Fliegender Helfer im Einsatz

Feuerwehr Rosdorf half mit ihrer Drohne beim Altstadtbrand in Hann. Münden

Wärmebild: Dieses Bild, im Unterstützungsfahrzeug aufgenommen, zeigt Drohnenaufnahmen die mit der Wärmebildkamera während des Großbrandes in Münden gemacht wurden. Auf dem rechten Bild ist die Drohne zu sehen.
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Wärmebild: Dieses Bild, im Unterstützungsfahrzeug aufgenommen, zeigt Drohnenaufnahmen die mit der Wärmebildkamera während des Großbrandes in Münden gemacht wurden. Auf dem rechten Bild ist die Drohne zu sehen.

Bei dem Großbrand in Hann. Münden, bei dem Teile der Altstadt verwüstet wurden, waren etwa 170 Einsatzkräfte vor Ort. Ein technischer Helfer der Freiwilligen Feuerwehr Rosdorf (Landkreis Göttingen) unterstützte die Rettungskräfte am Abend des Brandes.

Hann. Münden/Rosdorf – Ein kleiner, fliegender, gelber Helfer, kaum ein Kilo schwer, leistete dabei unersetzliche Arbeit und unterstütze die Kräfte von Feuerwehren, Rettungsdiensten, Technischem Hilfswerk und Polizei. Die Feuerwehr Rosdorf stellte ihr Drohne des Herstellers „DJI“ zur Verfügung. Mit diesem, mit einer Wärmebildkamera ausgestatteten Gerät, konnten Glutnester aufgemacht werden und so die Löscharbeit koordiniert werden.

Altstadtbrand in Hann. Münden: Drohne half mit Wärmebildern

„Wir hatten in dieser nebeligen und verrauchten Nacht keine gute Sicht, trotzdem war die Drohne von unschätzbarem Wert“, berichtet Drohnenpilot André Sikulski von der Feuerwehr Obernjesa. „Das Gebäudeensemble, das in Flammen stand, war sehr verwinkelt und tief“, berichtet Rosdorfs Gemeindebrandmeister Martin Willing, der während des Brandes in Hann. Münden war. Dabei stießen die eingesetzten Drehleitern an ihre Grenzen. Mithilfe der Drohne konnten die Löschanstrengungen koordiniert werden, berichtet er weiter. Damit seien auch unnötige Wasserschäden vermieden worden.

Zudem konnte so die Gefahr für die Einsatzkräfte vermindert werden. Die Drohne wurde im September dieses Jahres angeschafft . Ausschlag dabei habe ein Bombenfund in Rosdorf und die anschließende Sprengung im vergangenen November gegeben, so Willing. Pilot Sikulski hätte damals den Feuerwehreinsatz mit seiner privaten Drohne unterstützt. Das angeschaffte Gerät hat 4000 Euro gekostet, die Umrüstung eines Einsatzfahrzeuges noch mal etwa 2000 Euro.

Drohne der Feuerwehr Rosdorf: bei Vermisstensuche im Einsatz

Ihren Wert konnte die Drohne, neben dem Brandeinsatz in Münden, bereits bei einer Vermisstensuche in der Region, bei der sie Amtshilfe für die Polizei leisteten, beweisen. „Der Markt ist relativ neu“ sagt Willing und die Wehr in Rosdorf hätte lange nach einem geeigneten Model gesucht.

Kleines Wunderwerk: Die Drohne der Feuerwehr Rosdorf kann bis zu 74 km/h schnell fliegen.

„Die Preisspanne bei Drohnen reicht von 20 Euro bis zu mehreren Millionen“, sagt der Gemeindebrandmeister. Das Fluggerät kann unter Idealbedingungen bis zu 6000 Meter steigen und 30 Minuten in der Luft bleiben, fügt André Sikulski hinzu. Zudem hat es einige technische Besonderheiten, die sie von „herkömmlichen Drohnen“ unterscheidet. Das eingesetzte Modell ist speziell für Behörden entwickelt.

Fahrzeug der Feuerwehr Rosdorf umgerüstet

Für den Drohneneinsatz wurde auch ein Mehrzweckfahrzeug der Feuerwehr umgerüstet. Es wurde ein Bildschirm eingebaut, so kann es als mobile Kommandozentrale dienen. Auf diesen werden die Bilder der Drohne in Echtzeit übertragen. Zudem befinden sich mehrere Wechselakkus an Bord und eine Ladestation.

„Damit kann die Drohne theoretisch 24 Stunden in der Luft bleiben und muss nur kurz zum Akkuwechsel landen“, berichtet Willing. „Die Drohne ist sehr ausbildungsintensiv“, sagt er. Daher habe man entschieden, sie bei der Feuerwehr Obernjesa eingegliedert. Diese habe den nötigen Freiraum, um sich um die Ausbildung der Drohnenpiloten zu kümmern.

Die angehenden Drohnenpiloten trainieren mithilfe des Modellsportklubs MSV Condor in Elliehausen. Auf dem Plan steht theoretische und praktische Ausbildung.

Rosdorf: BOS-Drohne für Behörden

Bei der Drohne der Feuerwehr Rosdorf handelt es sich um eine sogenannte BOS-Drohne. BOS steht dabei für „Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben“, erläuterte Rosdorfs Gemeindebrandmeister Martin Willing.

Diese Geräte können von Privatpersonen gar nicht erworben werden, sondern nur von den genannten Institutionen. „Dazu gehören zum Beispiel Feuerwehren und die Polizei“, berichtet Drohnenpilot André Sikulski von der Feuerwehr Obernjesa. Diese Drohnen sind so freigeschaltet, dass sie Ortschaften überfliegen können, die bei normalen Drohnen elektronisch gesperrt sind. Dazu zählen Flughäfen, Krankenhäuser, Autobahnen und auch Gefängnisse. „Wir als Feuerwehr Rosdorf decken den Bereich der A 7 von Göttingen bis zur Abfahrt Hedemünden und auch noch einen Teil der A 38 ab“, sagt Willing. Auch gibt es mit der JVA Rosdorf ein Gefängnis im Einsatzgebiet. „Normale Drohnen sind so programmiert, dass sie solche Objekte nicht überfliegen können, sie stoppen wie vor einer unsichtbaren Mauer“, erläutert Sikulski.

Drohe: jeder Flug kann nachverfolgt werden

Der Betrieb der Drohne wird genaustens überwacht. „Wenn wir Schindluder damit treiben würden, wäre die Freischaltung direkt weg“, berichtet Willing. Zudem wird ein Drohneneinsatzbuch geführt, in dem jeder Flug der Drohne verzeichnet wird.

„Wenn Beschwerden kommen sollten, kann jeder Flug nachvollzogen werden.“ Zudem verfügt die Drohne über eine Art Rückhohlautomatik: Bricht der Kontakt zum Piloten ab, fliegt die Drohne in eine Sicherheitshöhe, ist dann immer noch kein Kontakt möglich, kehrt sie zum Startort zurück.

Lautsprecher und Scheinwerfer können installiert werden

Neben der Wärmebildkamera kann das etwa 30 Zentimeter lange Gerät noch mit einem Lautsprecher und Scheinwerfern ausgerüstet werden. „Die Lautsprecher haben eine Leistung von etwa 100 Hertz“, so Sikulski. „Die Drohne kann bis zu 74 Stundenkilometer schnell fliegen, hat bei optimalen Bedingungen eine maximale Reichweite von acht Kilometern und kann eine Höhe von bis zu 6000 Metern erreichen“, sagt er. „Das sind allerdings alles theoretische Werte, die im Einsatz nie erforderlich sein werden.“ All das seien Faktoren gewesen, sich für dieses Modell zu entscheiden, sagt Martin Willing. „Die Einsatzmöglichkeiten sind sehr vielseitig.“

Von Jens Döll

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