Vorsicht auf den Straßen

Gefahr für Wildunfälle ist im Herbst hoch

Ein totes Reh liegt am Straßenrand, während ein Auto vorbei fährt.
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Symbolbild: Das Reh ist das am häufigsten bei Wildunfällen beteiligte Tier.

Verkehrssicherheitsberater Jörg Arnecke von der Polizeidirektion Göttingen gibt Tipps zur Vermeidung von Wildunfällen in der dunklen Jahreszeit.

Altkreis Münden – In den Herbstmonaten häufen sich Wildunfälle. Erst vor kurzen kam es wegen einer Wildschweinrotte auf der Autobahn 7 bei Göttingen zu einem Unfall, bei dem ein Mann schwer verletzt wurde. Und im Staufenberger Gemarkungsgebiet kam eine Frau aus Berlin bei einem Unfall ums Leben, sie wollte mutmaßlich einem Wildschwein ausweichen.

Laut Bericht der Polizeiinspektion Göttingen wurden im vergangenen Jahr 17 Verkehrsteilnehmer bei Unfällen mit Wildtieren leicht und zwei schwer verletzt. Davon waren im Altkreis Hann. Münden vier Leichtverletzte zu verzeichnen. „Ein verlässlicher Trend für 2021 lässt sich derzeit noch nicht seriös prognostizieren“, sagt Verkehrssicherheitsberater Jörg Arnecke. 2019 gab es sechs Schwer- und acht Leichtverletzte bei diesen Unfällen. Laut dem Deutschen Jagdverband gab es vergangenes Jahr im Bundesgebiet rund 237 760 Wildunfälle. In Niedersachsen waren es 31 100.

Besonders die Zeit nach der Zeitumstellung Ende Oktober ist kritisch, sagt Arnecke. Unfallzeiten seien vor allem in den Morgen- und Abendstunden, so Jörg Arnecke weiter. „Nach der erfolgten Uhrenumstellung auf die „Winterzeit“ überlappen sich plötzlich die Zeiten des Wildwechsels und des Berufsverkehrs mit gravierenden Folgen“, erklärt er. Die Hauptzeit für Wildunfälle sei die Monate September bis Dezember.

Zudem seien die Tiere gerade in der Herbstzeit „blind vor Liebe“. „Während der Paarungszeit handeln die Tiere irrational, unvorsichtig und aggressiver als sonst“, so Arnecke. Man bezeichnet die Paarungszeit der Wildschweine, des sogenannten Schwarzwildes, als „Rauschzeit“. Hinzu komme noch die Blendwirkung der tief stehenden Sonne. „Insbesondere im morgend- und abendlichen Berufsverkehr ist mit diesem Phänomen zu rechnen und die Gefahr, dass Hindernisse zu spät erkannt werden, immens hoch“, berichtet er. Wichtig sie, dass die Sichtbarkeit in dieser Situation erhöht werde. „Licht an“, rät Arnecke.

2020 weniger Unfälle im Altkreis Münden als 2019

Im Jahr 2020 gab es im Altkreis Münden 813 Unfälle, 2019 waren es 1033. Das geht aus der Statistik hervor, die die Polizeiinspektion Göttingen im April vorgelegt hat. Ein Mensch ist bei einem Unfall im Altkreis gestorben, 2019 waren fünf Tote zu beklagen. Auch die Zahl von Schwerverletzten fiel von 20 auf 13. Leicht verletzt wurden 93 Menschen (2019: 128). 203 Wildunfälle gab es 2020, 2019 waren es 227. Zahlen für 2021 liegen noch nicht vor.

Polizei gibt Tipps zur Vermeidung von Wildunfällen

Wildunfälle häufen sich vor allem in den Monaten September bis Dezember. Verkehrssicherheitsberater Jörg Arnecke von der Polizeiinspektion Göttingen gibt Ratschläge, wie solche Unfälle vermieden werden können.

„Verkehrsunfälle passieren nicht – sie werden verursacht“, sagt Jörg Arnecke. Damit will er deutlichen machen, dass jeder Fahrer mit dem eigenen Verhalten das Risiko minimieren kann. Verkehrsteilnehmer müssten permanent mit einem unerwarteten Wildwechsel und den daraus resultierenden Gefahren rechnen. Die Wildunfälle ereigneten sich „bunt gestreut“ im Landkreis Göttingen. „Fahren sie besser langsam als wild“, sagt Arnecke. Zudem solle man die Verkehrszeichen „Wildwechsel“ beachten und jederzeit bremsbereit sein. Auch der Sicherheitsabstand ist wichtig, diesen lieber vergrößern.

Falls ein Tier auf der Fahrbahn steht, sollte der Fahrer nicht ausweichen, sondern stark und kontrolliert abbremsen, rät der Verkehrssicherheitsberater. „Blenden Sie unbedingt das Fernlicht ab“, sagt er. Bei Wildwechsel ist immer mit Nachzüglern zu rechnen, ein Tier komme selten alleine. Zudem sollte man den nachfolgenden Verkehr mit dem Warnblinker warnen.

Wenn ein Unfall passiert ist, müssen die anderen Verkehrsteilnehmer gewarnt werden. Das geschieht mit dem Warnblinker und dm Warndreieck. Zudem muss man sich mit der Warnweste selbst schützen. „Halten Sie von verletzten Tieren ausreichend Abstand – diese reagieren panisch und können Sie verletzen“, sagt Arnecke. Zudem sollte man direkt die Polizei informieren und sich, falls das Tier flüchtet, die Fluchtroute merken. Es mag banal klingen, aber tote Tiere dürfen nicht einfach mitgenommen werden. Das erfüllt den Tatbestand der Jagdwilderei, so Arnecke. „Seien Sie kein Wilddieb.“

Im Herbst sowie Frühjahr wird die Unfallgefahr durch die Blendwirkung der tief stehenden Sonne von vielen Verkehrsteilnehmern oftmals unterschätzt, so Arnecke. Auch dabei kann wieder ein ausreichender Sicherheitsabstand helfen, Unfälle zu vermieden. Eine saubere Frontscheibe, funktionstüchtige Scheibenwischer und genug Wischwasser sind das „A und O“. Eine Sonnenbrille kann bei blenden Sonnenuntergängen Abhilfe schaffen.

(von Jens Döll)

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