Keine Spielerei

Fahrschule in Hann. Münden schafft Simulator an

Bald kann bei Fahrlehrer Sven Müller (vorne) auf dem Fahrsimulator geübt werden, der von Can Ates und Sabine Kraus (hinten) ausgeliefert wurde.
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Bald kann bei Fahrlehrer Sven Müller (vorne) auf dem Fahrsimulator geübt werden, der von Can Ates und Sabine Kraus (hinten) ausgeliefert wurde.

Die Fahrschule Sven Müller hat einen Fahrsimulator angeschafft. Das ist keine Spielerei. „Solch ein Simulator hat viele Vorteile“, sagt Sven Müller.

Hann. Münden – In der Fahrschule von Sven Müller gibt es einen neuen Fahrlehrer. Doch der sitzt nicht neben den Schülern im Auto, sondern steht in der Fahrschule. Die Rede ist von einem Fahrsimulator, der seit vergangenem Donnerstag in der Fahrschule von Sven Müller in der Hann. Mündener Burgstraße steht. Eigentlich war Müller auf der Suche nach einem neuen Fahrlehrer, hat aber niemanden gefunden.

Fahrsimulator in der Fahrschule von Sven Müller

„Als ich dann von dem Fahrsimulator hörte, war ich sofort begeistert“, sagt er. Der Simulator des Verlags Heinrich Vogel funktioniert wie ein richtiges Auto. Er hat Kupplungs-, Brems- und Gaspedale, einen Schaltknüppel mit sechs Gängen, ein Lenkrad mit Blinkerhebel und Schalter für die Scheinwerfer, Warnblinkanlage und Parkbremse. Auf einem großen gebogenen Bildschirm fahren die Fahrschüler durch virtuelle Straßen.

Ab September können sie die ersten sechs Fahrstunden auf dem Simulator fahren, und die Grundfähigkeiten erlernen, bevor sie ins Auto steigen. So kann der Fahrlehrer entlastet werden. Eine Fahrstunde dauert, wie auch im echten Auto, 45 Minuten.

„Solch ein Simulator hat viele Vorteile“, sagt Sven Müller. Zum einen sei es für Lehrer und Schüler deutlich stressfreier. „Gerade zu Anfang würgen die Schüler den Motor oft ab. Im Simulator kann das Anfahren so lange geübt werden, wie es eben dauert. Und das ohne, dass die anderen Autofahrer an der Ampel anfangen zu hupen“, sagt Müller. Zum anderen ist für den Simulator kein Fahrlehrer nötig. Wenn eine Bürokraft anwesend ist, kann sie den Simulator starten und der Schüler kann losfahren.

„Durch die Pandemie kommt es bei den Prüfungen immer noch zu Verzögerungen“

Der Simulator ist aber nicht nur für die Fahranfänger gedacht. „Durch die Pandemie kommt es bei den Prüfungen immer noch zu Verzögerungen“, sagt Müller. Auf dem Fahrsimulator können vor der praktischen Prüfung bestimmte Situationen noch einmal individuell geübt werden, wie zum Beispiel Abbiegen und Vorfahrtsregeln.

Sabine Kraus vom Vogel Verlag erklärt wie der virtuelle Fahrlehrer funktioniert: „Jeder Fahrschüler hat auf dem Simulator ein eigenes Konto, auf dem der Fahrstand gespeichert wird. Der Fahrlehrer kann so sehen, was der Schüler schon gut kann oder was noch geübt werden muss.“ Während der Fahrstunde fungiert der Simulator wie ein echter Lehrer. Über Lautsprecher oder Kopfhörer gibt er dem Fahrschüler Anweisungen und greift auch mal ein, wenn es gefährlich wird. „Ich kann nicht mit 130 durch eine 50er Zone fahren“, sagt Kraus. „Da bremst der Simulator automatisch ab.“ Situationen, in denen der Schüler einen Fehler macht, werden gleich wiederholt.

„So ein Simulator hat natürlich deutlich weniger Verschleiß als ein Auto“, sagt Müller. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist auch die Schonung der Umwelt. „Durch den Simulator können wir viel Sprit einsparen“, so Müller.

Der Simulator ist keine Konsole

Es gibt aber auch misstrauische Stimmen dem virtuellen Fahrlehrer gegenüber, weiß Kraus. „Oft sind es die Eltern der Fahrschüler, die den Simulator für eine Spielerei halten“, sagt sie. Doch der Simulator sei keine Konsole, sondern eine fundierte Ausbildung. „Die Fahrstunden, die auf dem Simulator absolviert werden, werden für die Fahrausbildung anerkannt“, sagt Sven Müller. Zudem laufen zurzeit Studien zu den Fahrstunden im Simulator. „Die zeigen, dass die Schüler bei den Fahrstunden im Auto deutlich weniger Schwierigkeiten haben“, erzählt Sabine Kraus. (Eva Krämer)

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