Stadt sieht aber nur Teilerfolg

Freude über Aufgabe der Windradpläne auf dem Gahrenberg im Reinhardswald

Hann. Münden. Die Entscheidung der Projektträger ABO Wind AG und GGEW AG im Reinhardswald auf dem Gahrenberg oberhalb von Hann. Münden keine Windkraftanlagen zu bauen, ist bei der Stadt Hann. Münden und Kommunalpolitikern mit Freude und Erleichterung aufgenommen worden.

Hann. Mündens Bürgermeister Harald Wegener sieht darin aber nur einen Teilerfolg.

„Mit 50 Prozent weniger Windkraftanlagen auf dem Gahrenberg ist lediglich ein Etappenziel erreicht“, betont Wegener. Die Bürgermeister in der Interessengemeinschaft „Rettet den Reinhardswald“ (IGR) seien sich ihrer Verantwortung bewusst, mit dem Reinhardswald einen der letzten Rückzugsorte für die nächsten Generationen zu bewahren. Wegener bekennt sich zum neu geschaffenen Naturpark Reinhardswald. Ein Naturpark sei mit industrieller Ausbeutung durch Windkraft nicht in Einklang zu bringen, so Wegener.

„Die Windräder am Gahrenberg wären eine Verschandelung der Landschaft gewesen und weithin sichtbar“, sagt Dirk Wedekind, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion im Mündener Rat. „Wir sind froh, dass sie nicht kommen. Wir brauchen alternative Energiequellen, aber nicht um jeden Preis.“ Münden habe andere Möglichkeiten, etwa die Wasserkraft.

Erleichterung auch bei Ulrich Reichel, Fraktionsvorsitzender der CDU. „Ich bin froh, dass es ein sicherheitstechnisches Problem gibt, dass dazu führt, dass die zehn Windräder nicht gebaut werden“, so Reichel. „Mit unserer Resolution gegen die Anlagen hat das nichts zu tun. Den Hessen wären die Mündener Belange wie immer egal gewesen.“ 2014 hat sich der Rat in einer Resolution gegen die Windradpläne ausgesprochen. Wie berichtet, haben die ABO Wind AG und der Energiedienstleister GGEW AG die Pläne für die Anlagen wegen ihrer Nähe zum Flughafen Kassel aufgegeben.

Bedenken stetig genannt

Für Hann. Mündens Bürgermeister Harald Wegner ist die Aufgabe der Pläne für Windräder oberhalb von Hann. Münden „das Ergebnis der Anstrengung, Kompetenz und Kraft der Interessengemeinschaft Rettet den Reinhardswald (IGR), die seit Februar 2017 regelmäßig in Hann. Münden tagt. Siegfried Pflum und Stefanie Weinert vom Fachdienst Stadtplanung haben Bedenken zur Vereinbarkeit von bestehenden Flugrouten mit notwendigen Mindestabständen im Überflug stetig in die Planverfahren eingebracht“, so Wegner.

„Die Anlagen hätten im Landeanflug Gefährdungen für Passagiere wie auch für die Windräder bedeutet.“ Zugleich kritisiert Wegner: „Wenn das Bundesamt für Flugsicherung auch erst sehr spät eine Beurteilung abgegeben hat, hätte man von den Projektentwicklern, auch ohne mathematische Kenntnisse, bereits im Vorfeld durch einfache Rechenmethoden und minimalistische Fachkunde erwarten können, dass betroffene Kommunen nicht mit unsinnigen Absichtserklärungen beschäftigt werden.“

Auch für die Grünen im Rat der Stadt war der geplante Standort ungeeignet. Die Grünen „treten für alle Energiegewinnungs-Formen ein, welche die natürliche Energie nutzen, die uns die Sonne täglich liefert, wie zum Beispiel Windstrom und Photovoltaik. Aber auch diese Anlagen müssen bezüglich ihrer Standorte sorgfältig gewählt werden, so dass sie unsere Lebensqualität nicht beeinträchtigen“, so Vorstandsmitglied Hartmut Teichmann. „Es gibt mit Sicherheit geeignetere Standorte, als derart dicht auf den Höhenzügen über unserer Stadt.

Die Wählerinitiative Münden aktiv betont ebenfalls, grundsätzlich für die Gewinnung von reproduzierbarer Energie aus der Natur zu sein. „Bei der Aufstellung von Windrädern aber müssen auch die Umgebung, die Natur – und im Fall der geplanten Windräder hinter der Tillyschanze – die touristischen Aspekte berücksichtigt werden. Es darf nicht sein, dass an Ländergrenzen gebaut wird ohne Rücksicht auf und ohne Abstimmung mit den Nachbarn“, so Ines Albrecht-Engel, Ratsfrau für Münden aktiv.

Auch die Fraktion Bürgerforum sei froh, dass die Windräder von den jetzigen Projektträgern nicht gebaut würden, so der Fraktionsvorsitzende Dr. Franz Bitz. Er befürchte aber, dass ein anderer Investor noch zu einem anderen Ergebnis kommen könnte. Sicher könne man erst sein, wenn auch die Genehmigungsbehörde die Pläne aufgeben würde.

Rubriklistenbild: © Arne Dedert/dpa

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