Mündener Ansichten

Fachwerk in Hann. Münden: Sanierungen in den 1930er-Jahren

Haus Markstraße 20 in Hann. Münden. Das Foto von Stadtbaurat Dr. Pleuser entstand zwischen 1936 und 1937.
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Zwischen 1936 und 1937 fertigte wahrscheinlich Stadtbaurat Dr. Pleuser diese Fotografien an, die eindrucksvoll die Bemühungen zur Hervorhebung der Fachwerkfassade dokumentierten.

Hann. Münden ist berühmt für sein Fachwerk. Heute beleuchten wir die Geschichte des Hauses Marktstraße 20. Es wurde bereits in den 1930er-Jahren saniert.

Hann. Münden – Das Eckhaus Marktstraße 20 zur Burgstraße ist allein schon von seiner Lage her ein Hingucker. Stadtbaurat Dr. Hans Pleuser, der über die Mündener Altstadt, ihr städtebauliches Erbe und die Gestaltung 1923 promoviert hatte, entwickelte mit dem neuen Eigentümer des Hauses, Maurermeister Wilhelm Kraft, die Idee, der umfassenden Sanierung der noch unter einer Putzschürze steckenden barock geprägten Fachwerkfassade dieses Hauses. 1936 wurde das Haus vom Putz befreit.

Das, was wir heute Altstadtsanierung nennen, fasste Dr. Pleuser unter dem Arbeitstitel „Altstadtgesundung“ zusammen. Dieser Begriff war hier durchaus wörtlich zu nehmen. Denn für die meist komplett verbauten Hinterhöfe, in denen weder Mond noch Sonne schien, marodes Fachwerk vorherrschte und durch den Geldmangel nach Weltkrieg und Inflation waren die Rahmenbedingungen für den Erhalt schlecht. Andererseits schützte der Geldmangel vor zahlreichen zeitgeistlichen Umgestaltungen, die sich nach wenigen Jahren als überholte Modeerscheinung herausstellen sollten.

Das Haus Marktstraße 20 eingerüstet. Das Bild stammt wahrscheinlich Stadtbaurat Dr. Pleuser aus den Jahren 1936 oder 1937.

Die „gute alte deutsche Kleinstadt“ hatte unlängst einen historischen und touristischen Wert erfahren, den es zu pflegen, entwickeln und zu beleben galt. Dr. Pleuser empfahl den Abriss von Schuppen und Nebengebäuden, um etwas Licht und Luft auf dem Hof zum Nachbargebäude Burgstraße 4 zu schaffen. Mit dem Eigentümer Kraft entwickelte er die Idee der Anbringung von Holzbalkonen auf der Rückseite des Hauses. Mit der Entfernung des Putzes entstand die jetzige Ansicht eines dreigeschossigen Fachwerkhauses. Ende des 17. Jahrhunderts wurde es von der Familie Wiederholdt erbaut und über ein Jahrhundert bewohnt. Das Gebälk trägt heute Spuren der Bebeilung, damit der Anfang des 19. Jahrhunderts aufgetragene Putz auf den Balken haften konnte. Eine leider später verschwundene, dem Übergangsstil zwischen Barock und Klassizismus zuzuordnende Eingangstür mit Oberlicht vollendete den gelungenen Gesamteindruck nach der Sanierung.

Verlorenes Kleinod. Die Eingangstür und das vorhergehende Türgewände, das mit einem Diamantquader gestaltet war. Die Tür dürfte eventuell um 1800 zur Umgestaltung und Verputzung des Hauses eingebaut worden sein.

Die spätere Umgestaltung des Untergeschosses mit zwei Ladenlokalen, vor allem aber der Einbau von neuen Fenstern veränderten das Hausgefüge nachhaltig. Mit stilsicherer Farbgestaltung und dem Einbau von Sprossenfenstern zeichnet sich jetzt schon ab, dass das Haus, welches neben dem Nachbarhaus Burgstraße 4 durch die Familie Fehrensen aufwändig saniert wird, dem Begriff Hingucker an besonders exponierter Stelle vollends gerecht wird. Gute Voraussetzungen für ein geschütztes Baudenkmal. (Stefan Schäfer)

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