HNA-Volontär begleitete die Schneemann Recycling GmbH

Selbstversuch: Unterwegs mit der Müllabfuhr

Viel zu tun: Müllmann Ronny Jähnel (rechts) sammelt jeden Tag hunderte Säcke ein.

Hann. Münden. HNA-Volontär Florian Künemund war mit der Müllabfuhr unterwegs, um gelbe Säcke einzusammeln.

Aufsteigen, festhalten. Absteigen, gelbe Säcke einsammeln und sie in den Müllwagen werfen. Hunderte Male am Tag. Doch es ist nicht die körperliche Anstrengung, die mir zusetzt, als ich die Mitarbeiter der Schneemann Recycling GmbH aus Duderstadt in Hann. Münden begleite.

Nein, es ist der Geruch. Dieser stechende, in Hals und Nase kratzende und Brechreiz auslösende Gestank der Massen an gelben Säcken, die in der Müllpresse des Lkw zerkleinert und am Ende des Tages auf die Mülldeponie in Duderstadt gebracht werden.

Rein damit: HNA-Volontär Florian Künemund (links) war mit der Schneemann Recycling GmbH aus Duderstadt unterwegs in Hann. Münden, um gelbe Säcke einzusammeln. Fotos: Petra Siebert

„Man gewöhnt sich schnell dran“, sagt Ronny Jähnel, der am Dienstag von 5.30 Uhrmorgens an im gesamten Stadtgebiet gelbe Säcke einsammelt. Wie alle 14 Tage. „Wir sind jeden Tag in einer anderen Gemeinde“, sagt er. „Wir“, das sind er und Fahrer Uwe Rothensee. Wie viele Säcke Jähnel am Tag insgesamt in die Müllpresse wirft, weiß er nicht. „Das habe ich nie gezählt“, sagt er. Gearbeitet wird, bis alle eingesammelt sind. „Meistens bis 14.30 oder 15 Uhr.“ Ich helfe den beiden von 9.30 bis 11 Uhr. Wenn man es helfen nennen kann.

Bis sich die Zusammenarbeit von Ronny Jähnel und mir auf den Podesten des Müllwagens eingespielt hat, dauert es ein paar Minuten. Ab und zu höre ich von links „Schneller“ oder sehe einen leicht kritischen Blick, wenn ich nicht alle Säcke in einem Schwung in den Wagen werfe. Das Verständnis zwischen ihm und Fahrer Rothensee hingegen funktioniert mittels Gesten und ein paar Kommandos reibungslos. Die beiden arbeiten enorm schnell. Ein paar Meter fährt Uwe Rothensee den Lkw von Müllberg zu Müllberg und bringt uns gekonnt auch durch enge Passagen in Neumünden.

Wichtig ist, auch wenn auf der eigenen Seite keine Säcke sind, zu schauen, ob der Nebenmann bei einem Stopp Hilfe braucht - je nach Menge der Säcke eben. Da verschätze ich mich manchmal und steige umsonst ab. Ronny Jähnel greift teilweise sechs oder sieben Säcke auf einmal. Bei mir sind es höchstens vier. Einmal übernehme ich mich und bleibe beim Wurf in den Wagen mit einem Sack hängen. Er reißt und wir haben zusätzliche Arbeit mit dem Aufsammeln des Mülls. „Ein Anfängerfehler“, sagt Ronny Jähnel.

Als ich am Ende meiner 90-minütigen Fahrt frage, ob ich die beiden sehr von der Arbeit abgehalten habe, antwortet Jähnel: „Nein, das war schon okay.“ Flugs springt er nach kurzer Verabschiedung wieder auf den Wagen. Die beiden haben noch viel Arbeit vor sich, die unsereins gar nicht hoch genug schätzen kann.

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