Märkte waren in Hann. Münden wichtig

Süßes Gebäck und Zauberer: Märkte waren in Hann. Münden wichtig

Historische Abbildungen, die das bunte Treiben auf den Märkten in Münden zeigen, sind leider nicht bekannt. Zentraler Ort war der Marktplatz. Auf der um 1840 verlegten Lithographie ist rechts noch die Wachstube auf dem Marktplatz zu sehen.
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Historische Abbildungen, die das bunte Treiben auf den Märkten in Münden zeigen, sind leider nicht bekannt. Zentraler Ort war der Marktplatz. Auf der um 1840 verlegten Lithographie ist rechts noch die Wachstube auf dem Marktplatz zu sehen.

Weihnachten ist Marktzeit. Auch in Hann. Münden. In unserer Serie „Damals in Münden“ schauen wir heute auf Märkte.

Hann. Münden – Bald beginnt wieder die Weihnachtszeit, und für viele ist die erst mit einem Besuch auf dem Weihnachtsmarkt komplett.

Auch in Münden soll in diesem Jahr wieder ein besonderer Weihnachtsmarkt stattfinden. In der Dreiflüssestadt haben Märkte allgemein eine lange Tradition. Ab dem Ende des Mittelalters gab es lange Zeit drei Jahrmärkte in der Stadt. 1556 erteilte dann Herzog Erich II. die Erlaubnis für zwei zusätzliche Märkte.

Märkte fanden früher nicht regelmäßig statt

Als – historisch gesehen – kurze Zeit später, nämlich 1618, der Dreißigjährige Krieg ausbrach, war an ein regelmäßiges Marktgeschehen jedoch nicht zu denken. Auch nach dem Ende des Krieges 1648 fanden die Mündener Märkte nur schwerlich regelmäßig statt, sodass Herzog Johann Friedrich 1679 eine Neuorganisation beschloss. Danach gab es vier Pferde-, Vieh- und Jahrmärkte, alle jeweils montags. Und zwar: nach dem 6. Januar (Heilige Drei Könige), der Lätaremarkt (nach dem Sonntag Lätare, drei Wochen vor Ostern), vor dem Michaelstag (29. September) und nach dem Martinstag (11. November).

Dazu kamen noch zwei weitere einfache Jahrmärkte, und zwar - ebenfalls jeweils montags - vor Pfingsten und nach dem Laurentiustag (10. August). Die Märkte zu Latäre, Pfingsten, Laurentius- und Martinstag kennt auch Chronist Gustav Blume aus den Erzählungen seiner Eltern, wie er berichtet. Pfingst- und Laurentiusmarkt seien 1849 durch Magistratsbeschluss aufgehoben, berichtet er weiter. Auch die Märkte im Januar und im September konnten sich nicht halten. Die übrigen Jahrmärkte blieben aber und waren für die Mündener Bevölkerung eine willkommene Abwechslung.

Strenge Regeln galten für den Handel

In Zeiten, in denen noch nicht alles Erdenkliche jederzeit zu bekommen war und der Handel strengen Regeln der Zünfte unterlag, boten die Märkte ein größeres Warenangebot. Eigentlich war es beispielsweise auswärtigen Händlern nicht erlaubt, Waren anzubieten, die auch ortsansässige Handwerker und dergleichen herstellten. Zu den Jahrmärkten galt diese Vorschrift jedoch nicht und so konnte beispielsweise ein Duderstädter auf dem Mündener Latäremarkt Damen-, Kinder- und Herrenschuhe feilbieten. Aus Göttingen kamen neben Baumwollstoffen unter anderem süße Gebäcke wie Honigkuchen, Lebkuchen und Pfeffernüsse.

Nicht nur das größere Warenangebot machte die Märkte aber zu etwas Besonderem. Verwandte und Bekannte, trafen sich auf den Märkten. „In den Fabriken mußte Montagnachmittag Feierabend gemacht werden, da das Personal zum Einkauf nach dem Markte wollte“, schreibt Blume. Sogar die Schule fiel aus. Der Chronist weiß auch: „An den Markttagen gab es Zerstreuung aller Art in Münden.“ Die Straßen waren voll, genauso wie die Wirtschaften. Es spielten Musikzüge und sogar Zauberkünstler gab es. Außerdem heute kurios Anmutendes wie „Drehorgeln mit Bildern, auf denen die neuesten Mordgeschichten in der schrecklichsten Weise zu sehen waren“.

Die Märkte waren für die Mündener und die Bewohner der Umgegend alles in allem Ereignisse, auf die sich viele freuten. Nicht nur wegen der Einkaufsmöglichkeit, sondern vor allem auch wegen des gesellschaftlichen Zusammenseins, der Abwechslung, den Vergnügungen - und sicherlich auch wegen des ein oder anderen anheiternden Getränks. (Sarah Schnieder)

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