Damals in Münden

Feuer in der Zuckerfabrik: Historischer Brand zerstörte einen Teil der Altstadt Hann. Mündens

Die Frontansicht des nach dem Brand neu errichteten Gebäudes. Früher ein einstöckiges Lager, kamen 1870 zwei Stockwerke mit Wohnungen an der Langen Straße dazu.  
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Die Frontansicht des nach dem Brand neu errichteten Gebäudes. Früher ein einstöckiges Lager, kamen 1870 zwei Stockwerke mit Wohnungen an der Langen Straße dazu. (Repro: Stefan Schäfer)

Großbrände sorgten in Städten immer wieder für Katastrophen. Besonders in Zeiten, in denen es noch keine modernen Feuerwehren gab. So, wie bei einem der größten Brände der Stadtgeschichte Hann. Mündens am 22. November 1857, als die Wüstenfeld’sche Zuckerfabrik an der Langen Straße in Hann. Münden ein Raub der Flammen wurde.

Hann. Münden - Wie verheerend ein Feuer in der Altstadt von Hann. Münden sein kann, hat der Brand in der Rosenstraße am 06.11.2020 deutlich vor Augen geführt. Im dicht bebauten Stadtkern kann sich ein Feuer schnell ausbreiten und großen Schaden anrichten. So, wie bei einem der größten Brände der Stadtgeschichte am 22. November 1857, als die Wüstenfeld’sche Zuckerfabrik an der Langen Straße ein Raub der Flammen wurde.

Hann. Münden: Zuckerfabrik wurde 1807 gegründet

Die Zuckerfabrik, die 1857 in Flammen aufging, hatte Christian Bernhard Wüstenfeld 1807 gegründet. Durch die Sklavenaufstände Ende des 18. Jahrhunderts in der damaligen französischen Kolonie Saint-Domingue (heute Haiti) waren die Preise für Rohrzucker in die Höhe geschossen. Um dennoch den Bedarf an Zucker zu decken, wurde ein Verfahren entwickelt, dass die Raffination von Zucker aus Zuckerrüben ermöglicht.

Wüstenfeld, dessen Vorfahren 1685 aus Hattingen an der Ruhr nach Hann. Münden gekommen waren und ein Speditions- und Großhandelsgeschäft gegründet hatten, griff das auf. Aus diesem Unternehmen machte Christian Bernhard Wüstenfeld eine Zuckerfabrik. 1840 hatte sein Sohn Franz Eduard sie übernommen.

Chronist in Hann. Münden: Größtes Feuer seit Jahrhunderten

Das Feuer in der Fabrik soll das größte seit Jahrhunderten gewesen sein, weiß Chronist Gustav Blume zu berichten. „Die brennenden Zuckerstücke sollen bis zum Questenberg geflogen sein“, schreibt er weiter. Münden allein konnte dem Feuer nicht Herr werden, sodass die Feuerspritzen samt Personal aus den umliegenden Ortschaften zur Unterstützung kommen mussten.

Sechs Häuser verbrannten, fünf Hauptgebäude wurden schwer und 14 Nebengebäude leichter beschädigt. Aber das war nicht alles: Ein Mann kam bei dem Brand ums Leben. Chronist Lotze schreibt: „Ein Einwohner aus Wiershausen namens Drebing wurde dabei so beschädigt, dass er starb. Er hinterließ eine Frau und zwei Kinder.“

Heute befinden sich dort ein Schreibwarengeschäft und ein Waffelladen.

Nach dem Brand kaufte Franz Eduard Wüstenfeld die neben seinem Fabrikgelände liegenden Bauplätze an der Langen Straße auf. Diese gehörten vorher unter anderem Bäcker Georg Heinrich Steinmetz und Christian Kaup. Sie hatten zusammen einen Wert von 5000 Talern. Das so vergrößerte Grundstück nutzte Wüstenfeld 1858 für den Bau eines Fabrik-Nebengebäudes. Auch an der Schmiedestraße erwarb er Baugrund, wo er ein „Packhaus“ errichtete.

Das Lagerhaus an der Langen Straße hatte Wüstenfeld einstöckig und nicht an die Optik der übrigen Gebäude angepasst bauen lassen. 1870 wurde es um zwei Stockwerke erhöht und mit Wohnraum ausgestattet. Heute befinden sich dort ein Schreibwarengeschäft und ein Waffelladen. (Sarah Schnieder)

Brand in Hann. Münden im November 2020: Zugen gesucht

Die Polizei sucht Videos und Bilder, die von dem Großbrand in Hann. Münden am 06.11.2020 gemacht wurden. So hofft man, die Geschehnisse rekonstruieren zu können.

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