung bisher 1,9 Millionen Euro abgerufen worden. Damit finanzschwache Schüler auch mit mobilen Endgeräten arbeiten können, habe das Bundesbildungsministerium insgesamt 500 Millionen Euro bereitgestellt. Der Landkreis habe davon 873 000 Euro erhalten und damit 810 mobile Endgeräte finanziert. Zusätzlich habe der Kreis weitere 140 Geräte aus eigenen Mitteln für die allgemeinbildenden Schulen angeschafft. Der Ausbau der Breitbandversorgung für die 30 kreiseigenen Schulen sei geplant und werde nach und nach umgesetzt.

Oberschule Dransfeld erhält neue Breitbandverbindung

So wie momentan in der Oberschule an Dransfeld. Da die Schule sich wegen Brandschutzsanierung im Umbau befinde, werde die Breitbandverbindung gleich mit ausgebaut, berichtet Schulleiter Mark Bödefeld. Um für alle zwölf Klassen an der Oberschule digitalen Unterricht anbieten zu können, würden die Räume voraussichtlich bis Ende November mit Computern, Dokumentenkameras und Galneoboards ausgestattet. Zusätzlich habe der Kreis 35 I-Pads für Lehrer und 30 für Schüler bereitgestellt. Nur mit der Anschaffung sei es aber nicht getan. „Lehrer und Schüler müssen in die Technik eingewiesen werden“, sagt Bödefeld.

Berufsbildende Schulen Hann. Münden bildet Lehrpersonal fort

Ähnlich sieht das auch Gerd Reddig, Schulleiter der Berufsbildenden Schulen Münden. „Die Schullandschaft ist endlich aufgeweckt worden. Nur ein Endgerät zu haben, reicht aber nicht“, sagt er. Lehrer bräuchten Fortbildungen für den digitalen Unterricht, damit sie ihren Schülern einen angemessenen Umgang mit mobilen Endgeräten beibringen könnten.

Auch Gerd Reddig, Schulleiter den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Hann. Münden setzt auf „E-Didaktik“. So werden vor allem die Lehrer geschult, denn sie müssen ihren Klassen das digitale Arbeiten beibringen, erzählt Reddig. Eigenintiative sei gefragt: „Man muss das auch ausprobieren wollen.“ Mit 1-Gigabyte-WLAN-Verbindung und zehn Computerräumen funktioniere das bisher relativ gut an der BBS. Es gebe Überlegungen, einen Computerraum neu auszustatten. Das würde etwa 25 000 bis 30 000 Euro kosten.

Schüler, besonders Berufs- und Fachoberschüler, arbeiteten auch mit ihren eigenen mobilen Endgeräten im Unterricht. Da das Kultusministerium Distanzunterricht zum Teil noch zulasse, wäre es zudem möglich, Berufsschüler einen Tag von Zuhause aus zu unterrichten. Konkrete Pläne gibt es dafür laut Reddig aber noch nicht.

I-Pad-Klasse am Grotefend Gymnasium

Am Grotefend Gymnasium in Hann. Münden gibt es schon seit 1997 ein Medienkonzept, berichtet Schulleiter Olaf Böhme. „Die Digitalisierung ist ein fortschreitender Prozess. Der Trend geht zum Tablet.“ Deshalb wird seit diesem Schuljahr in der Klasse 9c getestet, wie gut der Unterricht mit I-Pads funktioniert. Das ermöglicht einen multimedialen Unterricht, da zum Beispiel Videos oder Präsentationen einfacher wiedergegeben und erstellt werden können. Zudem können die Schüler Inhalte von ihrem Tablet direkt auf die Smartboard-Tafel übertragen. Auch das Erstellen von digitalen Arbeitsgruppen ist möglich, sagt Jürgen Helbig, Koordinator für Digitalisierung am Grotefend Gymnasium.

Seit dem Lockdown im Frühjahr 2020 wird die Lernplattform Moodle genutzt, sagt Böhme. Dort werden vor allem Arbeitsblätter und Hausaufgaben für die Schüler hinterlegt. „Auch wenn die Schüler wieder in Präsenz unterricht werden, können die Lehrer auf Moodle ergänzendes Material zum Unterricht hochladen“, so Böhme.

Die Schüler der I-Pad-Klasse arbeiteten größtenteils mit eigenen Tablets. Trotzdem habe der Förderverein der Schule zusätzlich 50 weitere Geräte zur Verfügung gestellt, die für den Unterricht ausgeliehen werden können. Bücher komplett ersetzen sollen die Endgeräte nicht, so Böhme. Aber in einigen Fächern seien vor allem die Smartboards sinnvoll. In Erdkunde könne man zum Beispiel mit 3-D-Ansichten und verschiedenen Apps arbeiten. Das ersetze den Atlas und biete mehr Möglichkeiten, den Schülern Lerninhalte nahezubringen.

Momentan gibt es laut Helbig an der Schule etwa zehn Smartboards. Wie viele aus den Fördermitteln noch dazu kommen, sei noch unklar. Mit 500 M-Bits pro Sekunde sei das WLAN in beiden Gebäuden der Schule jetzt noch ausreichend, angestrebt werde aber eine 1-Gigabyte-Verbindung, sagt Böhme. Denn sollten viele Schüler gleichzeitig online arbeiten, könnte die jetzige Leitung nicht mehr ausreichen. Den Schülern den richtigen Umgang mit digitalen Endgeräten und der Recherche im Internet zu zeigen, sei im Zuge der Digitalisierung an Schulen enorm wichtig, betont Böhme. Darin würden die Schüler der Jahrgänge fünf und sieben jeweils eine Schulstunde in der Woche ausgebildet.

Schlechte Internetverbindung an Drei-Flüsse-Realschule

Sechs Galneoboards mit ausklappbaren Seitenteilen und Dokumentenkameras werden in der Drei-Flüsse-Realschule in Hann. Münden genutzt, sagt Schulleiterin Johanna Jesionowski. Über den Digitalpakt habe die Schule 30 I-Pads für die Schüler bekommen. Viele würden auch ihre eigenen im Unterricht benutzen. Besonders die Galneoboards erleichterten den Schulalltag: „Damit ist alles in einem Medium vereint“, sagt Jesionowski. Vorher hätten Lehrer ihren Laptop oder andere Geräte anschließen müssen, was Unterrichtszeit gekostet habe.

Ein großes Problem sei aber die langsame Internetverbindung. Eine Videokonferenz könne nicht mit mehr als vier Menschen stattfinden, „sonst bricht das Internet zusammen“, so Jesionowski. Das sei vor allem für den Distanzunterricht schwierig gewesen. Wann die Breitbandverbindung an der Mündener Realschule ausgebaut werde, wisse sie noch nicht.

Trotzdem wünsche sie sich mehr Apps und Software, mit denen im Unterricht gearbeitet werden kann. „Wir wollen das Papier aber nicht komplett abschaffen“, sagt die Schulleiterin. Gerade für die jüngeren Schüler sei es wichtig, auf Papier zu malen und zu schreiben.

Von Natascha Terjung

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