1. Startseite
  2. Lokales
  3. Hann. Münden
  4. Hann. Münden

Gegen Lebensmittelverschwendung: Foodsharing-Gruppe sucht neue Mitglieder in Münden

Erstellt:

Von: Jens Döll

Kommentare

Eröffnung des Fairteilers im Foyer des Geschwister-Scholl-Hauses in Hann. Münden Anfang des Jahres: (von links) Annemarie Walth, Ulrike Schäfer, Tobias Dannenberg, Elke Steden, Martine Görtler und Barbara Jankowski. Nun sucht die Foodsharing-Gruppe weitere Mitglieder. archi
Eröffnung des Fairteilers im Foyer des Geschwister-Scholl-Hauses in Hann. Münden Anfang des Jahres: (von links) Annemarie Walth, Ulrike Schäfer, Tobias Dannenberg, Elke Steden, Martine Görtler und Barbara Jankowski. Nun sucht die Foodsharing-Gruppe weitere Mitglieder. archi © Jens Döll

Die Foodsharing-Gruppe in Hann. Münden sucht helfende Hände. Ziel ist es, auf Lebensmittelverschwendung aufmerksam zu machen. Dafür ist unter anderem eine Info-Veranstaltung geplant.

Hann. Münden – Eine Gruppe, deren Ziel die eigene Auflösung ist. Was sich nach einem Widerspruch anhört, ist die gelebte Praxis von „Foodsharing“. Das bedeutet so viel wie „Nahrung verteilen“.

Auch in Hann. Münden gibt es einen Ableger dieses Netzwerks, das in Deutschland vor zehn Jahren gegründet wurde.

Ziel der Gruppe, die in der Dreiflüssestadt unter anderem von Annemarie Walth aufgebaut wurde, ist es, auf Lebensmittelverschwendung aufmerksam zu machen. „Wir wollen, dass unsere Arbeit irgendwann nicht mehr benötigt wird“, so Walth. Angestrebt sei, durch Aktionen und Informationen die Menschen für das Thema zu sensibilisieren und langfristig Gesetzesänderungen zu bewirken, die die Verschwendung stoppen. Dafür benötigen sie allerdings weitere Mitglieder.

Infostand am 30. Dezember zum Thema Foodsharing und Lebensmittelverschwendung

Walt berichtet, dass es in Hann. Münden ein „Kernteam“ von vier „Foodsharern“ gibt. Aufgebaut wurde die Ortsgruppe von Kirill Mostitzki, Ulrike Schäfer, Johanna Diedrich und eben von Annemarie Walth. Zudem engagieren sich noch weitere Mündener in der Gruppe. Aber: „Es könnten mehr sein“, so Walth, „wir sind am Straucheln.“

Um die Menschen zu erreichen, will die Foodsharing-Gruppe Hann. Münden am Freitag, 30. Dezember, in der Nähe des Küsterhauses am Kirchplatz in Hann. Münden einen Infostand aufbauen. Im Zeitraum von 13 Uhr bis 16.30 Uhr soll informiert werden. „Man kann vor Ort mit uns ins Gespräch kommen“, berichtet Walth.

„Fairteiler“ für überzählige Lebensmittel

Mitglieder werden beispielsweise benötigt, um den „Fairteiler“ im Foyer des Geschwister-Scholl-Hauses aufzufüllen. Dieser „scheint gut zu laufen“, so Walth. Aufgebaut wurde der Schrank, in dem überzählige Lebensmittel abgegeben werden können, Anfang dieses Jahres in Zusammenarbeit mit dem Mehrgenerationenhaus und der Mündener Tafel. Dabei ist der Name „Fairteiler“ eine Mischung aus dem Wort „fair“ – es wird „ver“ ausgesprochen – und „teilen“.

Bis jetzt habe es einen Fall von Vandalismus dort gegeben, von „weiteren sind wir zum Glück verschont geblieben“ so Walth. Gerne würden sie einen weiteren Fairteiler aufstellen, Interessenten und Anfragen gebe es schon. Es fehlen aber die Helfer.

Über 530 000 registrierte Nutzer

Laut eigenen Angaben hat das Foodsharing-Netzwerk über 530 000 registrierte Nutzer in Deutschland, Österreich und der Schweiz und mehr als 133 000 Freiwillige (sogenannte Foodsaver). Es kooperieren über 12 500 Betriebe, bei denen bisher 83 Millionen Kilogramm Lebensmittel vor der Verschwendung bewahrt worden sind, so die Gruppe. Diese werden bedingungslos an alle Menschen weiter verteilt. Täglich würden etwa 5700 Abholungen stattfinden. Auch weitere Länder seien mittlerweile Teil der Bewegung.
foodsharing.de

Fairteiler und Foodsharing sind keine Konkurrenz zur Tafel

„Wir sind keine Konkurrenz zur Tafel, wir arbeiten mit ihr zusammen“, berichtet Walth, und geht dabei auf einen oft vorgebrachten Vorwurf ein.

„Die Tafel hat Vorrang“, so Walth. Das heißt: Lebensmittel gehen an die Tafel, können sie dort nicht verteilt werden, dann werden sie an die Foodsharing-Gruppe gegeben. Zudem holen sie nie dort Lebensmittel ab, wo die Tafel sie abholt. Im Unterschied zur Tafel kann am Angebot der Essensverteiler jeder teilnehmen und das überall, wo es ein solches Angebot gibt.

Zudem werde eine größere Anonymität gewährleistet, das könne Menschen, die sich ihrer Situation schämen, zugutekommen. „Wir haben einige Leute, die auch zur Tafel gehen“, berichtet Walth.

Aufklärung zu Lebensmittelverschwendung in Schulen und mehr „Fairteiler“ in Planung

Aufgebaut wurde die Gruppe erst knapp vor einem Jahr. „Ich und andere waren bereits in anderen Orten vorher im Foodsharing aktiv“, so Walth. Nach ihrem Umzug nach Münden hat sie sich vernetzt, ein erstes Gruppentreffen gab es im November 2021.

In Zukunft seien weitere Kooperationen geplant, beispielsweise mit der GAB in Neumünden, die ebenfalls einen „Fairteiler“ betreibt sowie das Aufstellen weiterer „Fairteiler“. Auch Vorträge an Schulen zum Thema Lebensmittelverschwendung seien denkbar, so Walth.

Infos: Kontakt zum Foodsharing-Netzwerk gibt es unter der Mailadresse hann.muenden@hann.muenden@foodsharing.network.de und beim Nachrichtendienst Telegram. Dort kann man die Gruppe via Suchfunktion finden. (Jens Döll)

Auch interessant

Kommentare