Schätze der Natur 

Experte Siegfried Pflum gibt Tipps beim Pilzesammeln

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Zum Anbeißen: Siegfried Pflum entdeckte zuletzt einen Mönchskopf (links) und einen seltenen Elfenbeinröhrling. Beide Pilze sind essbar. 

„Pilze galten früher als Teufelswerk“, sagt Siegfried Pflum. „Sie kamen aus der Erde und waren über Nacht auf einmal da.“

Für den Mündener hat das Reich der Pilze auch heute wenig an Zauber verloren. Pflum arbeitet bei der Stadt Hann. Münden als Stadtplaner. Vor 12 Jahren hat er seine Leidenschaft für Pilze zum Nebenberuf gemacht. Er erklärt als Dozent bei der Volkshochschule Münden und beim Naturpark Münden, worauf Pilzesammler achten müssen.

Die oberste Regel laute: „Nur Pilze essen, die man sicher kennt“, sagt Pflum. Unbedachter Verzehr könne schief gehen – so wie im Juni, als ein Kleinkind auf einer Wiese in Hann. Münden spielte und sich einen Pilz in den Mund steckte. Die panischen Eltern konnten den Pilz nicht mehr aus dem Mund ihres Kindes holen. Das Kind musste sich übergeben – aber nicht wegen einer Vergiftung. „Die Aufregung der Eltern hatte sich wahrscheinlich auf das Kind übertragen. Der Pilz war nicht giftig“, sagt Pflum. Nachdem die Eltern das Göttinger Giftinformationszentrum kontaktiert hatten, eilte Pflum zur Hilfe. Doch nicht jeder Fall geht so glimpflich aus. Vergiftete Pilzesser leiden an Übelkeit, Erbrechen und Schweißausbrüchen. In manchen Fällen droht der Tod.

Laut der Deutschen Gesellschaft für Mykologie gehen die meisten tödlichen Pilzvergiftungen in Mitteleuropa auf den Grünen Knollenblätterpilz zurück. Der Verzehr von 50 Gramm kann tödlich sein. Die darin enthaltenen lebergiftigen Amatoxine verursachen mehrfaches Organversagen. Pflum will als Pilzberater aber nicht nur über Gefahren und Risiken informieren. „Ich möchte Achtung und Respekt vor Pilzen und der Natur vermitteln.“ Pilze seien sehr wertvoll für das Ökosystem. „Sie zersetzen organische Stoffe. Damit spielen sie eine wichtige Rolle im Kreislauf der Natur“, sagt der 57-Jährige. Pilze können aber noch mehr: Manche Arten, sogenannte Mykorrhizapilze, gehen mit Bäumen eine Lebensgemeinschaft ein. Die Pilze versorgen die Pflanze mit Wasser und Nährstoffen. „Das macht die Bäume widerstandsfähiger“, sagt Pflum. Und auch die Pilze profitieren von der Symbiose. Sie erhalten als Gegenleistung Glucose. Zu den Mykorrhizapilzen gehören der Fliegenpilz, Pfifferlinge und Steinpilze.

In und um Hann. Münden wachsen hunderte Pilzarten. Allein am Alten Friedhof Neumünden gibt es laut Pflum 150 bis 200 Arten. „Wir kennen 10 000 Großpilzarten, die man mit bloßem Auge sehen kann. Aber es sind noch lange nicht alle entdeckt“, so Pflum. „Es gibt immer etwas Neues zu entdecken.“ Der Zauber sei noch lange nicht verflogen. 

Johanniter raten zu Vorsicht beim Suchen

Die Johanniter warnen vor dem Verzehr giftiger Pilze. „In den vergangenen Jahren sind zahlreiche Vergiftungsfälle mit Knollenblätterpilzen registriert worden“, sagt Dr. Hans-Peter Reiffen, Landesarzt der Johanniter in Niedersachsen. „Häufig wird der Giftpilz mit wilden Champignons verwechselt. Unbehandelt verläuft die Vergiftung tödlich.“ Pilzsammler sollten folgende Tipps beachten: 

  • Die wichtigste Regel laute: Nur Pilze sammeln, die man kennt.
  • Wer sich unsicher über die Pilzart ist, sollte sich beraten lassen. Viele Pilzratgeber geben laut den Johannitern einen guten Überblick über die heimischen Pilze. Auch Pilzsachverständige der Deutschen Gesellschaft für Mykologie können um Rat gefragt werden. 
  • Wer einen giftigen Pilz isst, solle sofort handeln. Geringste Mengen könnten schwere Vergiftungserscheinungen hervorrufen – bis zum Tod. Typische Symptome seien Bauschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schweißausbrüche und eine Gelbfärbung der Haut. Die Symptome könnten auch Stunden oder Tage nach dem Verzehr auftreten. Bei Verdacht auf eine Vergiftung sollte sofort der Rettungsdienst gerufen werden. Pilzreste und Erbrochenes sollte aufbewahrt werden. Ärzte könnten so die Art des Giftes feststellen, um die notwendigen Behandlungen einzuleiten. Johanniter raten von Eigenbehandlungen dringend ab. Auch Erbrechen sollte nicht aktiv herbeigeführt werden. 
  • Betroffene sollten vor allem Ruhe bewahren. „Wer nach einem Pilzessen bewusstlos wird, sollte sofort in die stabile Seitenlage gebracht werden“, sagt Reiffen. Doch nicht nur Giftpilze seien gefährlich – auch die falsche Lagerung und Zubereitung von Speisepilzen. Denn auch genießbare Pilze seien roh meistens giftig. „Verbraucher sollten bei Speisepilzen auf Frische und ein appetitliches Aussehen achten“, so Reiffen.

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