Gäste kommen per Heli und Boot

Geschichten aus dem Gasthaus: „Flux-Biohotel“ in Laubach

Annette Rothweiler sitzt im Restaurant, dessen Tische und Böden aus massiver Eiche aus nachhaltiger Forstwirtschaft gefertigt sind. Die Wände sind ökologisch mit Lehm verputzt.
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Annette Rothweiler sitzt im Restaurant, dessen Tische und Böden aus massiver Eiche aus nachhaltiger Forstwirtschaft gefertigt sind. Die Wände sind ökologisch mit Lehm verputzt.

Gasthäuser gehören zum Bild eines Dorfes dazu. Und doch sinkt die Zahl der Gaststätten im Land. In loser Folge stellen wir Gasthäuser aus dem Altkreis Münden vor. Heute: Flux-Biohotel in Laubach.

Laubach – Normalerweise kommen Gäste mit dem Auto vorgefahren, um dann gemütlich im Restaurant zu speisen. Im Flux-Biohotel im Werratal ist es ab und zu mal ein wenig anders. Da landet ein Hubschrauber auf dem Hotelgelände und die Mannschaft kehrt im Restaurant ein.

Das passierte zwei Mal. Das war, als hier in Münden die Wälder gekalkt wurden. „Einige von uns sind nach dem Essen zu einem Rundflug im Hubschrauber eingeladen worden“, erzählt Besitzerin Annette Rothweiler. Dann ist es schon vorgekommen, dass Gäste einen Parkplatz für ihre Pferde gesucht haben. Die Nähe zur Werra und ein Bootsanleger vor der Tür lockt Paddler und Motorbootfahrer an. Früher kamen Gäste mit dem Zug, denn oberhalb des Hotels befand sich eine Haltestelle. Aber egal auf welche Art und Weise die Besucher kommen, für Annette Rothweiler und das Team gilt, dass jede Veranstaltung und jeder Gast etwas Besonderes ist.

Annette Rothweiler hat den elterlichen Hotelbetrieb 1998 übernommen. Es war kein Neuland für sie, denn sie ist dort groß geworden. Ihre Eltern haben 1968 die Pension Werrastrand übernommen, 1992 kam das Werrahaus dazu und daraus entstand das Werratal-Hotel. „Als Kind bin ich mit dem Dreirad hier durch die Räume gefahren und habe die Reste aus den Milchkännchen der Gäste getrunken“, erinnert sie sich.

Schon als Jugendliche in der Gastro

Als Jugendliche hat sie ihre Eltern im Restaurant oft unterstützt. „Und wenn Freundinnen und Freunde kamen, um mich zu Unternehmungen abzuholen mussten sie erst einmal in der Küche Kartoffeln schälen, erst dann durfte ich mit“, erzählt sie lächelnd.

Nach der Schule hat Annette Rothweiler in einem Göttinger Hotel ihre Ausbildung absolviert, hat dann zehn Jahre lang in namhaften Häusern in Frankfurt, Zürich und München Erfahrungen gesammelt, bevor sie in Dortmund die Hotelfachschule besucht hat und zurück nach Münden gekehrt ist. „Bereits seit den 90er-Jahren setzen wir auf ökologisch erzeugte Lebensmittel, saisonale Bio-Küche und fair gehandelte Produkte“, schildert sie. Seit elf Jahren heißt es: 100 Prozent Bio. Angefangen beim Briefumschlag über Reinigungs- und Hygieneprodukte bis hin zu Lebensmitteln, Getränken und Strom. Ab September 2019 galt das Flux als erstes klimaneutrales Bio Hotel in der Region.

Der Zusatz „Flux“ steht für „alles fließt“, alles verändert sich und das ständig. Eine der Veränderungen sind die Speisen. Früher waren die Klassiker: „Aal grün“ aus der Werra, „Forelle blau“ oder „Müllerin“ aus eigenem Forellenbecken und „Chateaubriand“, als Nachtisch flambierte Himbeeren auf Himbeereis. Heute denkt Küchenchef Marius Mirchel neu und sorgt für spannende Kreationen. So beispielsweise Schweinerücken Steak mit Linsen-Kichererbsen, Curry, Hummus und Karotten. Risotto mit Rote Beete und Kirschen ist eines der vielen veganen Gerichte.

Aber auch alte Traditionen werden weiter gepflegt. Wie auch früher schon die Urgroßmutter, so backt heute „Oma Siegrun“, Annette Rothweilers Mutter, den Kuchen im Flux. Da werden alte Rezepte aus den Kladden der Vorfahren hervorgeholt und gebacken, was schon in Kindertagen auf die Kaffeetafel kam. Aber Oma ist fortschrittlich und probiert ständig Neues.

Immer in Erinnerung bleiben wird Annette Rothweiler eine Busgesellschaft. Sie war mit ihrer Mutter in St. Peter Ording als der Anruf eines Busunternehmens kam: Man wollte ihr einige Stunden vor dem Eintreffen mitteilen, für welche der Gerichte sich die Gäste entschieden haben. Das war bei der Buchung Wochen zuvor so ausgemacht worden. „Ich habe mir nichts anmerken lassen und sofort mit meinem Vater telefoniert und einige Mitarbeiter gebeten, trotz des Ruhetages zu kommen“, berichtet sie. Ihr Vater habe sich bei den Kollegen noch einige Zutaten geborgt und ruck zuck haben sie es hinbekommen, dass den Gästen des vollen Reisebusses leckeres Essen serviert wurde und alle zufrieden waren. (Petra Siebert)

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