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Viel Lob für die Mündener Altstadtretter

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Von: Kim Henneking

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Würdigung: Dr. Dorothee Hemme hob in ihrem Vortrag hervor, dass die Mündener Bürgergenossenschaft nicht nur alte Häuser rettet, sondern mit ihrer Arbeit auch dazu beiträgt, historische Technologien zu erhalten.
Würdigung: Dr. Dorothee Hemme hob in ihrem Vortrag hervor, dass die Mündener Bürgergenossenschaft nicht nur alte Häuser rettet, sondern mit ihrer Arbeit auch dazu beiträgt, historische Technologien zu erhalten. © Kim Henneking

Vor zehn Jahren haben rund 170 Bürger im Rittersaal des Welfenschlosses die Bürgergenossenschaft Mündener Altstadt gegründet. Auf der Geburtstagsfeier gab von allen Seiten viel Lob.

Hann. Münden – Mehr als 80 Gäste haben am Freitagabend das 10-jährige Bestehen der Bürgergenossenschaft Hann. Münden im Geschwister-Scholl-Haus gefeiert. Ehrenamtliche und Förderer haben gemeinsam einen Blick auf das bisher Erreichte geworfen und gemeinsam mit Freunden gefeiert.

Seit der Gründung im Jahr 2013 ist die Genossenschaft auf 400 Mitglieder gewachsen, informierte der Aufsichtsratsvorsitzende Friedhelm Meyer. „Wer hätte gedacht, dass wir heute das dritte Gebäude sanieren?“, sagte er an die Feiernden gewandt. Zwei weitere Gebäude seien bereits erworben wurden und sollten nach und nach durch die Mitglieder nutzbar gemacht werden.

Finanziert würden die Projekte durch Spenden an den Förderverein Mündener Altstadt sowie die VR-Bank und die Sparkasse.

„Mit dem Ziel, den Charakter unserer historischen Altstadt aufrechtzuerhalten und die jahrhundertealten Fachwerkhäuser in unserer Stadt zu schützen, zu sanieren und neuen Wohnraum zu schaffen, zeigt die Bürgergenossenschaft seit vielen Jahren ein bemerkenswertes, ehrenamtliches Engagement“, sagte Bürgermeister Tobias Dannenberg und bedankte sich bei den Mitgliedern für ihren Einsatz. „Es braucht Menschen wie Sie, die gemeinsam anpacken und sich nicht von den teilweise desaströsen Zuständen der Häuser abschrecken lassen.“

Ein Höhepunkt des Abends war der Vortrag der Kulturwissenschaftlerin Dr. Dorothee Hemme, die das Projekt als Forscherin begleitet hat. Bei einem Kongress zum Thema Wohnen in Göttingen 2016 habe sie die Arbeit der Mündener vorgestellt. „Ihr habt nicht nur Häuser saniert, sondern auch einen Haufen internationaler Kulturwissenschaftler inspiriert“, erzählte Hemme und stellte den Anwesenden ihre Forschung vor.

Die Region Südniedersachsen, Nordhessen und Westthüringen sei eine der vielfältigsten Fachwerklandschaften Europas. „Alle bis ins späte 19. Jahrhundert gebauten Exemplare widersprechen jeder statischen Berechnung. Diese Gebäude wurden mit dem Wissen in den Händen errichtet“, berichtete die Kulturwissenschaftlerin, was für herzliches Lachen sorgte. Wenn Fachwerkhäuser einstürzen, verschwinde eine kollektive Erinnerung an das Leben, das in ihnen stattgefunden habe.

Durch die Entscheidung der Mündener, ihre verfallenden Gebäude selbst zu reparieren, hätten sie nicht nur die alten Häuser gerettet. Sie hätten zugleich neuen Lebensraum geschaffen, altes Wissen und Technologien erhalten und den Tourismus belebt.

„Die Welt kann noch so kaputt sein, die Herausforderung noch so groß: Wenn viele mit einer richtig guten Idee die Ärmel hochkrempeln und mit gesundem Menschenverstand loslegen, um die Welt zu reparieren, gibt es viel Grund für Zuversicht.“

Stellvertretend für die vielen Helfer, die im Laufe der vergangenen zehn Jahre bereits drei Häuser saniert und viele Spenden dafür gesammelt haben, teilten Adalbert Leuner, Cornelia Jordan, Henner Kowalcyk, Reinhard Müller und Burkhard Klapp ihre Erinnerungen an die bisherigen Projekte mit den Anwesenden. Beim anschließenden Abendessen tauschten sich die Feiernden fröhlich aus. (Kim Henneking)

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