„Es geht wieder los“

Matthias Biroth spricht über den Stand des Tourismus in Hann. Münden

Unser Bild zeigt Reisebusse aus Belgien, Warendorf und Hamburg, die vor einigen Jahren auf dem Tanzwerder Halt machten.
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Münden als Urlaubsziel: Unser Bild zeigt Reisebusse aus Belgien, Warendorf und Hamburg, die vor einigen Jahren auf dem Tanzwerder Halt machten.

Wir haben mit Mattias Biroth von Hann. Münden Marketing über die Lage des Tourismus in der Dreiflüssestadt gesprochen.

Herr Biroth, Inwiefern hat die Coronakrise den Tourismus in unserer Stadt beeinflusst?

Der Einfluss ist sehr stark. Wir sind sehr saisonabhängig. Das Ostergeschäft nach dem Winter hat gelitten. Dabei ist das sehr wichtig sowohl für die Hotels, als auch für Campingplätze, für alle Gewerke, die mit daran hängen, von der Stadtführung, der Schifffahrt bis zum Einzelhandel. Das ist in diesem Jahr ausgefallen und das merken alle. Es geht jetzt langsam wieder los, wie wir an den Buchungszahlen sehen. In anderen Bereichen, wie beispielsweise bei den Bus- und Tagestouristen, haben wir aber nach wie vor ein großes Defizit, was vor allem die Gastronomen merken. Ich bin sehr froh, dass die Sieben-Tage-Wiederbelegungsfrist für Hotels gekippt wurde. Das wäre für Hann. Münden ungünstig gewesen. Wir haben 1,9 Tage durchschnittliche Aufenthaltsdauer, viele Touristen sind Radfahrer. Wenn ein Innenstadthotel nach jedem Radfahrer das Zimmer sechs Tage nicht belegen dürfte, bräuchte man gar nicht aufmachen, das würde sich nicht lohnen.

Der Tagestourismus ist demnach besonders wichtig?

Wir haben viele Übernachtungsgäste, aber gerade der Tagestourismus mit Bustouren macht einen großen Anteil aus.

Wie hat sich die Krise auf die Arbeit der Beschäftigten in der Branche ausgewirkt?

Man kann nur hoffen, und so ist auch der aktuelle Stand, dass die Unternehmen durchhalten. Andere Städte hat es härter getroffen. Einige Beschäftigte sind aber nicht fest angestellt, zum Beispiel Saisonhelfer. Die trifft es härter, weil die Unternehmen zunächst schauen, dass sie sich und ihre Festangestellten sicher rüberbringen. Ansonsten gilt es, sich an die Hygienebestimmungen zu gewöhnen. Das Arbeiten mit Maske oder Gesichtsschutz wird die Branche noch lange begleiten. Man sieht es aber auch in anderen Bereichen: Hotels, die auf Frühstücksbuffets ausgerichtet waren, müssen neue Wege gehen und überlegen, ob sie Lunchboxen oder nur Tellergerichte anbieten. Diese Betriebe müssen dann mehr Servicepersonal einstellen, da sie bislang darauf nicht ausgerichtet waren. Das ist dann für das Personal wieder gut.

Was ist die Rolle von Hann. Münden Marketing in dieser Krise?

Wir haben Aufklärungsarbeit geleistet. Wir hatten sehr viele Rückfragen von Ferienwohnungen oder Hotels. Es ging um Fragen wie: Was dürfen wir wann und in welcher Form? Dazu kommt die touristische Werbung: Wir haben eine Kampagne gestartet, die man in den sozialen Netzwerken sehen kann, unter anderem mit authentischen Videos von Mündenern, die erzählen, warum man in die Region kommen sollte. Es ist einer der wichtigsten Punkte, zu überlegen, wie wir die Leute wieder zu uns bringen. Der Deutschland-Tourismus ist der Bereich, der am schnellsten wieder anlaufen wird, zumal Reisen ins Ausland aktuell nur eingeschränkt möglich sind. Meine Einschätzung ist, dass der Urlaub weniger in den Großstädten, sondern eher in den kleineren Städten und den Mittelzentren verbracht wird. Das merkt man schon jetzt, an den Wochenenden füllt es sich schon ganz gut. Wir können davon profitieren. Dafür müssen wir als Hann. Münden Marketing Werbung machen, Buchungen bearbeiten, Informationsmaterial versenden und zusehen, dass wir das deutschlandweit in unseren Quellmärkten streuen.

Wie sieht es mit Veranstaltungen aus? Fällt alles aus oder gibt es Alternativen?

Aktuell fällt vieles aus. Wir hätten das Münden Live gehabt, das Feiertagsshopping mit Dielengrabenfest, das fällt alles komplett aus. Wir überlegen gerade, ob der Keramikmarkt möglich wäre. Das muss aber zusammen mit den Ordnungsbehörden ausgelotet werden. Ansonsten ist bis zum 31. August alles auf Eis gelegt.

Sie möchten Touristen in die Stadt bringen, gleichzeitig bleibt Infektionsschutz wichtig. Ein Problem?

Wir haben natürlich eine Verantwortung. Sicherheit und Gesundheit stehen deswegen an erster Stelle. Wir planen aktuell damit, dass der Bauernmarkt und das Bierfestival im September stattfinden können. Das ist aber noch unsicher. Wir tauschen uns mit der Stadtverwaltung und den Ordnungsbehörden aus, damit wir frühzeitig reagieren können.

Hat sich Ihre Werbestrategie verändert?

Einige Themen bleiben aktuell. So boomt das Radfahren gerade. Hier haben wir sehr gute Chancen, da wir den Weserradweg haben, der Fuldaradweg startet eine Qualitätsoffensive. Natur und Erholung ist das zweite Feld. So bietet der Naturpark Veranstaltungen, die im Wald möglich sind. Dazu kommen Kultur und Einzelhandel sowie das Feld Camping. Wir haben da, auch außerhalb der Region Hann. Münden, einen sehr guten Stand.

Wie hat sich die Arbeitsweise in Ihrem Team gewandelt?

Wir hatten sowohl die Touristinfo als auch die Büroräume für den Publikumsverkehr geschlossen, waren aber weiter erreichbar. Die meisten Mitarbeiter sind noch im Homeoffice. Die Touristinfo wird kommende Woche wieder öffnen. Vieles läuft digital, wir haben wöchentliche Abstimmungen per Videokonferenz. Das eröffnet auch neue Möglichkeiten für Absprachen.   Wir arbeiten seit Neuestem wieder stärker mit Newslettern, die wir verschicken, dazu kommen die sozialen Medien. Mit der neuen Kampagne haben wir Reichweiten von 1,3 bis 1,5 Millionen. Zudem haben wir Kontakte zu Influencern und zu verschiedenen Bloggern.

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