Friedhelm Schäfer hat ein Buch über seine Gewerkschaftsarbeit geschrieben

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Engagierter Gewerkschafter: Friedhelm Schäfer war 20 Jahre Vorsitzender des DGB in Hann. Münden. Über diese Arbeit veröffentlichte er ein Buch. 

Hann.Münden. „Ich glaube ja, ich würde es nochmal machen", sagt Friedhelm Schäfer. Der Mündener, Jahrgang 1940, meint damit sein jahrzehntelanges gewerkschaftliches Engagement.

20 Jahre, von 1979 bis 1999, stand der aus dem Weserdorf Vaake stammende Lehrer an der Spitze des DGB-Ortskartells Hann. Münden, also der örtlichen Organisation des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Diese zwei Jahrzehnte, in denen weltweit viel passierte, etwa am 26. April 1986 die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl, hat der Gewerkschafter in einem Buch zusammengefasst. Der Titel „Hören, Sehen, Handeln - Wir mischen uns ein“.

Friedhelm Schäfer hat in akribischer Kleinarbeit in Archiven gestöbert und Bilder und Dokumente zusammengetragen und in dem 177-seitigen Buch veröffentlicht. Was ihn antrieb, sich einzumischen, beschreibt Schäfer so: „Wir“, damit meint er seine Kollegen im Vorstand des Ortskartells, „konnten uns bei wirtschaftlichen, sozialen und politischen Themen einbringen.“

Ein Anliegen sei gewesen zu hören, wo politische und soziale Probleme auftraten. Gesagt, getan, sagt der Sozialdemokrat. Sie besichtigten Betriebe, die Betriebsräte hatten die Besuche organisiert. Die damaligen Chefs der Firmen Haendler & Natermann (Wolfgang Rusteberg) und Aeroquip (Jürgen Jeep), der heutigen Firma Eaton Fludi Power, hätten das DGB-Ortskartell vorbildlich unterstützt.

Seine Kollegen und er, so der Pädagoge, hätten den DGB nicht als Mitläufer einer Partei betrachtet und danach gehandelt. Bei Wahlkämpfen seien Wahlprüfsteine formuliert und daran die zur Wahl stehenden Parteien gemessen worden. Ein Herzensanliegen des Mündener, der sich als politisch links einstuft, war die Aufarbeitung des dunkelsten Kapitels deutscher Geschichte, des Nazi-Terrors.

Erinnern und Mahnen

Schäfer und seine Kollegen organisierten Talkshows „Zeitzeugen berichten“, besuchten mit Jugendlichen die KZ-Gedenkstätten in Moringen und in Bergen-Belsen.

In das Kapitel Erinnern und Mahnen fällt auch die Hiroshima-Ausstellung, die die Gewerkschafter im April 1984 in der Rathaushalle organisiert hatten. Hiroshima, ein Name, der durch den Besuch des US-Präsidenten Barack Obama in der japanischen Millionenstadt der breiten Öffentlichkeit wieder ins Gedächtnis gerufen wurde. Jährlich zum 1. September organisierte das Ortskartell eine Veranstaltung zum Antikriegstag.

Der Versuch, mit jungen Leuten ins Gespräch zu kommen, ging aber noch weiter. Jugendcamps wurden organisiert, Konzerte im DGB-Haus, die Gewerkschafter luden Kinder streikender Bergarbeiter aus Wales und Kinder aus der atomar verstrahlten Region Tschernobyl zu Freizeiten in der Dreiflüssestadt ein.

Die Jugendarbeitslosigkeit beschäftigte die Gewerkschafter über viele Jahre; der Kampf gegen Arbeitslosigkeit und für die Rechte der Arbeitnehmer war prägend für die Demonstrationen zum 1. Mai. Schäfer hat in seinem Besuch Ausschnitte von Reden zum 1. Mai veröffentlicht - von Prof. Dr. Rita Süßmuth über Wolfgang Senff bis zu Ronald Schminke.

Der DGB heute? Schäfer: „Der Gewerkschaftsbund muss sich mehr einmischen.“ (kri)

Das Buch „Hören, Sehen, Handel. Wir mischen uns ein.“ ist zum Preis von 25 Euro bei der Buchhandlung Winnemuth in Hann. Münden erhältlich.

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