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Fachkräfte sind Thema der Reise von Landrat Reuter – Station bei isophon glas

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Hightech-Anlage: Landrat Bernhard Reuter (rechts) lässt sich von Geschäftsführer Torsten Bold eine Sicherheitsglas-Schneideanlage für aufrecht stehende Scheiben erklären. Sie ist ein Novum: Durch die aufrecht stehenden Scheiben lässt sich das Glas leichter schneiden und die Anlage schafft 30 Prozent mehr. 

Innovative Maschinen, mit denen sich das Unternehmen von den Mitbewerbern absetzen kann – das gibt es beim Familienunternehmen „isophon glas“ im Hann. Mündener Ortsteil Gimte.

Ein Problem, das ebenso wie bei vielen anderen Unternehmen aber auch vorkommt, ist der Fachkräftemangel. Landrat Bernhard Reuter hat isophon glas zum Auftakt seiner Sommerreise, die unter dem Thema Fachkräftesicherung steht, besucht.

Das Mündener Unternehmen, das 1979 gegründet worden ist, hat sich über die Jahre vom hart umkämpften Glas-Markt für den Normalverbraucher verabschiedet und setzt auf komplexe Lösungen sowie firmeneigene Innovationen, die insbesondere für Architekten und Großkunden interessant sind.

Um diese Produkte schnellstmöglich nach Kundenwunsch produzieren zu können, braucht es allerdings entsprechenden Nachwuchs in Form von Auszubildenden. Waren es früher fünf bis sieben Auszubildende, sind es in diesem Lehrjahr nur zwei.

Die Herausforderung, junge Auszubildende für den Beruf des Flachglas-Technologen zu finden, habe gleich mehrere Ursachen, wie die Unternehmer Sylvia und Torsten Bold erklären. Diese spezielle Ausbildung findet über drei Jahre im dualen System statt. 

Ein für Auszubildende entscheidendes Argument ist ihre Lehrzeit in einer Glasfachschule in Hadamar bei Gießen. „Die Ansprüche der Auszubildenden wachsen. Sie wollen nicht in einem Schullandheim, sondern eigentlich lieber in einem Hotel wohnen und möglichst auch nicht weit von zuhause weg sein“, erläutert Sylvia Bold.

Für den Umgang mit den speziellen Maschinen zur Glasproduktion benötige es diese fachspezifischen Schulungen – in der Region bekomme man dafür hier vor Ort aber keine Klasse zusammen. „In ganz Niedersachsen gibt es vielleicht 15 Auszubildende zum Flachglas-Technologen, dementsprechend fehlt uns auch die Lobby“, betont Sylvia Bold. Gut 95 Prozent der sonstigen Ausbildungsinhalte seien aber in vielen Unternehmen gleich, beispielsweise die Anlagen-Mechatronik.

An diesem Punkt will Landrat Bernhard Reuter ansetzen. „Die Ausbildung an der Berufsschule muss modular werden“, betont Reuter. „Die Berufsschulausbildung wird vom Land verantwortet, aber die zentrale Rolle spielt hier die Industrie- und Handelskammer“, erklärt der Landrat. „Unser Ziel muss es sein, dass möglichst viel hier in Hann. Münden oder Göttingen ausgebildet werden kann“, so Reuter. Das würde die Ausbildung attraktiver machen.

Pünktlichkeit sei ein Problem

Weitere Herausforderungen seien laut Sylvia und Torsten Bold auch ganz grundlegende Dinge: Mit dem Wegfall der Wehrpflicht sei nicht nur das Problem aufgekommen, LKW-Fahrer mit entsprechender Fahrerlaubnisklasse zu finden. Auch eigentliche Selbstverständlichkeiten wie Pünktlichkeit habe im Laufe der Jahre immer mehr gelitten. Für viele junge Menschen sei außerdem die Arbeit in Früh- und Spätschicht ein Problem.

Bei den beschäftigten Mitarbeitern mit Migrationshintergrund ist laut Sylvia Bold die sprachliche Verständigung bei der Arbeit selbst kein Problem. „Die Fragen bei den Prüfungen mit allen Vokabeln zu verstehen, das ist die eigentliche Herausforderung.“ Flüchtlinge, die eine Lehrstelle bekommen und so die Situation auf dem Arbeitsmarkt entschärfen, bräuchten deshalb einen Bildungsgutschein für vertiefenden Deutschunterricht. Diese intensive Deutschbegleitung im ersten Lehrjahr soll es laut Landrat Reuter vom Kultusministerium geben.

Auf einem guten Weg

Die Firma „isophon glas“ aus Hann. Münden ist in den vergangenen Jahren immer weiter gewachsen. Um die 180 Mitarbeiter sind bei dem Unternehmen, dessen Produkte weltweit eingesetzt werden, beschäftigt. In die Erweiterung des Betriebs und den modernen Maschinen-Fuhrpark wurden mehrere Millionen Euro investiert. 

Den Umsatz pro Mitarbeiter hat man deutlich steigern können, ebenso die Höhe des Eigenkapitals. Auch die Unternehmensnachfolge ist gesichert. Grundsätzlich erwarte man in den kommenden Jahren schwerere Zeiten im Bereich des Bauinvestments. Dieses werde sich aber nicht auf die Hann. Mündener Firma auswirken.

Informationen zum Unternehmen und zur Ausbildung gibt es im Internet.

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