Damals in Münden

Geschichte aus Hann. Münden: Theodor Klockemeyer eröffnete einen Kolonialwarenhandel

Von 1847 bis 1963 war die Kolonialwarenhandlung Klockemeyer im Hause Lange Straße 82 beheimatet und von vier Generationen geführt worden. Auf dem um 1910 entstandenen
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Von 1847 bis 1963 war die Kolonialwarenhandlung Klockemeyer im Hause Lange Straße 82 beheimatet und von vier Generationen geführt worden. Auf dem um 1910 entstandenen Foto sind Hermann Klockemeyer und Ehefrau Clara zu sehen. 

Geschichten aus Hann. Münden. Wer früher ein Geschäft eröffnen musste, musste Mitglied der Kaufmannsgilde sein. Theodor Klockemeyer eröffnete allen Widerständen zum Trotz seinen Laden.

Altkreis Münden – Wer im 19. Jahrhundert in Hann. Münden ein Geschäft führen wollte, musste Mitglied in der Kaufgilde sein. Als ein Kaufmann, der aus Einbeck in die Dreiflüssestadt gekommen war, einen Kolonialwarenhandel eröffnen wollte, stand für ihn zuerst die Prüfung bei der Kaufgilde an.

Theodor Klockemeyer eröffnete Kolonialwarenladen in Hann. Münden

Theodor Klockemeyer musste dafür aber einige Voraussetzungen erfüllen: Er musste Bürger sein, seinen Lehrbrief vorweisen sowie belegen, dass er an einem anderen bedeutenderen Handelsort mindestens drei Jahre als Handlungsgehilfe tätig gewesen war. Da Klockemeyer jedoch die Absicht hatte, mit Waren aus Übersee zu handeln – also als Kolonialwarenhändler tätig zu sein – musste er zudem nachweisen, dass er ein Vermögen von mindestens 1 000 Talern besaß.

All das konnte der Kaufmann glücklicherweise und so stand der Prüfung nichts mehr im Wege. Am 13. November 1845 war es so weit und Klockemeyer konnte im Rathaus in der Kaufgildestube zur Prüfung antreten. Der Kommission gehörten die beiden Kaufgildemeister Johann Christian und Justus Francke sowie als Prüfer Carl Willmann und Christian Bernhard Wüstenfeld an. Auch der damalige Bürgermeister Bodungen war zugegen und für die Protokollführung zuständig.

Auf dem Prüfplan standen verschiedene Fächer, unter anderem „kaufmännische Rechenkunst“, Buchführung sowie Waren-, Münz-, Maß- und Gewichtskunde. So viel sei verraten: Theodor Klockemeyer glänzte nicht gerade bei der Prüfung. Für den Bereich Warenkunde sollte er unterschiedliche Kaffeesorten erkennen, allerdings gelang es ihm nur, eine einzige richtig zu identifizieren.

„Mit den englischen Beziehungen nicht vertraut“

Auch die Kostenbestimmung für einen speziellen Kaffee aus London machte ihm Probleme, da er „mit den englischen Beziehungen nicht vertraut“ gewesen war. Ebenfalls eher mäßig stellte sich Klockemeyer bei der Kalkulation eine Teelieferung aus Hamburg betreffend an. Dort hatten sich wohl „einige Irrtümer eingeschlichen“. Recht gut lief im Vergleich hingegen die Kostenberechnung für eine theoretische Kaffeelieferung aus Hamburg und das Aufsetzen eines Beschwerdeschreibens wegen einer mangelhaften Lieferung. Alles in allem waren die Prüfungsergebnisse Klockemeyers aber eher mäßig.

Das sollte aber einem erfolgreichen Geschäft nicht im Wege stehen, denn: Die Prüfer ließen Gnade walten, da Klockemeyer zuvor seit 13 Jahren nicht mehr im Bereich Kolonialwaren tätig gewesen war. Der Kaufmann erhielt letztlich die Genehmigung, ein Kolonialwarengeschäft zu führen. Dieses eröffnete er nur drei Wochen später in der Langen Straße – und legte damit den Grundstein für ein für mehr als 100 Jahre erfolgreiches Familienunternehmen. Theodor Klockemeyer war also der lebende Beweis dafür, dass Prüfungsergebnisse noch lange nichts über die praktische Eignung und mögliche Erfolgsaussichten aussagen müssen. (Sarah Schnieder)

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