Einmal waschen, schneiden, föhnen

Friseure dürfen nach langem Lockdown ab Montag wieder öffnen

Einen Platz frei hält der Teddy für den Corona-Abstand. Friseur Ralf Müller wärmt sich schon mal auf.
+
Einen Platz frei hält der Teddy für den Corona-Abstand. Friseur Ralf Müller wärmt sich schon mal auf.

Die Haare lang und von Frisur kann kaum noch die Rede sein. Der Grund: Der letzte Friseurbesuch liegt schon eine Weile zurück. Am Montag dürfen die Friseure endlich wieder öffnen.

Hann. Münden – „Seit bekannt gegeben wurde, dass wir wieder öffnen dürfen, läuft das Telefon heiß“, sagt Ralf Müller, Friseurmeister und Inhaber des Friseursalons Marlis Müller. Sein Terminkalender sowie der seiner vier Mitarbeiter ist schon jetzt gut gefüllt. Er stellt sich bereits darauf ein, länger als sonst im Laden zu stehen. Alles könne aber nicht aufgeholt werden, was in den vergangenen Monaten liegen geblieben ist, sagt er.

In seinem 100 Quadratmeter großen Salon können die Abstandsregeln problemlos eingehalten werden: Von den 15 verfügbaren Plätzen werden nur vier gleichzeitig besetzt. „So hat jeder Kunde quasi 20 Quadratmeter für sich“, sagt der Friseurmeister.

Froh, dass es wieder losgeht

Auch Desinfektionsmittel stehe bereit und Kunden sowie Mitarbeiter müssen eine Maske tragen. Das sei aber nichts Neues und die Kunden hätten Verständnis dafür. Die meisten seien einfach nur froh, endlich wieder frisiert werden zu können. Ralf Müller ist nun voller Tatendrang: Zwar haben ihm die vergangenen Monate viele Sorgen um die Zukunft seines Salons bereitet, trotzdem habe er es genossen, Zeit mit seiner Familie zu verbringen und sei jetzt bereit, wieder durchzustarten. Während der Schließung habe er von seinem Ersparten gelebt. Was den Blick in die Zukunft angeht, bleibt der Friseurmeister lieber vorsichtig – er befürchtet einen weiteren Lockdown.

Gut vorbereitet: Unter anderem mit Filtergeräten ausgestattet, öffnet Peter Paffe seinen Salon wieder.

Auch Friseurmeister Peter Paffe sieht sich gut aufgestellt: Um das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich zu halten, hat er in seinem Salon bereits im vergangenen Jahr eine Abluftanlage installiert, die die Luft absaugt und nach draußen ableitet. Außerdem gibt es zusätzliche Filter-Standgeräte und das Geschäft selbst bietet auch schon einige Vorteile. „Durch unsere zwei Eingänge können wir alle 20 Minuten einmal komplett querlüften“, sagt Peter Paffe.

Hygiene wird großgeschrieben

Außerdem könne so ein Einbahnstraßensystem eingerichtet werden, sodass sich die Kunden nicht begegnen. Maske tragen, Hände desinfizieren und Kontaktdaten ausfüllen gehöre natürlich trotzdem dazu. Auch die Arbeitsmaterialien und -plätze werden nach jedem Kunden gereinigt und desinfiziert und die Friseure verwenden Einmalumhänge, sodass jeder Kunde einen frischen bekommt. „Wir haben alles getan für einen guten Start in das für uns neue Jahr“, sagt Peter Paffe. Und die Kunden danken es ihm, wie bei den Telefonaten deutlich werde. Seine Termine seien bereits über mehrere Wochen im Voraus vergeben.

Hygiene wird auch bei Sylvia Kühne, Friseurmeisterin und Inhaberin des Salons Haargenau, ganz groß geschrieben. „Es werden nur Kunden mit Mundschutz bedient, da mache ich keine Ausnahmen“, sagt sie und meint damit, dass auch Kunden, die zum Beispiel eine Maskenbefreiung nachweisen können, den Laden ohne Mund-Nasen-Bedeckung nicht betreten dürfen. Auch eine Haarwäsche gehöre zu Corona-Zeiten dazu. Der Schutz ihrer Mitarbeiter und Kunden stehe für sie an erster Stelle, um schnellstmöglich wieder Normalität einkehren lassen zu können.

Keiner musste entlassen werden

Von den acht verfügbaren Plätzen können ab Montag drei gleichzeitig besetzt werden, um die Mindestabstände zu wahren. Um ihren, seit Monaten sehnlichst auf ihren Friseurbesuch wartenden, Kunden gerecht zu werden, plant Sylvia Kühne längere Öffnungszeiten als sonst ein. Wochentags werden sie und ihre drei Mitarbeiter dann von 8 bis 19 Uhr waschen, schneiden, färben und föhnen.

Entlassen werden musste während der Schließung keiner ihrer Mitarbeiter. Sylvia Kühne habe sogar das Kurzarbeitergeld mit ihren privaten Ersparnissen auf 100 Prozent aufgestockt. „Das war für mich selbstverständlich“, sagt die Friseurmeisterin. Sie sei froh, sich über die Jahre etwas zur Seite gelegt zu haben. Da es keine Unterstützung für Kleinunternehmer gebe, seien viele andere, die kein Erspartes haben, aufgeschmissen. (Lea-Sophie Mollus)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.