70 Zuschauer im Saal

Gefühlsmusik vom Feinsten: Klaviertrio Würzburg im Welfenschloss

Brillant: Gut aufeinander eingespielt waren die drei Gastmusiker – und ganz auf ihre Musik konzentriert. Foto:  Eismann

Hann. Münden. Ein Klavier, eine Geige, ein Cello - mehr braucht es nicht für den typisch klassischen Klang. Schon mit den ersten Tönen von Joseph Haydns Trio in C-Dur, Hob. XV:27, machte dies das Klaviertrio Würzburg am Freitagabend beim Konzert des Mündener Kulturrings im Welfenschloss klar.

Fröhlich klingelte der erste Satz. Karla-Maria Cordings schlanke Finger sprangen mit Schwung über die Tasten des Flügels, gaben den Ton an für das gut ausbalancierte Wechselspiel mit der Geige ihrer Schwester Katharina und Peer-Christoph Pulcs Cello. Ebensogut beherrschte das Trio aber die fließenden, weichen Übergänge; Cello und Geige sangen die träumerische Andante-Melodie geradezu. Umso kraftvoller vor allem bei Pulc der Strich, mit dem die Stimmung in Gewitterdröhnen und wie Regen prasselnde Klaviertriller umkippte. Wie über eine Frühlingswiese hüpften die Töne dann wieder im letzten Satz, vermittelten flinke Finger an Geige und Klavier fröhliche Verspieltheit.

Sämtliche Spielformen

Ganz anders Clara Schumanns Trio in g-moll, op. 17, mit dem die Musiker sämtliche Spielformen der Melancholie auszuloten schienen. Sehnsüchtig klagte und litt die Geige, nahm dann eine fast flüsternde, träumerische Note an, während die Zupftöne des Cellos das Klavier warm und weich überlagerten. Langgezogene tiefe Töne vermittelten eine ebenso tiefe Trauer, die auch Momente einer beschwingten Durchhalte-Melodie nicht durchbrechen können. Und selbst die Frage in der Hauptmelodie des abschließenden Allegretto-Satzes, teils fast unbeschwert neugierig, klang im nächsten Moment wieder gequält auf der Suche nach dem tieferen Sinn.

Virtuos 

An Johannes Brahms‘ Klaviertrio in H-Dur, op. 8, demonstrierten die Künstler nach der Pause ihre ganze Virtuosität. Peer-Christoph Pulc setzte selbst in den hohen Lagen die ganze Klangfülle seines Cellos gekonnt ein, Karla-Maria Cording steckte mit vollem Körpereinsatz hinter den heftigen Einsätzen, und gemeinsam rahmten sie auch die höchsten Töne von Katharina Cordings Geige ein und milderten deren Schärfe. Das Trio vermittelte das drängende Thema des Scherzo-Satzes ebenso wie die folgende traute Abendstimmung: wie aus der Spieluhr die klaren Klaviertöne. Das furiose Finale wurde mit ebensolchem Applaus belohnt und brachte dem Publikum eine Zugabe von Fritz Kreisler ein.

Dessen Kleiner Wiener Marsch trug mit seiner einfachen, aber beschwingten Melodie viel dazu bei, die etwa 70 Zuhörer heiter gestimmt ins Wochenende zu entlassen.

Von Eva Eismann

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