1. Startseite
  2. Lokales
  3. Hann. Münden
  4. Hann. Münden

Forstamt Münden im Landkreis Göttingen vor dem Aus?

Erstellt:

Von: Thomas Schlenz

Kommentare

Zukunft unklar: Wegen der Fusionspläne ist offen, was mit dem Forstamt Münden passieren wird.
Zukunft unklar: Wegen der Fusionspläne ist offen, was mit dem Forstamt Münden passieren wird. © Gabriele Leppin

Die Stadt Hann. Münden kritisiert die Pläne für eine Fusion der Forstämter Hann. Münden und Reinhausen (Gemeinde Gleichen).

Hann. Münden – Die Zukunft des Forstamts Münden steht auf der Kippe: Ein Sprecher der Niedersächsichen Landesforsten bestätigte im Gespräch mit unserer Zeitung, dass eine Fusion des Forstamts Münden mit dem Forstamt Reinhausen geplant sei. Es sei aber noch nicht klar, wo der Sitz des neuen Forstamts sein werde, auch personelle Auswirkungen seien noch unklar, erklärte der Sprecher am Telefon. Auch einen Zeitplan konnte er noch nicht nennen.

Die Stadt Hann. Münden hatte zuvor ihre Besorgnis über die Pläne zum Ausdruck gebracht: „Teilweise sind die Kolleginnen und Kollegen schon jetzt an ihrer Belastungsgrenze angelangt und bräuchten eigentlich Verstärkung. Stattdessen wird über eine personelle Verschlankung nachgedacht, um Kosten einzusparen. Aber wie sollen die insgesamt 18 000 Hektar Landeswald fachgerecht betreut werden?“, wird Dr. Helmuth Freist, der ehemalige langjährige Leiter des Lehrforstamtes Bramwald bei Hemeln in einer Mitteilung der Stadtverwaltung Hann. Münden zitiert.

Allein das Forstamt Münden bestehe derzeit aus rund 10 600 Hektar Landesforsten im Kaufunger Wald und im Bramwald. „Die Leitung des Betriebs arbeitet mit drei Forstbeamtinnen und Forstbeamten sowie fünf Forstangestellten in dem 250 Jahre alten Forstamtsgehöft im Dorf Hemeln“, wird Dr. Freist weiter zitiert.

Für ihn sei es unbegreiflich, warum in Anbetracht der Bedrohungen des Waldes Einsparmaßnahmen in Erwägung gezogen würden. Dabei müsse sich um die wertvollen Flächen heute mehr denn je gekümmert werden. Die Stadt Hann. Münden habe sich dem Anliegen von Dr. Helmuth Freist angenommen und ihre Unterstützung zugesagt: „Wir helfen gerne dabei dieses wichtige Thema in die Öffentlichkeit sowie in den Kreis-, Land- und Bundestag zu tragen, um dort eine politische Debatte anzustoßen. Forstämter stehen für nachhaltiges Handeln und die Vorsorge für nachfolgende Generationen. Ihnen gilt es deshalb angemessene Aufmerksamkeit zu schenken“, wird Hann. Mündens Bürgermeister Tobias Dannenberg zitiert.

An der geplanten Fusion der Forstämter Münden und Reinhausen äußert Dr. Helmuth Freist, der 33 Jahre lang das frühere Lehrforstamt Bramwald geleitet hat, deutliche Kritik: Das neue Forstamt hätte dann eine riesige Fläche, vom Harz bis zum Solling.

Ein einzelner Forstamtsleiter könne diese seiner Ansicht nach kaum überblicken: „Der kann sich nur in den Hubschrauber setzen“, sagt Freist im Gespräch mit unserer Zeitung. Die von ihm früher betreuten 6000 Hektar Wald zwischen Weser seien „gut zu überschauen“ gewesen, so Freist. Über die Jahre seien zunächst die Reviere und nun auch die Forstämter immer stärker zusammengelegt worden. Angesichts des Klimawandels und den damit verbundenen Herausforderungen in der Waldwirtschaft sei das ein großer Fehler.

Hinzu komme, dass der Bereich Göttingen eine bundesweit einmalige Konzentration an forstlichen Ausbildungseinrichtungen aufweise. Freist nennt die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, die Uni Göttingen und die forstliche Versuchsanstalt. Aus diesem Grund seien die umliegenden Reviere enorm mit der Ausbildung befasst. „Deswegen braucht es einen intensiven Kontakt zu den Lehrförstern“, so Freist. Auch die Forstamtsleiter seien für diese Betreuung wichtig.

Freist: „Die Politik verspricht seit Jahren, dass sie den ländlichen Raum stärken will“, dabei geschehe mit der Zusammenlegung von Behörden aber genau das Gegenteil. Und: „Das führt zu Frust und letztlich zu Politikverdrossenheit bei den Menschen in der Region.“ (Thomas Schlenz)

Auch interessant

Kommentare