Erinnerung an Pogromnacht

Gedenkveranstaltungen in Hann. Münden und Dransfeld

Schülerinnen und Schüler der Göttinger Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule verlasen während der Gedenkfeier selbst erarbeitete Texte rund um das Thema Synagoge.
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Schülerinnen und Schüler der Göttinger Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule verlasen während der Gedenkfeier selbst erarbeitete Texte rund um das Thema Synagoge.

Zur Erinnerung an die Pogrome und die Zerstörung von Synagogen und jüdischen Einrichtungen im November 1938 fanden am 9. November Gedenkveranstaltungen in der Region statt.

Hann. Münden - Hann. Mündens Stadtarchivar Stefan Schäfer erinnerte bei einem Rundgang entlang der Schauplätze in der Altstadt an die Entrechtung und Verfolgung der jüdischen Bürger der Stadt. Eine große Gruppe von Mündenerinnen und Mündenern folgte seinen Erzählungen, darunter auch der neue Bürgermeister Tobias Dannenberg und sein Amtsvorgänger Harald Wegener sowie Vertreter der Geschichtsvereine. Schäfer betonte, dass die Verwüstung der Mündener Synagoge und die Zerstörung der Torarolle bereits am 8. November und nicht, wie in vielen anderen Orten, in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 erfolgt sei.

In seinem Vortrag legte er diesmal einen Schwerpunkt auf die Rolle der Täter von einst, den Ablauf der Tat und die Berichterstattung in Polizeiprotokollen und der damals gleichgeschalteten Presse. Nach dem Rundgang gedachten die Teilnehmer gemeinsam an der Stele vor dem Historischen Rathaus.

Dransfeld

Mehr als 70 Menschen versammelten sich am Dienstag vor der ehemaligen Synagoge in der Gerlandstraße, um dem Novemberpogrom von 1938 und dem Schicksal der damaligen Dransfelder Juden zu gedenken. Im Mittelpunkt der Veranstaltung, die wie immer vom Dransfelder Bürgerforum 9. November organisiert worden war, stand neben der stillen Trauer diesmal das Thema Synagoge. Schülerinnen und Schüler der Göttinger Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule berichteten zunächst über die Pogromnacht von 1938, in der die Nationalsozialisten zahllose jüdische Versammlungs- und Gebetshäuser zerstörten oder niederbrannten, sowie über die Dransfelder Synagoge, der dieses Schicksal erspart blieb.

Der Grund dafür, dass die 1810 errichtete Synagoge erhalten blieb, sei der Umstand, dass die Nazis wegen der dichten Nebenbebauung die Gefahr gesehen hätten, dass ein Feuer beim Niederbrennen übergreifen und zu einem Großbrand führen könnte. Nachdem die Synagoge jedoch verwüstet und geschlossen, die Dransfelder Juden aus der Stadt vertrieben, deportiert oder in Konzentrationslagern ermordet worden waren, sei die Synagoge nach dem Krieg zunächst von der katholischen Kirche als Kapelle genutzt und 1981 an die benachbarte Tischlerei Steffen verkauft worden, von der sie fortan als Werkstatt genutzt wurde.

Den Abschluss der bewegenden Veranstaltung, die musikalisch vom Dransfelder Klarinetten-Ensemble „Merulea“ untermalt wurde, bildete das Verlesen sämtlicher Namen von Dransfelder Opfern der Nationalsozialisten, die entweder deportiert wurden oder geflüchtet waren.

Für sie legte jeder der Anwesenden symbolisch einen Stein nieder. Wer wollte, hatte anschließend noch die Gelegenheit, einen Blick ins Innere der ehemaligen Synagoge zu werfen, die aktuell von den jetzigen Eigentümern aufwendig restauriert und in einen Zustand zurückversetzt wird, die dem ursprünglichen sehr nahe kommen soll.  (Von Thomas Schlenz und Per Schröter)

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