Disko, Busse und Digitales

Erstwähler diskutieren am Jugendtag mit Kommunalpolitikern in Hann. Münden

Ein gutes Dutzend Kandidaten, die bei der Kommunalwahl antreten, stellten sich beim Jugendtag vor.
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Ein gutes Dutzend Kandidaten, die bei der Kommunalwahl antreten, stellten sich beim Jugendtag vor.

„Auf ein Eis mit...“ das war das Motto des Zweiten Jugendtages, der am Sonntag auf dem Tanzwerder in Hann. Münden stattfand. Die Idee: Jugendliche sollen mit lokalen Politikern ins Gespräch kommen.

Hann. Münden – Eine Diskothek, mehr Geld für die Digitalisierung der Schulen und eine bessere Busanbindung der Dörfer an die Stadt haben 50 Erstwähler aus Hann. Münden am Sonntag beim Jugendtag gefordert. Im Vorfeld der Kommunalwahl am 12. September organisierten der Stadtjugendring sowie das Kinder- und Jugendbüro auf dem Tanzwerder eine Gesprächsrunde mit Kandidaten.

„Für die 16- bis 21-Jährigen gibt es in Hann. Münden keinen Ort, wo wir uns treffen können“, sagte Janine Küstler. „Wenn wir in die Diskothek wollen, müssen wir nach Kassel oder Göttingen fahren“, klagte Nisa Demircan. Das war früher anders. „Vor 50 Jahren gab es eine Handvoll Diskos in der Stadt“, erinnerte sich Hartmut Teichmann (Grüne) an seine Jugend.

Zu wenige Freizeitmöglichkeiten

„Warum eröffnet die Stadt keine Disko?“, wollten die jungen Leute wissen. Das muss ein privater Investor machen, erfuhren sie. Die Auflagen in der Stadt seien allerdings hoch.

„Dann müssen die Anwohner den Lärm eben ertragen“, fand ein Jugendlicher. Anwohner haben Rechte, die sie gegebenenfalls vor Gericht durchsetzen können, lernte er. Eine Diskothek lasse sich am ehesten in einem Gewerbegebiet außerhalb der Stadt eröffnen, die sei dann aber schwerer zu erreichen, gaben die Kommunalpolitiker zu bedenken.

Kritik äußerten die Erstwähler an mangelnden Freizeitmöglichkeiten. „Meine beiden Töchter spielen Handball“, berichtete Markus Jerrentrup (CDU). Auch das Fußballangebot sei gut. „Beim Basketball wird es schon schwieriger“, erwiderte ein Jugendlicher. Die jungen Leute vermissen zudem Kinos, Theater, aber auch Geschäfte mit Kleidung nach ihrem Geschmack.

Im Gespräch mit Jugendlichen: die Christdemokraten Markus Jerrentrup und Tobias Dannenberg sowie Bürgermeister Harald Wegener vom Bürgerforum (von links).

Digitalisierung an Schulen

Ein zweites großes Thema war die nach Einschätzung der Erstwähler unzureichende Digitalisierung der Schulen. Die Pandemie habe in diesem Bereich gezeigt, dass junge Menschen „zu kurz“ kommen, fand Iwan Krivov (FDP), der mit 17 Jahren jüngste Kandidat. „Die Noten sind bei vielen abgesackt“, beobachtet Jaqueline Garre, die im Klinikum Kassel eine Ausbildung zur Krankenschwester macht. Das liege an der technischen Ausstattung der Schüler. Nicht alle hätten gute Rechner und schnelles Internet. Vielen falle es schwer, sich stundenlang vor dem Computer zu konzentrieren. „Es ist schwierig, sich über Berufe zu informieren, daran ändern auch die vielen Mails nichts, die ich von meiner Schule zum Thema bekomme“, sagte Luis Pepe Sack. Der Online-Zukunftstag habe ihm nicht geholfen.

Anklang fand die Idee, Hann. Münden zur Fahrradstadt auszubauen. Dr. Franz Bitz (Bürgerforum) erzählte, wie er über den Kampf gegen den Umweltverpester Westzell zur Politik kam. Rona Gashi (SPD), mit 26 Jahren die zweitjüngste Kandidatin, versprach, den jungen Menschen im Rat eine Stimme zugeben. Ines-Albrecht-Engel (Münden aktiv) erzählte, wie schwierig es sei, junge Menschen in die Politik zu holen. Studierende hätten zum Beispiel kaum Zeit. Sabrina Lieberum forderte die Politiker auf, das „Parteibuch zur Seite“ zu legen und gemeinsam gute Ideen voranzubringen. (Michael Caspar)

Zweiter Jugendtag in Hann. Münden

Der Jugendtag wurde organisiert vom Stadtjugendring Hann. Münden, als Teil der Kampagne „Nextvote21“ des Landesjugendringes. Unter dem Motto „Auf ein Eis mit...“ konnten Jugendliche mit Kommunalpolitikern über ihre Themen sprechen. Darüber hinaus wurden Kreativ-Workshops und Live-Musik angeboten. Das Projekt wurde gefördert durch die Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Göttingen, den Landkreis, den Landesjugendring, den Stadtjugendring, den Verein Rock for Tolerance, das Kinder- und Jugendbüro der Stadt und das Mehrgenerationenhaus. (Kim Henneking)

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