Hann. Münden

Gefahr für Fußgänger: Weißfäule frisst Buchen auf

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Revierförster Wilken Hartwig steht vor einem Stapel aus gefällten Bäumen. Die dunklen Verfärbungen, auf die er deutet, zeigen an, dass der Baum von Weißfäule befallen ist.

Die Niedersächsischen Landesforsten fällen in der Region abgestorbene Buchen. Denn: Die Bäume drohen umzustürzen.

Die mächtige Schweinebuche an der Wildhecke in der Laubacher Feldmark war ein stolzer Baum. Etwa 180 Jahre hatte er auf dem Buckel, hat Wind und Wetter getrotzt. Nun musste er gefällt werden. Baumfäller der Niedersächsischen Landesforsten rückten an und entnahmen – so lautet der Fachbegriff für die Fällung – den Baum. Übrig geblieben ist nur ein Stumpf, neben dem eine Bank steht, auf der schon viele Wanderer saßen.

Revierförster Wilken Hartwig steht auf einem aufgewühlten Waldweg in seinem Revier Oberode, dass sich über 2080 Hektar von Hann. Münden nach Oberode, Nienhagen und Escherode erstreckt und erläutert die Gefahr, die dem Wald droht. „Die letzten beiden sehr heißen Sommer setzen den Buchen zu“, erklärt er.

In seinem Gebiet stapeln sich die gefällten Stämme an den Waldwegen. Die Trockenheit sei die Ursache dafür, dass die Bäume krank werden. In den Buchen bildet sich die sogenannte Weißfäule, die sie von innen auffrisst. Zudem werden die geschwächten Stämme Angriffsziel des Borkenkäfers.

Landesforsten suchen seit September nach toten Bäumen

„Das Insekt frisst sich durch die Wasserkanäle im Baum“, sagt Forst-Praktikant Konstantin Johannesen. In den vorherigen Jahren habe es meistens nur Probleme bei Fichten und anderen Nadelbäumen gegeben, nun leiden auch die Laubbäume immer mehr.

„Erst Sturm Friederike im Januar 2018, dann zwei Hitzesommer und nun der Borkenkäfer“, fasst Hartwig die Situation zusammen. Keinem seiner Kollegen sei bekannt, dass es in der näheren Vergangenheit mal eine Zeit gab, in der so viele Buchen in den Beständen abstarben. Seit September haben die Niedersäsischen Landesforsten und damit auch Revierförster Hartwig damit zutun, die Waldwege und öffentlichen Straßen nach toten Bäumen abzusuchen. An einer Buche am Weg zeigt der Fachmann, wie man kranke Bäume erkennt.

An der Rinde sind Stellen zu sehen, an denen eine schwarze Flüssigkeit austritt, zudem kann man kleine Bohrlöcher in der Rinde erkennen. Dort hat sich der Borkenkäfer niedergelassen. Wilken Hartwig schaut an dem etwa zehn Meter hohen Baum empor und schüttelt den Kopf. Da sie so nahe an einem beliebten Wanderweg stehe, müsse auch diese Buche gefällt werden.

Dunkle Stellen der Rinde zeigen, dass die Buche von Weißfäule befallen ist.

Das Forstrevier werde den ganzen Winter damit verbringen, die abgestorbenen Bäume an Straßen und Wegen zu entfernen, dabei werde es immer wieder zu Verkehrsbehinderungen kommen. „Wir bitten die Bevölkerung um Verständnis. Wir fällen nicht aus Profitsucht, sondern um die Sicherheit zu gewährleisten“, sagt Hartwig. Zeugnis davon war die Sperrung der Kohlenstraße in Richtung Waldpädagogikzentrum Haus Steinberg.

Wenn eine Buche von der Weißfäule befallen sei, erklärt der Förster, dann kann es sein, dass er innerhalb kürzester Zeit fällt. Eichen und andere Bäume seien da stabiler, sie können, wenn sie abgestorben sind, noch jahrelang stehen, bevor sie zur Gefahr werden.

Ein gewisser Grad an Totholz sei wertvoll für das Ökosystem

„In den Beständen lassen wir die Bäume unangetastet, wir fällen nur Exemplare, die an Wegen und Straßen stehen“. Ein gewisser Grad an Totholz sei für das Ökosystem wertvoll, erklärt Hartwig. Wenn ein Baum gefällt und entastet ist, enden die Probleme aber nicht. Es sei kompliziert, einen Käufer für das Holz zu finden. „Es herrscht ein Überangebot“, so Hartwig.

Das von der Weißfäule zerfressene Holz eigne sich nur als Brennholz oder für die industrielle Papier- und Zellulosegewinnung. Zudem werde es auch dem Holzkohlewerk in Bodenfelde angeboten, dieses nehme das kranke Holz allerdings nur bis zu einem gewissen Fäulnisgrad.

Eine Zukunftsprognose, wie es um den heimischen Wald steht und wie es weitergeht, wagt Wilken Hartwig nicht. „Wir bringen vermehrt hitzeresistente Baumarten wie Douglasie, Roteiche und Traubeneiche in die Bestände ein.“ Damit soll der Wald langfristig auf den Klimawandel vorbereitet werden.

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