Damals in Münden

Geschichte aus Hann. Münden: Neues Haus für katholische Schule

Seinerzeit ein modernes Schulgebäude an der Parkstraße, an das in den 1920er Jahren noch ein stilles Örtchen mit „Wasserclosetts“ angebaut wurde.
+
Seinerzeit ein modernes Schulgebäude an der Parkstraße, an das in den 1920er Jahren noch ein stilles Örtchen mit „Wasserclosetts“ angebaut wurde. (Repro)

Mitte des 19. Jahrhunderts kamen viele Katholiken ins protestantische Hann. Münden. Dies führte zu Konflikten und einem Tauschgeschäft.

Hann. Münden – Mitte des 19. Jahrhunderts stieg die Einwohnerzahl Mündens. Die Stadt war eigentlich überwiegend protestantisch. 1815 wurde aber das Eichsfeld geteilt, sodass die Katholiken rund um Duderstadt dem Königreich Hannover angehörten und bisweilen ihren Wohnsitz nach Münden verlegten.

Hann. Münden wuchs im 19. Jahrhundert stark

Das führte dazu, dass es in der Stadt ab 1850 wieder eine eigene katholische Gemeinde gab – 300 Jahre nach der Reformation. Für die katholische Gemeinde musste dann auch eine eigene katholische Schule her, die sie 1853 gründete. Anfangs war die Schülerzahl mit maximal 15 Kindern noch überschaubar, sodass es kein Problem gewesen sein soll, den Unterricht zunächst in der Lehrerwohnung stattfinden zu lassen.

Im Folgejahr kam mit Ludwig Schönemann aber endlich ein eigener ortsansässiger Kaplan in die Stadt. Glücklicherweise gab es ein geeignetes Haus für den neuen Geistlichen: Er bezog letztlich ein Gebäude am Dielengraben, das Ende der 1730er Jahre im Zuge des Schlossumbaus als Garnisonsbäckerei gebaut worden war. Dort bekamen die Schüler dann auch einen Raum für ihren Unterricht. 1867, Münden war inzwischen preußisch, wuchs der katholische Bevölkerungsanteil weiter an. Es waren 27 Schülerinnen und Schüler geworden und 1883 schon 55. Allerdings gab es ein Problem, denn: Damals gab es keinen Lehrer mehr für den Unterricht. Also musste der inzwischen neue Kaplan Caspar Baule das Lehren übernehmen. Rund 28 Unterrichtsstunden musste er zusätzlich zu seiner Tätigkeit als Geistlicher stemmen.

Katholische Schule mit komplett neuem Schulhaus und Lehrerwohnung

Ab 1886 gab es dann zwar wieder einen Lehrer, jedoch stieg die Schülerzahl noch immer weiter an. Zudem war das Haus am Dielengraben offenbar nicht gut in Schuss, denn bereits 1883 hatte Baule den schlechten Zustand des Gebäudes angemerkt. Ab 1889 war die zuvor private Schule dann eine öffentliche Katholische Volksschule, für deren Trägerschaft sich die Katholische Schulgemeinde gegründet hatte. Erst eine Beschwerde dieser bei der Bezirksregierung Hildesheim führte dazu, dass eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Problematik stattfand. Zwar hatte es bereits nach Baules Hinweis Überlegungen gegeben, im Zuge des Baus der St.-Elisabeth-Kirche und des neuen Pfarrhauses 1888/89 auch ein neues Schulhaus für die katholische Schule zu bauen, allerdings blieb das eine reine Überlegung. Er nach der Beschwerde der Schulgemeinde bei der Bezirksregierung folgten Taten. Die Schulgemeinde erhielt daraufhin 1901 durch einen Tausch mit der Stadt das Gebäude an der Parkstraße 9.

Im Folgejahr konnten endlich die Bauarbeiten für ein neues Schulhaus beginnen. Nach zehn Monaten Bauzeit verfügte die Katholische Schule dann über ein komplett neues Schulhaus mit Lehrerwohnung im Obergeschoss und gegebenenfalls einer zusätzliche im Dachgeschoss sowie zwei Klassenräumen im Erdgeschoss. Das alte Schulhaus am Dielengraben blieb noch knapp zehn Jahre stehen, bis die Stadt es 1911 abreißen ließ. (Sarah Schnieder)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.