Mündener Ansichten

Die „Grüne Lunge“: Geschichte der Wallanlage in Hann. Münden

Um 1830 entstand dieser Stadtplan für einen Prospekt des Gastwirts Christian Erich Meyer in dem die Stadtmauer und vorgelagerten Gärten und Wiesen deutlich zu erkennen sind. Das Mit N bezeichnete Areal der Wallanlagen wird als Postgarten bezeichnet und war an den Posthalter Marloh verpachtet.
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Um 1830 entstand dieser Stadtplan für einen Prospekt des Gastwirts Christian Erich Meyer in dem die Stadtmauer und vorgelagerten Gärten und Wiesen deutlich zu erkennen sind. Das mit N bezeichnete Areal der Wallanlagen wird als Postgarten bezeichnet und war an den Posthalter Marloh verpachtet.

Die Wallanlagen waren in der vergangenen Zeit ein Zankapfel in Hann. Münden. In ihnen sollte der Weihnachtsmarkt stattfinden. Doch wie entwickelte sich der Grüngürtel eigentlich?

Hann. Münden – Schaut man auf die Wappen vieler Städte, so sind dort Stadttore und Türme erkennbar. Münden macht hiervon keine Ausnahme. Man kann die Wehrhaftigkeit und die Emanzipation sowie den Stolz einer bürgerlichen Stadtgesellschaft auch in Stadtmauern, Toren und Türmen erkennen.

Hann. Münden: Stadtmauern als Bollwerk gegen Feinde

Ihr Bau war eine gewaltige und kostspielige Kollektivaufgabe. Festgefügte Mauern, vorgelagerte Wälle und Gräben sollten die Stadt vor Angriffen schützen. Mit der Einführung von Schießpulver und Kanonen wurden die Stadtmauern angreifbarer. Um 1365 erscholl der erste Kanonendonner in der Region bei der Belagerung der Heldenburg bei Salzderhelden. Da Mittelalterliche Quellen zur Stadtgeschichte kaum vorhanden sind, wurde das Alter der Stadtmauern rund um Münden auf die Zeit vor 1400 geschätzt.

Archäologische Untersuchungen im Vorfeld des Baus des Herzogin-Elisabeth-Stiftes „Am Plan“ in den Jahren 1997-99 führten zu der überraschenden Feststellung, dass bereits mit der Stadtgründung im 12. Jahrhundert mit dem Bau der Stadtmauer in diesem Abschnitt begonnen worden war, also gut 200 Jahre früher als gedacht. Diese in einem Halbbogen zwischen Werra und Fulda die Altstadt umschließende Mauer sollte in etwa bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts die Stadt im Wesentlichen einschließen.

Erst dann drängte die städtebauliche Entwicklung über die Mauern hinaus, die ohnehin für eine Verteidigung der Stadt keine Rolle mehr spielten. Das Militär – und damit die Obrigkeit – kontrollierte am oberen und unteren Tor aber die Menschen, die da ein- und ausgehen wollten, ein städtischer Torschreiber und die Brücken- und Wegegelderheber taten ein Übriges. Nachtwächterstaat nannte man das auf fehlendes Vertrauen der Obrigkeit gegenüber ihren Vasallen beruhende Zusammenleben.

Hann. Münden musste mit Hannover verhandeln

1832 bemühte sich die Stadt, die Stadtbefestigungsanlagen, dazu zählten Wälle, Gräben, Stadtmauer und Türme, zurück zu erwerben. Dazu musste sie mit dem Hannoverschen Kriegsministerium in Verhandlung treten. Die Stadt argumentierte, dass sie erhebliche Aufwendungen für den Erhalt der Mauern seit dem Dreißigjährigen Krieg geleistet habe und bat um Überlassung der Mauern. Dieses Gesuch wurde postwendend abgelehnt. Zähe Verhandlungen folgten und die Stadt argumentierte, dass Bauplätze für ein Schulhaus, Arbeitshaus und Spritzenhaus (Feuerwehrhaus) nicht mehr innerhalb des Mauerrings vorhanden seien und bat letztlich das Ministerium eine Kaufofferte zu machen. Schließlich einigte man sich auf einen Kaufpreis von 1000 Talern im Jahre 1836.

Damit war ein Eigentumserwerb für die Stadtentwicklung abgeschlossen. Doch nach der Inbesitznahme mussten erhebliche Arbeiten vergeben werden. Wälle und Gräben wurden eingeebnet und in eine Gräserei, also Wiese umgewandelt. Abschnitte der Stadtmauer wurden abgetragen, das Baumaterial in der Regel für neue Bauten zweitverwendet. Bei der Fertigung des Kaufvertrages wurden einzelne Positionen aufgelistet wie der Wallgarten, Stadtgärten und die Beamten-Gärten der Landesbeamten. Das Kriegsministerium ließ sich den Rückkauf zum gleichen Preise zusichern. Etwa für den Fall, dass erneut Festungsbauten benötigt werden würden. Vielleicht ist hierin der Grund zu sehen, dass das neugewonnene Terrain nicht gleich für Bauplätze genutzt wurde?

Entwicklung zur „Grünen Lunge“

1855 sicherte sich die Stadt ein weiteres Grundstück vom Land von der damaligen Domänen-Kammer. Es handelte sich um den Grund östlich des Welfenschlosses im Bereich des heutigen Jahn-Denkmals, das Gelände wurde als der sogenannte Wildpretgraben bezeichnet.

In älteren Quellen auch als Bärengraben bezeichnet, gehörte die Tierhaltung zeitweise zur höfischen Tradition des Herzogshauses und wurde später auch von den Beamten des Amtes Münden weiter gepflegt. 500 Taler musste die Stadt berappen. Die Beamtengärten konnte die Stadt hingegen nicht erwerben. Sie blieben Landeseigentum und wurden für den Bau der forstlichen Hochschule und zur Anlage des kleinen Forstbotanischen Gartens genutzt. 1972 gelang es der Stadt, das 13 302 Quadratmeter große Grundstück der nun mittlerweile nach Göttingen abgewanderten Forstliche Fakultät für 90 660 DM aufzukaufen. „Die Gebäude werden der Stadt gegen Übernahme des Abbruchs überlassen.“ Die Voraussetzungen für den Fortbestand der „Grünen Lunge“ auf dem Gelände des vormaligen Walles geschaffen. (Stefan Schäfer)

Der Weihnachtsmarkt in Hann. Münden sollte eigentlich in den Wallanlagen stattfinden. Das führte zu einigen Diskussionen. Wegen der aktuellen Coronalage musste der Markt abgesagt werden.

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