Dank vom Landkreis

„Die Kraft war einfach da“: Familie aus Hann. Mündener Ortsteil betreute 41 Jahre lang Pflegekinder

Wohlverdienter Ruhestand: Wolfgang und Margot Mahnke (links im Bild) nahmen über 40 Jahre Pflegekinder bei sich auch. Jennifer Kluger (Zweite von rechts) hat den Besuch von Sozialdezernent Marcel Riethig angeregt.
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Wohlverdienter Ruhestand: Wolfgang und Margot Mahnke (links im Bild) nahmen über 40 Jahre Pflegekinder bei sich auch. Jennifer Kluger (Zweite von rechts) hat den Besuch von Sozialdezernent Marcel Riethig angeregt.

Fremde Kinder aufnehmen und die Elternrolle für sie übernehmen. Das hat Familie Mahnke aus Bonaforth (Hann. Münden) über vier Jahrzehnte gemacht. Pflegeeltern wurden sie in den 1970ern durch einen Zufall.

Bonaforth – „Es war unser Leben“, hört man Margot Mahnke (79) sagen, wenn sie an ihre Zeit als Pflegemutter zurückdenkt. Zusammen mit ihrem Mann Wolfgang (79) hat sie 41 Jahre lang Kinder und Jugendliche betreut, die ihre eigenen Familien verlassen mussten.

Seit vergangenem Jahr ist damit Schluss: Das Ehepaar aus Bonaforth hat sich zur Ruhe gesetzt. Marcel Riethig, Sozialdezernent des Landkreises Göttingen stattete den Mahnkes auf Anregung von Jennifer Kluger, Ratsfrau in Münden und Freundin der Familie, einen Dankesbesuch ab. Ihn begleiteten Michael Löhning und Viviane Jung vom Adoptions- und Pflegedienst des Landkreises. Sie waren gekommen, um „ordentliche Danke zu sagen.“

Ihre ersten Pflegekinder nahmen sie in den 1970er-Jahren auf

Ihre ersten Pflegekinder übernahm das Ehepaar im Jahr 1978. Zu dieser Zeit wohnten sie mit ihren beiden leiblichen Kindern in Hann. Münden. Damals nahmen sie zwei Kinder auf, deren Mutter gestorben war. Was als Provisorium begann, setzte sich über die Jahre hinweg fort. Mit ihrem Hausbau und Umzug nach Bonaforth war dann auch genug Platz für die Pflegekinder vorhanden, berichtet das Ehepaar.

„Ich hatte schon zwei Kinder, was sollte da schiefgehen?“, beschreibt Margot Mahnke ihre Herangehensweise an das Thema. Nach und nach erhielten sie immer mehr Unterstützung vom Landkreis Göttingen. Am Anfang habe viel Selbstbildung gestanden, Margot Mahnke beschaffte sich regalweise Literatur.

„Das Jugendamt rief manchmal an: In zehn Minuten bringen wir ein Kind vorbei.“

In den vier Jahrzehnten nahm das Paar über 80 Pflegekinder bei sich auf, berichtet Wolfgang Mahnke. „Am Anfang immer in Dauerpflege für mehre Monate oder Jahre, später dann in Kurzzeitpflege, für Wochen oder ein paar Monate.“ Weihnachten hätten sie eigentlich nie ohne Pflegekind verbracht, erzählen sie. Oftmals hätten sie spontan Kinder aufgenommen. Zum Beispiel solche, die aus ihren Familien genommen wurden und schnell eine Pflegefamilie brauchten. „Das Jugendamt rief manchmal an: In zehn Minuten bringen wir ein Kind vorbei.“

„Damit wir besser zu erreichen sind, mussten wir uns einen Anrufbeantworter anschaffen“, berichten sie. Mit einigen ihrer Pflegekinder stehen sie nach wie vor in Kontakt.

Routine, Ordnung und klare Regeln

Wichtig sei es gewesen, den Kindern Struktur beizubringen. Dazu gehörten feste Routinen und der mittägliche Spaziergang mit dem Hund in Bonaforth. Auch die schulischen Leistungen hatten sie im Blick, „Blaumachen gab es bei uns nicht“, berichtet Wolfgang Mahnke, der lange Zeit bei der Bahnpolizei und danach beim Bundesgrenzschutz gearbeitet hat.

Kultur stand ebenfalls auf dem Plan. Vor allem die Urlaube auf der Insel Fehmarn seien ihnen noch in Erinnerung. Die Ostseeinsel ist nach wie vor ihr Lieblingsurlaubsort. Doch woher kam die Kraft, auch schwierige Kinder zu versorgen und nicht aufzugeben, fragte Sozialdezernent Riethig. „Die Kraft war einfach da“, antwortet Wolfgang Mahnke. Es habe schwere, aber auch sehr viele schöne Zeiten gegeben. Ohne die Hilfe des Landkreises wäre es aber nicht gegangen, führt er weiter aus.

Landkreis Göttingen sucht Pflegeeltern

„Im Jugendamt ist die Familie Mahnke eine Legende, den Namen kennt jeder“, berichtet Michael Löhning. Mittlerweile sei es leider schwer geworden, Pflegeeltern zu finden, berichtet er. Jetzt genießen die Mahnkes ihren Ruhestand in Bonaforth. (Von Jens Döll)

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