Erster Auftritt nach Corona

Figurentheater Gingganz zu Gast in Klosterkirche Bursfelde

Schattenspiel des Figurentheaters Gingganz in Klosterkirche Bursfelde
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Das Schattenspiel zeigt Pabst Urban als Verfechter der Kreuzzüge.

Das Figurentheater Gingganz aus aus Meensen trat am Sonntag, 17.09.2021, in der Klosterkirche Bursfelde auf. Michael und Mechthild Staemmler führte das Stück „Wie im Himmel, so auf Erden“ auf.

Mit sichtlicher Vorfreude auf die Vorstellung warteten die Besucher am Sonntagabend vor der Klosterkirche in Bursfelde bei einem Sektempfang von Mitgliedern des „Förderkreises Kloster Bursfelde“. Pünktlich um 19.30 Uhr erklang eine kleine Glocke aus einem Fenster über dem Eingangsportal und läutete den Beginn der Vorstellung des „Figurentheater Gingganz“ ein.

Der Innenraum war, nicht wie üblich mit Stuhlreihen versehen, sondern nur in begrenzter Menge mit einzelnen Stühlen bestückt, ansonsten standen die Besucher und konnten so von Schauplatz zu Schauplatz von der Westkirche in die Ostkirche wandeln.

Die minimalistisch gestalteten Szenenbereiche präsentierten im Lauf des Abends die Schauplätze der Zeitsprünge zweier Engel (Michael und Mechthild Staemmler), die durch die Geschichte der Menschheit und deren Suche nach dem Weg ins Paradies führten. Zwischen den Szenen spielte Paula Fuchs Auszüge aus den Cellosuiten von Johann Sebastian Bach. Hoch über den Köpfen der Besucher erschien Mechthild Staemmler als Engel mit ausgebreiteten Flügeln, auf der Brüstung der Empore stehend, während kurz nach ihrem Verschwinden Federn auf das Publikum herunterschwebten.

Figurentheater zeigt Schattenspiel in Klosterkirche

Und natürlich begann der Abend im Paradies. Zwei Gehstöcke wurden durch eine Perücke, Tuch und Brille zu Adam und Eva, eine Strumpfpuppe zur Schlange. Der verbotene Apfel wurde gepflückt, der nächste Zeitsprung ins Mittelalter folgte. „Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr, als das ein Reicher ins Paradies kommt“, hieß es nach dem ersten Zeitsprung. Darin bespricht sich Heinrich der Fette während einer Audienz mit dem Abt des Klosters Corvey, um sich durch den Bau einer Kirche von seinen Sünden zu befreien und so seinen Weg ins Paradies zu ebnen.

Durch die Strahlerbeleuchtung zeichnete sich in einem Großteil der Szenen ein gigantisches, teilweise bis zur Kirchendecke reichendes Schattenspiel ab. Das ließ zum Beispiel Papst Urban, der sehr träge in französischer Sprache die Kreuzzüge als Weg ins Paradies pries, als Schatten bis zur Kuppel reichen. Die dargestellten Kampfszenen der Kreuzzüge wirkten an der Wand sehr präsent.

Was harmonisch im Paradies begann, endete im Verlauf der Epochen für die Menschheit verheerend. „Das ganze Theater wegen eines Apfels? Steckte da vielleicht schon der Wurm drin?“, wurde die Frage der Engel gestellt. Was wäre geschehen, wenn der „verbotene Apfel“ nicht gepflückt worden wäre?

Die beiden Darsteller spielten das ganze Stück in einer ausgeprägten Spielfreude und Intensität, die Begleitung der Cellistin passte wie Adam zu Eva. Dieser Abend endete mit einem sehr langen Beifall und glücklichen Besuchern.

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