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Verwaltungen werben um Nachwuchskräfte

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Von: Kim Henneking

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Landrat Marcel Riethig verabschiedet 24 Azubis der Kreisverwaltung Göttingen
Sie wirken dem Fachkräftemangel entgegen: 24 junge Menschen haben ihre Ausbildung beim Landkreis Göttingen beendet, die meisten haben das Übernahmeangebot laut Kreisverwaltung angenommen. © Ullrich Lottmann/Landkreis Göttingen

Der Fachkräftemangel macht sich in den Verwaltungen des Landkreises Göttingen und der Stadt Hann. Münden bemerkbar. Ausbildungsstellen und Arbeitsplätze bleiben länger als gewohnt unbesetzt, Aufgaben stauen sich an und Servicezeiten werden eingeschränkt.

Das betrifft nicht nur den Fachbereich Bauen der Kreisverwaltung. Ein weiteres Beispiel ist der Fachdienst Melde- und Ausweisservice in Hann. Münden. Dort kam es dieses Jahr zu einem Bearbeitungsstau aufgrund fehlenden Personals. „Den Personalengpass konnten wir beheben, aber Stellenausschreibungen brauchen Zeit und sind manchmal ein zweites Mal nötig“, kommentiert Roland Graunitz, Leiter des Bereichs 1/Allgemeine Verwaltung bei der Stadtverwaltung Hann. Münden. Für den Fachdienst Tiefbau der Kommunalen Dienste fehle außerdem ein Ingenieur und für den Hochbau werde im kommenden Jahr eine Stelle frei, die erfahrungsgemäß schwer zu besetzen sei.

„Das Thema Fachkräftesicherung steht schon lange auf der Tagesordnung des Landkreises und es ist absehbar, dass es uns auch noch lange beschäftigen wird. Wir gehen davon aus, dass wir uns dauerhaft anstrengen müssen, Menschen für die Arbeit bei uns zu begeistern. Das ist die neue Normalität und trifft uns nicht allein, da der Arbeitsmarkt tendenziell eine höhere Nachfrage hat, als Personal zur Vermittlung zur Verfügung steht“, sagt Kreissprecher Lottmann.

Eine Herausforderung für die Verwaltungen ist die Konkurrenz zur freien Wirtschaft, in der meist höhere Gehälter geboten werden können, erklärt Graunitz. Die vergleichsweise kleine Verwaltung Hann. Münden stehe zudem in Konkurrenz zu denen in Kassel und Göttingen, wo den Arbeitnehmern durch ein vielfältigeres Aufgabengebiet mehr Entwicklungsperspektiven geboten werden könnten. Ähnlich geht es der Kreisverwaltung mit Blick auf größere öffentliche Arbeitgeber, die tendenziell mehr Karrierechancen bieten können, so Lottmann.

Sowohl die Kreis- als auch die Stadtverwaltung bemühen sich deshalb darum, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Beispielsweise durch das Angebot, tageweise von zu Hause arbeiten zu können. „Wir haben den Vorteil, sinnstiftende und den Menschen dienende Aufgaben anbieten zu können und so ein hohes Maß an Anerkennung und Zufriedenheit im Beruf zu vermitteln“, sagt Lottmann. Grund für den aktuellen Personalmangel sehen Lottmann und Graunitz nicht in der Pandemie, sondern im allgemeinen Fachkräftemangel.

„Das Problem wird sich vermutlich weiter verschärfen, denn in den kommenden zehn Jahren werden die geburtenstarken Jahrgänge in Pension beziehungsweise Rente gehen. Dementsprechend stehen wir vor der Herausforderung, unseren Bürgerinnen und Bürgern die Dienstleistungen auch weiterhin in gewohnter Qualität anbieten zu können“, sagt Graunitz.

Lottmann sieht die Leistungsfähigkeit der Kreisverwaltung noch als gesichert an, auch aufgrund der Kreisfusion, wodurch „belastbare Strukturen“ entstanden seien. Um diese für die Zukunft zu stärken, soll unter anderem die Digitalisierung für mehr Effizienz sorgen. Auch interkommunale Zusammenarbeit könne Entlastung bringen. Eine interne Analyse habe zudem Möglichkeiten zur Umstrukturierung aufgezeigt. Letztlich müsse sich die Verwaltung auf ihre Kernkompetenzen besinnen und abwägen, welche Aufgaben möglicherweise abgegeben werden können. „Das Erfüllen unserer gesetzlichen Aufgaben und die Unterstützung der Menschen und der Gemeinden im Kreisgebiet sind unser Kerngeschäft, darauf konzentrieren wir uns.“

Verwaltungen bieten Auszubildenden Übernahme an

Ein gutes Mittel gegen den Fachkräftemangel ist die Ausbildung der eigenen Nachwuchskräfte. So freuen sich die Kreisverwaltung Göttingen und die Stadtverwaltung Hann. Münden über einen neuen Jahrgang an Auszubildenden und Studierenden, die diesen Monat den ersten Schritt in die Berufswelt gehen.

Acht Nachwuchskräfte stoßen zur Stadtverwaltung Hann. Münden, wie einer Mitteilung zu entnehmen ist. Drei junge Menschen machen eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten, die nach Abschluss dazu befugt, in allen Bereichen der Stadtverwaltung tätig zu werden. Ein angehender Fachinformatiker für Systemintegration hat die Möglichkeit, nach dem Abschluss in der EDV-Abteilung zu arbeiten. Dazu kommen eine Stadtsekretäranwärterin, zwei Stadtinspektoranwärterinnen und ein -anwärter, ehemals bekannt als mittlerer und gehobener Dienst. „Damit die Stadtverwaltung ihren Bürgerinnen und Bürgern auch in Zukunft die vielfältigen Dienstleistungen in angemessener Weise anbieten kann, benötigt sie gut ausgebildetes Personal. Wir wünschen zum Start von Ausbildung und Studium viel Erfolg und würden uns freuen, wenn der gemeinsame Weg nach erfolgtem Abschluss fortgeführt wird“, sagt dazu Bürgermeister Tobias Dannenberg.

Bei der Göttinger Kreisverwaltung haben am Montag 28 Menschen im Alter von 17 bis 42 Jahren eine Ausbildung begonnen, wie die Pressestelle mitteilt. Darunter Straßenwärter und -wärterinnen, Fachkräfte für Kreislauf und Abfallwirtschaft, Verwaltungsfachangestellte, Kreisinspektoranwärter und Kreissekretäranwärter. Zum 1. Oktober beginnt ein Lebensmittelkontrollsekretäranwärter. Mit den Neuzugängen machen nun 80 Menschen eine Ausbildung beim Landkreis. Weitere Stellen sind ausgeschrieben, die Bewerbungsfrist endet Anfang Oktober. Gerade verabschiedet wurden 24 Fachkräfte, allen wurde eine Stelle beim Landkreis angeboten, fast alle hätten sie angenommen.

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