„Es gibt kein Recht auf Aussicht“

Haus Weserland: Diskussion um Seniorenwohnprojekt in Hann. Münden (Kreis Göttingen)

Projekt Weserland: Diese städtebauliche Einbindung zeigt die geplante Lage der Gebäude. Oben im Bild ist die Straße Lug ins Land zu sehen, unten Kattenbühl. Der Investor Convivo will das Projekt nach der Bürgerbeteiligung überarbeiten.
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Projekt Weserland: Diese städtebauliche Einbindung zeigt die geplante Lage der Gebäude. Oben im Bild ist die Straße Lug ins Land zu sehen, unten Kattenbühl. Der Investor Convivo will das Projekt nach der Bürgerbeteiligung überarbeiten.

Die Pläne des Investors Convivo, der auf dem Gelände des ehemaligen Hauses Weserland in Hann. Münden eine seniorengerechte Wohnanlage errichten möchte, sorgen für Verunsicherung.

Hann. Münden – „Die Ablehnung überwiegt“, fasste der Vorsitzende des Stadtentwicklungsausschusses, Kurt Koppetsch, die Stimmung in der Stadt vor der Veranstaltung zusammen. Der Stadtentwicklungsausschuss bitte deswegen darum, die Baudichte zu verringern und ein neues Konzept vorzulegen.

Als Planer sei man natürlich möglichst an einem Einvernehmen mit allen Beteiligten interessiert, betonte Martin Schmittdiel von der Planungsgesellschaft ANP. Es sei deswegen „noch viel Feinschliff“ erforderlich.

Anhand von Planungsskizzen erläuterte er die städtebauliche Einbindung des Projekts: Das Gelände weise eine Höhendifferenz von 26 Metern auf. Gleichzeitig plane der Investor Convivo aus Bremen barrierefreies Wohnen. Das stelle die Planungen vor Herausforderungen.

Die Erschließung des Grundstücks solle vom Kattenbühl aus erfolgen. Geplant seien fünf Gebäude. Das Hauptgebäude solle auf einem Plateau platziert werden, wo auch das alte Haus Weserland gestanden hat. Vier Wohngebäude mit 15 Wohneinheiten pro Haus seien entlang der Straße Lug ins Land geplant.

Diese erschienen aber talseitig höher als sie eigentlich seien: Bergseitig sei eine drei geschossige Ansicht geplant mit dem dritten Geschoss als Staffelgeschoss, talseitig viergeschossig plus Staffelgeschoss. „Das wirkt aufgrund der Schnittlage wie fünfgeschossig“, so Schmittdiel. Der Blick ins Tal werde zudem nicht komplett verbaut.

Lageplan: So sollte die Bebauung auf dem Gelände Haus Weserland nach den Plänen von Convivo ursprünglich aussehen. Nach Anregungen von Bürgern und Anwohnern will der Investor diese noch anpassen.

Ralph König, Senior Project Manager des Unternehmens Convivo, betonte, der Bedarf nach seniorengerechtem Wohnen in der Dreiflüssestadt werde vom Unternehmen als hoch eingeschätzt. Ursache sei der demografische Wandel, die Zahl pflegebedürftiger Menschen steige. Vertreter der Bürgerinitiative Weserland bekräftigten ihre Kritik am Vorhaben.

„Uns ist klar: Es gibt kein Recht auf Aussicht“, erklärte Boris Wolff für die Bürgerinitiative Weserland. Die Initiative sei auch nicht gegen eine Bebauung des Areals: „Aber es muss in vertretbarem Maß geschehen und sich harmonisch einfügen“, so Wolff. Der Gebietscharakter des Wohngebietes solle erhalten werden. „Wir wollen uns weiter wohlfühlen.“ Auch befürchteten Anwohner die Verringerung der Werte ihrer Grundstücke. Ein weiterer Punkt sei das Verkehrsaufkommen.

Es seien nicht ausreichend Parkplätze geplant worden. Hinsichtlich Geologie und Baugrund gebe es viel Skepsis: „Wir fordern ein unabhängiges Gutachten und wollen keine zweite Hermann-Löns-Straße“, betonte Boris Wolff mit Blick auf das dort vor einiger Zeit gescheiterte Bauprojekt. Nicht zuletzt seien die Anwohner immer von einer Bebauung nach dem bestehenden Bebauungsplan ausgegangen.

Es gebe außerdem zu wenig Impulse für junge Familien in der Stadt. Nach Meinung der Bürgerinitiative gebe es bereits genug Angebote für seniorengerechtes Wohnen in der Stadt. „Warum dann nicht eine zukunftsorientiertere Planung?“, so Wolff.

Bei einer Infoveranstaltung in der Stadt sei auch die Bürgerinitiative vom hohen Grad der Ablehnung des Projekts, „sowohl bei Anwohnern als auch bei der Bevölkerung“ überrascht gewesen. Bereits bei einer Online-Informationsveranstaltung hatten Anwohner Fragen zu vier Themenbereichen gestellt, die der Investor beantwortet hat:

Bodenbeschaffenheit in Hann. Münden

Laut Convivo liegt eine geotechnische Baugrunderkundung und Begutachtung sowie eine gutachterliche Stellungnahme vor, die im Rahmen des Grundstückskaufs und auf Anregungen aus der Politik erstellt wurde. Auf der Grundlage von Rammkernsondierungen auf dem Areal der vorigen Bebauung seien diverse Aussagen zu verschiedenen Aspekten, wie Baugrund, Grundwasser, Brunnen, Hangsicherung gemacht worden. Wer genau das Gutachten anfertigte, nannte der Investor nicht.

Bedarfsermittlung in der Region um Hann. Münden

Es sei eine Bedarfsanalyse erstellt worden. Demnach gebe es Bedarf an Pflegeplätzen und Wohnraum für Senioren in Hann. Münden und Umland. Zudem rechne man mit weiter steigender Nachfrage.

Architektur

Die Visualisierung zeige das städtebauliche Konzept und die Anzahl der Geschosse. Die Gebäude sollen Gründächer erhalten. Die Gestaltung der Fassaden ist laut Convivo noch nicht abgeschlossen. Die architektonische Ausarbeitung folge nach der Bürgerbeteiligung. Gebaut werde mindestens nach KfW-55 Standard. Es sei eine Dachbegrünung vorgesehen, möglichst wenig Versiegelung, Ausgleichsflächen und ein Mobilitätskonzept. Außerdem Blumen-/Streuobstwiesen und Microgardening.

Parkplätze

Es seien Stellplätze in ausreichender Zahl vorgesehen. Zum anderen könne die Stadt Parkverbotszonen ausweisen oder habe dies bereits getan.

Finanzierung der Pläne für Haus Weserland in Hann. Münden

Convivo sei Eigentümer des Grundstücks, Bauherr und auch Betreiber. Das Projekt werde nicht an einen „Bauunternehmer“ weiterverkauft. Es gehöre aber zum Geschäftsmodell von Convivo, dass die fertige Immobilie zur Refinanzierung an einen Investor verkauft werde, Convivo aber der Betreiber bleibt.

Hintergrund: Pläne für altersgerechtes Wohnen in Hann. Münden

Convivo plant auf dem Gelände eine Anlage für seniorengerechtes Wohnen. Geplant sind ein Hauptgebäude mit Tagespflege und 16 Plätzen, ambulantem Dienst, zwei Wohngemeinschaften mit je zwölf Zimmern, circa 40 Servicewohnungen, Café, Küche, Verwaltung sowie Tiefgarage mit 30 bis 35 Stellplätzen sowie vier Einzelgebäude mit circa 60 Wohnungen und 35 Stellplätzen. Fragen zum Projekt beantwortet der Investor per E-Mail.

(Thomas Schlenz)

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