Bundesweiter Anstieg

Gegen den Bundestrend: Kindeswohlgefährdungen im Landkreis gefallen

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Wenn das Wohl eines Kindes gefährdet ist, ist das Jugendamt auf Hinweise angewiesen. Die Zahl der Meldungen von möglichen oder tatsächlichen Gefährdungen ist in den vergangenen Jahren in Deutschland gestiegen

Deutschen Jugendämter melden einen traurigen Rekord: 2018 sahen sie bei rund 50.400 Minderjährigen das Kindeswohl in Gefahr. Im Landkreis Göttingen sind die Fälle zurückgegangen.

Laut Statistischem Bundesamt ist das nicht nur der höchste Anstieg, sondern auch der höchste Stand an Kindeswohlgefährdungen (KWG) seit Einführung der Statistik 2012. 

Eine Gefährdung liegt vor, wenn „eine erhebliche Schädigung des körperlichen, geistigen oder seelischen Wohls eines Kindes unmittelbar droht oder eingetreten ist“, definiert es das seit 2012 geltende Kinderschutzgesetz.

Im Landkreis Göttingen sind die KWG im Vergleich zum Vorjahr hingegen gefallen, teilt Landkreis-Sprecher Ulrich Lottmann mit. 2018 seien 213 neue Fälle erfasst worden, drei Prozent weniger als 2017 (220 Fälle). 2018 stufte das Jugendamt 34 Fälle davon als akut ein, 2017 waren es insgesamt 44 (ein Rückgang um 23 Prozent).

Allgemeiner Sozialer Dienst ist speziell geschult

„In den wenigsten Fällen ist eine Kindeswohlgefährdung einfach und eindeutig festzustellen“, sagt Lottmann. Für eine Einschätzung müssten verschiedene Faktoren und deren Zusammenwirken betrachtet werden. Die Mitarbeiter vom Allgemeinen Sozialen Dienst seien geschult, um komplexe Situationen einschätzen zu können.

Jugendämter müssen Verdachtsfällen nachgehen, einschätzen und versuchen, die Gefahr abzuwenden. Die stärkste Schutzmaßnahme, die zur Verfügung steht, ist die Inobhutnahme. In Deutschland wurden 2018 insgesamt 7800 Kinder in Obhut genommen.

Die Bevölkerung sei sensibler für das Thema geworden 

Im Landkreis waren es 2018 insgesamt 104 Inobhutnahmen (2017 waren es 139). Darauf, ob der deutschlandweite Anstieg ein Hinweis dafür sei, dass es Kindern schlechter ginge als früher, möchte sich Lottmann nicht festlegen: „Auf die Frage ist eine einfache Antwort nicht möglich.“ 

So sei beispielsweise zu betrachten, dass die Bevölkerung nicht zuletzt durch die Presseberichterstattung zum Thema sensibler für KWG sei und deshalb mehr Hinweise eingehen würden. „Das ist gut und richtig so, zugleich macht es die Deutung der Vergleichszahlen schwieriger.“ 

Vernachlässigung und passive Gewalt

2018 sahen die Jugendämter bei rund 50 400 Minderjährigen das Kindeswohl in Gefahr. Laut Statistischem Bundesamt wiesen 60 Prozent der Kinder Anzeichen für eine Vernachlässigung auf.

Bei 31 Prozent der Gefährdungsfälle von 2018 gab es Hinweise auf psychische Misshandlungen. Das können zum Beispiel Demütigung und Isolierung sein. In 26 Prozent der Fälle gab es Indizien für körperliche Misshandlung. Bei fünf Prozent gab es Hinweise auf sexuelle Gewalt. 

Mit dpa

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