Spendenaktion gestartet

Familie aus Hann. Münden hilft Flutopfern im Ahrtal

Kreuzberg im Ahrtal: In dem kleinen Ort wurden 85 Prozent der Häuser beschädigt. Manche müssen nun abgerissen werden.
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Kreuzberg im Ahrtal: In dem kleinen Ort wurden 85 Prozent der Häuser beschädigt. Manche müssen nun abgerissen werden.

Die Flutkatastrophe im Ahrtal hielt Deutschland in Atem. Immer noch wird vor Ort viel Hilfe benötigt. Familie Roselieb aus Wiershausen (Hann. Münden) engagiert sich vor Ort.

Wiershausen/Kreuzberg – Dreck, Schlamm, Staub und der Geruch von Diesel und Öl. So beschreibt Tobias Roselieb aus Wiershausen seine Eindrücke aus der Ortschaft Kreuzberg im Ahrtal. Von der Flutkatastrophe im Sommer war der kleine Ort betroffen, die Aufräumarbeiten dauern an. Zusammen mit seiner Frau Marion und seinem Sohn leistet er Hilfe in dem Gebiet.

Helfer: Marion und Tobias Roselieb bei einem ihrer Einsätze in Kreuzberg.

„Mein Sohn hat die Katastrophe über Social Media verfolgt und wollte helfen“, berichtet der Garten- und Landschaftsbauer. Gemeinsam beschlossen sie, in das Gebiet zu fahren, mit an Bord: Baumaterial, Werkzeug und ein Minibagger.

„Es sah aus wie in einem Kriegsgebiet“

Schlammarken an den Häusern in Kreuzberg zeigen, wie hoch das Wasser im Ort stand.

„Ich habe Kontakt mit dem Göttinger Maschinenring aufgenommen, ob sie jemanden vor Ort vermitteln können“, sagt er. So sei der Kontakt nach Kreuzberg entstanden, ein Teil der Gemeinde Altenahr. „Es sah aus wie in einem Kriegsgebiet“, berichtet er von seinen Eindrücken. Vor Ort habe alles einem Ameisenhaufen geglichen, aber die Organisation habe gut funktioniert. Es wurden Baumaschinen gebraucht, Bagger, Radlader und Ähnliches. „Wir hatten nur einen kleinen Ein-Tonnen-Bagger, aber mit dem hatten wir den Vorteil, dass wir an Stellen helfen konnten, an denen die großen Maschinen nichts ausrichten konnten.“ Er und sein Sohn blieben vier Tage in dem Ort, in dem von 196 Häusern 162 von Flutschäden betroffen sind. Da es keine Unterkünfte gab, haben beide in ihrem Transporter geschlafen.

„Die vielen Einzelschicksale und Traumata haben mich sehr berührt“, sagt der Selbstständige. Er berichtet von Kindern, die in der Verwüstung Leichen gesehen hatten, von Menschen, die ihre Häuser gerade frisch renoviert hatten und Einwohnern, die alles verloren haben. Auch er merkte, wie die Eindrücke ihn belastet hatten. Er wollte von zuhause aus helfen. „Die Menschen brauchen Maschinen, Werkzeuge und Baumaterial“, denn all das wurde zum Raub der Fluten. Bis in die Obergeschosse der Häuser habe das Wasser gestanden, wurde ihm berichtet. „Ich habe über Facebook aufgerufen, dass die Leute Werkzeuge spenden“, sagt Roselieb. Zudem habe er mit einem Baumarkt in Hann. Münden eine Kooperation begonnen: Interessierte können an den Baumarkt oder ihn spenden, das Geld wird in Baustoffe umgesetzt.

Elf Tonnen Baumaterial hat Tobias Roselieb organisiert

Mittlerweile fahren seine Frau und er alle zwei Wochen nach Kreuzberg. Etwa elf Tonnen Baumaterial haben sie mittlerweile besorgt. Beeindruckt hat die Beiden die Hilfsbereitschaft vor Ort. „Die Menschen packen an, wo es gerade nötig ist“, berichtet Roselieb. Besonders beeindruckt hat ihn Anke Hupperich, Ortsvorsteherin in Kreuzberg. „Ich habe sie sich nie ausruhen sehen, sie war immer auf den Beinen“, sagt er über die Frau, die vor Ort die Hilfe und Bauarbeiten organisiert.

Ein Zug der nicht weiter kommt. Die Gleise wurden durch die Flut zerstört, berichtet Tobias Roselieb.

Momentan würden viele Einwohner ihre Häuser entkernen. „Alles Organische verrottet, Schimmel ist überall, zudem noch Öl und Abwasser, was die Wände beschmutzt hat.“ Tobias Roselieb beobachtet, dass es mittlerweile weniger Helfer im ganzen Tal der Ahr gibt. Am Anfang seien es Tausende gewesen, momentan etwa 400. Jetzt brauche es fachkundige Helfer, Experten.

Am Rande von Kreuzberg wurde der Sportplatz als Müllsammelstation genutzt. Als Roselieb das letzte Mal vor Ort war, war dieser Platz leer geräumt. Für ihn ein Zeichen, dass die Arbeiten vorangehen. Trotzdem, so sind er und seine Frau Marion sich sicher, wird es Jahre dauern, bis Normalität eintritt.

Die Menschen brauchen Heizkörper

Tobias Roselieb aus Wiershausen hat eine Kooperation mit dem BHG Baumarkt in Hann. Münden. Mit dem Verwendungszweck „Spende Ahrtal“ kann man dort Baumaterial erwerben, das Roselieb dann ins Ahrtal bringt. Zudem kann auch Bargeld im Markt dafür gespendet werden und auf ein Konto der Sparkasse Göttingen (DE45 2605 0001 0000 0893 83; Verwendungszweck: Spende Ahrtal KDNr. 133621).

„Wie in einem Kriegsgebiet“ beschreibt die Familie Roselieb die Situation in Kreuzberg im Ahrtal.

Facharbeiter, die helfen wollen, können sich bei ihm unter Tel. 01 70 8 37 33 30 oder 0 55 41 / 57 34 melden, er vermittelt dann die Hilfe in den Ort Kreuzberg. Zudem ruft er auf, elektrische Heizgeräte für die Menschen zu spenden. „Der Winter naht, die Leute brauchen Wärme“, sagt der Wiershäuser. (Jens Döll)

Landwirte aus dem Raum Hann. Münden haben sich aufgemacht, ihren Kollegen in den Flutgebieten zu helfen.

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